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Ribnitz-Damgarten Brandopfer stehen vor dem Nichts
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Brandopfer stehen vor dem Nichts
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00:00 21.03.2013
Der Brand brach in der K�che im ersten Obergeschoss aus.
Ribnitz-Damgarten

Pauline Brandt knuddelt ihren Hund Buddy. „Er ist das Einzige, was mir geblieben ist“, sagt die 21-Jährige traurig. Emanuel Korinth, der Bruder ihrer Freundin Saskia (23), hatte die französische Bulldogge aus ihrer Wohnung befreit, kurz bevor das Feuer auf das Dachgeschoss übergriff. „Die Feuerwehr wäre wahrscheinlich zu spät gekommen“, vermutet der 25-Jährige.

Die junge Frau hat durch den Küchenbrand im Körkwitzer Weg (die OZ berichtete) alles verloren — außer Buddy. Auch sechs weitere Mieter des Hauses stehen vor dem Nichts.

Rückblick: Gegen 14 Uhr lodern in einem Wohnhaus im Körkwitzer Weg die Flammen. Die Wohnungen im Obergeschoss und unterm Dach brennen komplett aus. Das Untergeschoss wird durch die Löscharbeiten in Mitleidenschaft gezogen. Die fünf Bewohner, die sich zu dieser Zeit in dem Haus aufhalten, können das Gebäude noch rechtzeitig verlassen. Das Haus ist allerdings unbewohnbar.

„Ich bin um 11 Uhr zu meiner Freundin gegangen. Ich hatte nur mein Handy und mein Ladekabel dabei“, berichtet die 21-jährige Pauline Brandt. Als sie von dem Brand erfährt, eilt sie sofort zu ihrer Wohnung. „Zu diesem Zeitpunkt hatten die Flammen aber schon aufs Dachgeschoss übergegriffen. Ich konnte nichts mehr retten“, sagt sie. Und die junge Frau hat ein weiteres Problem: Sie ist nicht versichert.

„Ansonsten würde die Versicherung jetzt einen Vorschuss bezahlen“, erklärt Ullrich Balke, Geschäftsführer der Gebäudewirtschaft Ribnitz-Damgarten. Das Unternehmen verwaltet das Gebäude, in dem der Brand ausgebrochen war. Auch die übrigen sechs Mieter haben alles verloren, sagt Balke. „Sie sind völlig mittellos und auf Hilfe angewiesen“, betont Balke und hofft auf die Unterstützung der Bevölkerung (siehe Infokasten).

Das hofft auch Florian Stark (22), Sohn des betroffenen Ehepaares Christina und Winfried Stark. „Von einer Minute auf die nächste hatten meine Eltern nichts mehr“, berichtet ihr Sohn. „Keine Kleidung, kein Geschirr, keine notwendigen Dokumente, keinerlei Familien- oder Kindheitserinnerungen. Meine Eltern haben sich in jeder Lage, egal wie schwierig sie war, um mich, aber auch um fremde Menschen in Notlagen gekümmert. Zum ersten Mal erlebe ich, wie sie einer schier übermächtigen Situation kraft- und machtlos gegenüber stehen.“

Pauline Brandt konnte gestern zumindest ein bisschen durchatmen. „Ich habe viel Unterstützung bekommen“, sagt die 21-Jährige. So spendete beispielsweise das „Futterhaus“ für Buddy Hundefutter. Nach vielen Telefonaten und Gesprächen mit der Gebäudewirtschaft und dem kommunalen Jobcenter in Ribnitz-Damgarten — Pauline Brandt ist arbeitslos — hat sie auch nun ab dem 15. April eine neue Wohnung.

Derzeit wohnt die Ribnitzerin noch bei einer Freundin.

Ein enttäuschendes Erlebnis bleibt: In ihrer Verzweiflung hatte sich die junge Frau einen Tag nach dem Brand an Bürgermeister Jürgen Borbe (CDU) gewandt. Bekam dort jedoch eine klare Abfuhr, wie sie sagt. „Ich bin nicht das Sozialamt, hat er zu mir gesagt“, berichtet Pauline Brandt. Statt ihr Hilfe anzubieten, habe er sie aufgrund ihres Aussehens beleidigt. „Ich habe eine Bemerkung gemacht, die etwas kess war“, räumte Borbe gestern gegenüber der OZ ein. Allerdings sei auch die 21-Jährige sehr fordernd gewesen, habe auf Fragen nicht antworten wollen. „Wenn mir jemand sachlich Auskunft gibt, kann ich auch helfen“, erklärte Borbe. So habe er den beiden Paaren, die auch im Haus wohnten und ihn um Hilfe baten, ein Darlehen über 500 Euro gegeben. Er habe sich „damit weit aus dem Fenster gelehnt“, was die Rechtslage betrifft. Und auch für Pauline Brandt habe er sich noch eingesetzt. „Obwohl wir aneinander gerasselt sind, habe ich mit der Gebäudewirtschaft gesprochen“, verteidigt sich Borbe.

Spendenaufruf
Sieben Mieter sind von dem Brand im Körkwitzer Weg betroffen. Ullrich Balke von der Gebäudewirtschaft Ribnitz-Damgarten bittet die Bürger, für die Brandopfer Möbel, Elektrogeräte oder Kleidung zu spenden. Wer die Betroffenen unterstützen möchte, kann sich per E-Mail melden an

lokalredaktion.ribnitz-damgarten@

ostsee-zeitung.de.

Als ich zu dem Haus kam, hatten die Flammen schon aufs Dach- geschoss übergegriffen. Ich konnte nichts mehr retten.“Pauline Brandt (21)

Anika Hoepken

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