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Barth Bürgeraktion fordert Energiewende

Zwei Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Japan: Mahnwache auf dem Barther Marktplatz

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Hans Radau begleitet auf der Gitarre das gemeinsame Lied „Das weiche Wasser bricht den Stein.“

Quelle: Fotos: Hans-Joachim Meusel

Barth. Bei Minusgraden eine Gitarre zum Klingen zu bringen, ist beschwerlich. Musikfreunde wissen das. Doch Hans Radau lässt sich mit seinem Instrument nicht irritieren, und die Frauen und Männer um ihn herum auch nicht. Denn sie versammeln sich am Montag nicht zum Vergnügen auf dem abendlichen Marktplatz in Barth, sondern aus sorgenvollem Grund. „Wir gedenken der Opfer der atomaren Katastrophe von Fukushima“, sagt der ehemalige Pastor Gottfried Frahm. Er hat Geburtstag, wird 70. Kein Grund für ihn, nicht zur Mahnwache zu kommen. „Wir gedenken auch der Opfer von Tschernobyl, wir denken an die bekannten und verheimlichten Unfälle in Kernkraftwerken — von den USA bis Deutschland.“

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Wir mahnen, lassen uns mahnen. Wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen.“Gottfried Frahm, Pruchten

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Sie nennen ihre Gruppe „Aktionsbündnis für Natur und Umwelt Barth“. Das sind Leute, die sich einmischen, die sich oft nicht zufrieden geben mit einfachen Antworten. Egon Haase gehört dazu und Hiltrud Uphues, das Ehepaar Lüthke und Gottfried Frahm aus Pruchten, der die Gruppe besonders bei den Mahnwachen inhaltlich führt. Pastorin Annemargret Pilgrim ist dabei, die zugezogene Familie Steigler, weitere besorgte Bürger. Knapp 20 Leute stehen da fast eine halbe Stunde auf dem zugigen Markt und sprechen über ihre Gefühle, über ihre Ängste. Ein bisschen traurig ist man, dass so viele andere Menschen das Anliegen ignorieren. Maik Lüthke wirkt beinahe etwas trotzig, als er sagt: „Erschreckend, dass man froh sein kann, wenigstens ein paar Leute hier aufrecht stehend zu sehen.“ Zuvor hatte er auf offensichtliche Widersprüche in der Einschätzung der gesundheitlichen Lage in Japan verwiesen. Während die Weltgesundheitsorganisation WHO „keinen signifikanten Anstieg von Krebserkrankungen“

ausmacht, sagen Informationen von kritischen Organisationen etwas anderes: Die Säuglingssterblichkeit stieg, man rechnet in Japan mit 80 000 mehr Krebserkrankungen.

Hiltrud Uphues fordert: „Weg von riskanter Technologie, hin zu Ressourcen, die unerschöpflich sind: Wind, Sonne und Wasser“. Pastor Frahm ruft aus: „Wenn wir diese Mahnwache halten, stehen wir zugleich für Demokratie ein, damit nicht autoritär und zentralistisch bestimmt wird, was für alle gut sei.“ Man leiste Widerstand „mit unserer schwachen Kraft gegen die größte uns bekannte menschengemachte Gefahr, wie es in Fukushima spürbar geworden ist.“

Die Aufrechten singen: „Das weiche Wasser bricht den Stein“. Gottfried Frahm versichert: „Wir werden uns wieder treffen und mahnen.“ Und alle hoffen, dass sie ein paar mehr Mitstreiter erhalten. Denn die drohende Gefahr macht um niemanden einen Bogen.

Hans-Joachim Meusel

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