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Boddenland bohrt in Wöpkendorf

Dettmannsdorf Boddenland bohrt in Wöpkendorf

Gemeinde Dettmannsdorf prüft rechtliche Schritte gegen Brunnenbau

Dettmannsdorf. Der regionale Wasserversorger Boddenland hat begonnen, in Wöpkendorf, Ortsteil der Gemeinde Dettmannsdorf, den Aufbau einer Wasserentnahmestelle vorzubereiten. Bereits im vergangenen Jahr wurde ein Brunnen gebohrt. Nun werden laut Hans Köhler, Geschäftsführer des regionalen Wasserversorgers Boddenland, Proben entnommen und Pumpversuche durchgeführt. In der Gemeinde Dettmannsdorf und vor allem bei den Wöpkendorfern stößt das Vorhaben jedoch nach wie vor auf wenig Gegenliebe. „Wir sind mit dem Vorgehen grundsätzlich nicht einverstanden“, sagt Stefan Schmidt, Bürgermeister der Gemeinde Dettmannsdorf, der vor allem kritisiert, dass die Gemeinde über die Schritte nicht informiert werde. Die Boddenland hätte beispielsweise vor zwei Jahren ein Grundstück in dem Ortsteil gekauft, ohne die Gemeinde zu informieren.

 

OZ-Bild

Wir sind nicht der Wasserträger der Region. Stefan Schmidt, Bürgermeister von Dettmannsdorf

Hintergrund ist, dass die Boddenland GmbH plant, in Wöpkendorf ein Wasserwerk zu errichten. Mindestens drei Brunnen sollen in Wöpkendorf entstehen, inklusive Trinkwasserschutzzonen. Auch ein Wasserwerk soll auf dem Grundstück gebaut werden. Mehrere Millionen Euro werde die Boddenland GmbH investieren.

Die Gemeinde Dettmannsdorf wehrt sich gegen das Vorhaben der Boddenland, hat nun auch einen Anwalt eingeschaltet, wie Schmidt sagte. „Wir sind nicht der Wasserträger der Region“, so der Bürgermeister. Die Gemeinde befürchtet Einschränkungen durch ausgewiesene Trinkwasserschutzgebiete, etwa beim Bau von neuen Eigenheimen oder für die ansässige Landwirtschaft. „Wer ersetzt die wegfallende Wirtschaftskraft“, fragt Schmidt. Konkrete rechtliche Schritte seien zwar noch nicht eingeleitet, würden laut Schmidt aber geprüft.

Die Boddenland GmbH hält dagegen. Die Trinkwasserversorgung sei Daseinsvorsorge, der sich keine Gemeinde verschließen dürfe. Unter anderem müssen laut Boddenland weggefallene Wasserspeicher kompensiert werden, etwa die Wasserquelle Sundischer Berg bei Barth, die vor Monaten augrund erhöhter Nitratwerte aufgegeben werden musste. 800 Kubikmeter wurden dort täglich gefördert. In Wöpkendorf liege das Potenzial bei mehr als 3000 Kubikmetern täglich. „Die Trinkwasserversorgung hat Vorrang“, sagt Hans Köhler. Und Ansprechpartner sei nicht die Gemeinde, sondern seien die Wasserbehörden des Landes – dem gehört das Trinkwasser im Boden – und die Grundstückseigentümer im Umfeld.

Die Gemeinde jedoch sieht in dem Vorhaben nicht die Grundversorgung im Vordergrund, sondern wirtschaftliche Interessen. Das Wasser, so Schmidt, solle vor allem die Tourismusgebiete auf der Halbinsel Fischland/Darß/Zingst versorgen. In Ahrenshoop sei der Wasserverbrauch pro Einwohner achtmal höher als in Dettmannsdorf. Der Grund: Urlauber. „Es geht nicht um Grundversorgung, sondern um ein Geschäftsmodell“, so Stefan Schmidt.

Die Gemeinde Dettmannsdorf müsse partizipieren. In welcher Form, ließ Schmidt jüngst offen. Vor Monaten war eine Art Solidaritätsausgleich zugunsten Dettmannsdorfs ins Gespräch gebracht worden.

„Zumindest sollten sich die beteiligten Kommunen an einen Tisch setzen, um sich über ihre Befindlichkeiten auszutauschen“, sagt Stefan Schmidt. Die 25 Kommunen im Versorgungsgebiet der Boddenland GmbH sind an ihr prozentual beteiligt. Größter Gesellschafter ist Ribnitz-Damgarten mit 34,2 Prozent. Dettmannsdorf-Kölzow/Dudendorf hält 2,2 Prozent.

Solchen Zahlungen widerspricht die Boddenland, denn die Gemeinde Dettmannsdorf bzw. deren Bürger profitieren bereits vom Tourismus. Über die hohen Abnahmemengen aus den Urlaubsgebieten könne der Trinkwasserpreis stabil niedrig gehalten werden. Außerdem gebe es für einen solchen Solidaritätsausgleich keine gesetzliche Grundlage.

Im Versorgungsgebiet der Wasser- und Abwasser-GmbH Boddenland werden rund 55000 Einwohner mit mehr als 21000 Abnahmestellen versorgt. Zusätzlich betreibt die Boddenland GmbH fünf Abwasserbetriebe für insgesamt 25000 Einwohner. Derzeit wird laut Hans Köhler eine Studie erarbeitet, die die Trinkwasserversorgung im Einzugsgebiet untersucht, unter anderem auch die Entwicklung des Bedarfs. Frühestens in drei bis fünf Jahren könne in Wöpkendorf tatsächlich Wasser für die Versorgung gewonnen werden.

Robert Niemeyer

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