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Ribnitz-Damgarten Bogenschießen: „Meine Insel im Alltag“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Bogenschießen: „Meine Insel im Alltag“
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00:01 07.06.2017
Beamte, Erzieher, Gastronomen und Rentner treffen sich immer sonnabends zum 3-D-Bogenschießen. Quelle: Fotos: Carolin Riemer
Saatel

Der Bogen liegt leicht in der Hand. Drei Finger umfassen die Sehne beim Spannen. „Ellenbogen nach oben, den Bogen leicht schräg halten und das Ziel anvisieren. Sehne loslassen “, sagt Georg Bauerschmidt (55) und sieht zu, wie der Pfeil durch die Luft rauscht, bevor er die Zielscheibe trifft.

Die Schützen in Saatel suchen Gleichgesinnte / Erste Turniere vorbereitet

Die Vögel in dem Waldstück hinter Saatel zwitschern, die Blätter der Bäume rascheln im leichten Wind. „Intuitives Bogenschießen, das wirkt meditativ. Draußen in der Natur sein. Mit Menschen, die man mag und immer der Ehrgeiz, sein Ziel zu treffen. Da wird der Kopf auch nach dem stressigsten Tag frei.“

Im Frühjahr gründeten Georg Bauerschmidt und 14 weitere Männer und Frauen die „Interessengemeinschaft Freie Bogenschützen Vorpommern“. Aus Barth, Zingst, Prerow, Grimmen, Gnoien und sogar Hamburg und Berlin kommen die Schützen, die sich in lockeren Runden immer sonnabends in dem fast zwei Hektar großen Waldstück von André Marx treffen.

Die Bogenschützen kennen sich schon lange. Zunächst gehörten sie zur „Bürger-Schützen-Kompanie zu Barth“. Doch nach gewissen Unstimmigkeiten und Streitigkeiten packten die Bogenschützen ihre Utensilien zusammen und gründeten ihre eigene Gruppe.

Georg Bauerschmidt kam auf einem Umweg zum Bogenschießen. Als erfolgreicher Bumerang-Sportler, der an Europa- und Weltmeisterschaften teilnahm und irgendwann keine Lust mehr auf den Leistungsdruck hatte, suchte er einen Sport, der ihn ebenfalls raus in die Natur führt. „Das Bogenschießen ist ein perfekter Ausgleich“, stellte er fest.

„Unser 3-D-Parcours ist mit einem Minigolfplatz vergleichbar“, erzählt Bauerschmidt während er sich seinen Weg durch hohe Gräser und Brennnesseln am Waldboden bahnt. 26 Stationen und 35 verschiedene Ziele bauten die naturliebenden Schützen auf. Doch sie schießen nicht auf langweilige runde Zielscheiben, sondern auf nachgebaute Tiere, die sie selbst aus Ethafoam basteln – einer Mischung aus Schaumstoff und Gummi.

Ein Vogel hängt in einem Baumwipfel, ein Affe hangelt an einem Ast und ein Eisbär steht in 51 Metern Entfernung zu den Schützen hinter einem kleinen Teich. In einer Situation würde Georg Bauerschmidt keinen Spaß verstehen: „Wer hier auf echte Tiere schießen würde, würde sofort aus der Gruppe fliegen.“ Aber auf so eine Idee sei noch niemand gekommen. Der Schwierigkeitsgrad wechselt von Ziel zu Ziel. Das kleinste Objekt: eine Ente. Der Eisbär ist groß, steht allerdings weit entfernt von den Schützen.

Georg Bauerschmidt zog vor zwei Jahren aus dem Rheinland nach Zingst. In seiner alten Heimat gründete er die erste Bogenschützen-Gruppe des Landes. Von anfänglich 20 Mitgliedern wuchs sie bis heute auf 3500 Mitglieder. Immer mehr Menschen fänden nun auch im Norden zu dem Sport. Das macht Bauerschmidt glücklich, denn das Hobby ist vielseitig.

Jeder Schütze fertigt seine Pfeile selbst an. Maik Horn und Klaus-Dieter Fritz schnitzen ihre Langbögen eigenhändig und die ganz Kreativen bauen die Kunststoff-Tiere. Zu ihnen gehört Silke Bauerschmidt. „Meine Frau und mein Fels in der Brandung“, sagt Georg Bauerschmidt. Außerdem pflegen die Schützen das Waldstück regelmäßig, in dem sie sich mit Hilfe einer Sense schmale Pfade zwischen den einzelnen Stationen anlegen. „Jeder macht das, was er kann und wozu er Lust hat“, erklärt Dirk Brügmann.

Brita Horn und Kerstin Fritz verpflegen die Schützen beispielsweise mit Kaffee und Kuchen. „Eigentlich wollte ich nur ein Mal probieren, ob ich so einen Pfeil auch schießen kann“, sagt Brita Horn.

Und siehe da, sie konnte es. Ihr Ehrgeiz war sofort geweckt und mittlerweile nimmt sie sogar an Turnieren teil. „Für mich ist es eine Insel im Alltag geworden.“

Derzeit laufen die Vorbereitungen für einen ersten eigenen Wettkampf. Kontakte haben die Schützen schon lange geknüpft. Die Chancen stehen gut, dass im Spätsommer das erste Turnier ansteht. Nun arbeiten sie an einem eigenen Logo und an einer neuen Webseite im Internet. Schon so mancher Gast habe nach Saatel gefunden und ein Probeschießen mitgemacht. Kindergeburtstage wurden hier gefeiert.

Die Schützen sind immer bereit, Anfänger und Fortgeschrittene zwanglos bei sich aufzunehmen. „Es kann nur gut für uns sein, wenn das Bogenschießen publik gemacht wird“, findet Bauerschmidt. Nur ein großer Wunsch bleibt den Sportlern. In Ermangelung eines Unterschlupfes mitten im Wald, sind sie schon lange auf der Suche nach einem alten, ausgedienten Bauwagen, der ihnen Schutz vor dem Regen bietet.

Info: www.bow-of-nature.de,

Bei Interesse ☎ 01 76/ 47 18 35 48

Carolin Riemer

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