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Ribnitz-Damgarten Bestürzung über Abschiebung
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Bestürzung über Abschiebung
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17:10 10.08.2018
Mutter Hava Basaeva und Islam Abdulmezhidov und die Söhne Malik (7), Murad (13) und Alichan (15) am Flughafen. Quelle: privat
Ribnitz-Damgarten

„Rein rechtlich war das Verfahren ausgereizt, aber die Methoden sind ganz finster“, sagt Detlef Kattinger. Mit Bestürzung haben er und viele Mitglieder des PSV Ribnitz-Damgarten (Vorpommern-Rügen) auf die plötzliche Abschiebung einer fünfköpfigen tschetschenischen Familie reagiert. Drei Jungen im Alter von 7, 13 und 15 Jahren sowie ihre jeweils 36 Jahre alten Eltern wurden mitten in der Nacht nach Hamburg gebracht und mussten aus Deutschland ausreisen.

Die Jungen, Alichan, Murad und Malik Abdulmezhidov, hatten sich vor allem im Sport über die Grenzen Ribnitz-Damgartens hinaus einen Namen gemacht. Als Judoka hatten sie mehrere Titel gewonnen, auch Landesmeisterschaften. „Sie waren der Knaller, haben sich mit allen anderen gut verstanden und hatten eine vorbildliche Einstellung“, sagt ihr Trainer Detlef Kattinger. „Wir sind alle entsetzt. Wenn nach den Ferien das Training beginnt, müssen wir in der Gruppe menschlich und emotional erstmal Schadensbegrenzung betreiben.“

Zwei Uhr nachts, 20 Polizisten

Zwei Uhr nachts, 20 Polizisten, fünf Polizeiautos. „Wir haben geschlafen, es hat geklopft, auf einmal standen da so viele Polizisten. Wir hatten Angst“, beschreibt Alichan Abdulmezhidov das Erlebte. 20 Minuten hätten er und seine Familie Zeit gehabt, ihre Sachen zu packen. „Wir haben vieles da gelassen. Wir wurden nicht vorgewarnt“, so der 15-Jährige. Auf der Fahrt zum Hamburger Flughafen „habe ich die ganze Zeit gedacht, das muss ein Traum sein.“ Am Flughafen sei seine Mutter zusammengebrochen. Der siebenjährige Malik habe geweint.

Vor etwa fünf Jahren kam die Familie nach Deutschland. Die Jungen fanden beim PSV Ribnitz-Damgarten in der Judo-Sparte Anschluss. Auch ihre Eltern engagierten sich, organisierten Vereinsfeste mit, betreuten die Kinder. „Sie waren total integriert“, sagt Detlef Kattinger. Alichan und seine Brüder wurden für ihre Leistungen unter anderem beim Neujahrsempfang der Stadt Ribnitz-Damgarten ausgezeichnet.

„Alichan und Murad waren die besten Freunde unserer Zwillinge“, sagt Katrin Stadtaus, die sich in Ribnitz-Damgarten ehrenamtlich um Flüchtlinge kümmert. Um vier Uhr nachts weckten Stadtaus’ Kinder ihre Mutter und berichteten ihr von dem Geschehenen. „Wir konnten es gar nicht glauben, haben geweint.“ Auch die Eltern seien sehr herzliche Menschen.

Der menschliche Aspekt sei nachzuvollziehen, jedoch sei die Familie rein rechtlich ausreisepflichtig gewesen, da der Asylantrag abschließend abgelehnt wurde, teilte eine Sprecherin des Innenministeriums Mecklenburg-Vorpommerns auf Nachfrage mit.

Die Frist für eine freiwillige Ausreise, die nach Ablehnung gewährt wird, habe die Familie verstreichen lassen. Der Zeitpunkt der Abschiebung habe organisatorische Gründe und hänge mit dem Abflugzeitpunkt des Flugzeugs zusammen.

Angst vor Blutrache

Familie Abdulmezhidov wurde zunächst nach Moskau gebracht, ist mittlerweile in Tschetschenien angekommen. Und sie hat Angst. „Wir sind in Gefahr“, sagt Alichan. Es habe bereits Todesdrohungen gegeben. Der Grund: Alichans Vater, Lkw-Fahrer, war vor Jahren in einen Verkehrsunfall verwickelt, bei dem ein Mensch ums Leben kam. Und in Tschetschenien gelten die Regeln der Blutrache. Die Familie des Getöteten hat das Recht dazu bzw. Blutrache wird in Tschetschenien nicht geahndet. „Deshalb sind wir nach Deutschland geflüchtet“, sagt Alichan Abdulmezhidov. In Deutschland ist die Angst vor Blutrache kein Asylgrund. Jetzt ist die Familie wieder zurück in Tschetschenien. „Wir können an unserem aktuellen Ort aber nicht lange bleiben. Es ist sehr gefährlich“, so der 15-Jährige.

Niemeyer Robert

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