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Ribnitz-Damgarten Center Parcs auf Pütnitz?
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Center Parcs auf Pütnitz?
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09:03 08.09.2018
Die Halbinsel Pütnitz mit dem ehemaligen Militärflugplatz liegt idyllisch am Saaler Bodden. Quelle: Ernst Fischer
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Ribnitz-Damgarten

Nächste Runde auf dem Weg zu einer touristischen Entwicklung des ehemaligen Militärflughafens auf der Halbinsel Pütnitz bei Ribnitz-Damgarten (Vorpommern-Rügen): Am Donnerstag hat die Stadtverwaltung einem potenziellen Investor das Gelände vorgestellt. Nach OZ-Informationen soll es sich dabei um Vertreter des niederländischen Unternehmens Center Parcs gehandelt haben. Eine offizielle Bestätigung gab es dazu auf Nachfrage nicht. „Es gab ein vorbereitetes Programm, unter anderem mit einer Besichtigung des Geländes und einer Abschlussrunde“, sagte Ribnitz-Damgartens Bauamtsleiter Heiko Körner nur. Die Beteiligten hätten vereinbart, noch keine Details zu dem laufenden Prozess zu veröffentlichen.

Unterschrieben ist noch nichts

Unterschrieben ist laut Heiko Körner jedoch noch nichts. Eine endgültige Entscheidung sei in diesem Jahr auch nicht mehr zu erwarten. Ergebnis der Runde sei unter anderem gewesen, dass weitere offene Fragen beantwortet werden sollen.

Ein Thema ist dabei die Altlastensanierung des ehemaligen Militärflughafens und die äußere Erschließung, um das Gelände so weit vorzubereiten, dass darauf gebaut werden kann. Die Kosten dafür liegen im zweistelligen Millionenbereich, hatte Ribnitz-Damgartens Bürgermeister Frank Ilchmann vor Wochen erklärt. Zu genauen Zahlen gab es auch aus dem Bauamt keine Auskunft.

Fest steht, dass diese Altlastensanierung nicht ohne Fördermittel umzusetzen ist. „Es gibt Angebote für eine Förderung aus der öffentlichen Hand“, so Heiko Körner. Das Land hat also bereits signalisiert, die Stadt zu unterstützen. Unter anderem begleiteten am Donnerstag auch Vertreter des Wirtschaftsministeriums Mecklenburg-Vorpommerns die Tour.

4,7 Millionen für 550 Hektar

Mit 550 Hektar stellt das Gebiet auf der Halbinsel Pütnitz eines der letzten großen touristischen Entwicklungsgebiete an der deutschen Ostseeküste dar. Das unter dem Titel „Bernstein-Ressort Pütnitz“ beplante Gebiet ist 232 Hektar groß.

Bereits seit vielen Jahren sucht die Stadt einen Investor (siehe Infokasten). Um Schwung in die Vermarktung zu bringen, hatte man den Entschluss gefasst, Pütnitz zu kaufen. 2008 war der Deal mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) perfekt gemacht worden. Die Stadt Ribnitz-Damgarten wurde für 4,7 Millionen Euro Eigentümerin des rund 550 Hektar großen ehemaligen Militärgeländes.

Wie am Ende die konkreten Planungen aussehen könnten, dazu könne zu diesem frühen Zeitpunkt noch nichts gesagt werden. Die Vorstellungen der Stadtverwaltung gehen in Richtung Urlaubsressort mit Hotelanlage, Wellness- und Gesundheitsangeboten, Ferienapartments, Gastronomie, Handel und Golfanlage.

Im Herbst 2016 wurde das Raumordnungsverfahren für das touristische Millionenprojekt abgeschlossen. Im Ergebnis wurde das Vorhaben auf eine Kapazität von maximal 2800 Betten beschränkt. Ursprünglich sollten es weit mehr als 3000 sein.

Keine Garantie

Offen ist auch noch, wie es mit dem Technikverein, der auf dem Gelände ein Technikmuseum betreibt und jährlich Großveranstaltungen wie das Ostblocktreffen durchführt, weitergeht. Bürgermeister Frank Ilchmann hatte jüngst gesagt, es sei im Interesse der Stadt, dass der Verein dort bleiben kann. Eine hundertprozentige Garantie konnte er jedoch nicht geben. Gleiches gilt für das jährlich stattfindende Pangea-Festival.

Center Parcs Europe baut und betreibt Ferienparks in Deutschland Belgien, Frankreich, England und den Niederlanden. Das Unternehmen gehört zur französischen Kette Pierre et Vacances Center Parcs Group.

In Deutschland gibt es fünf Center Parcs, unter anderem in Bispingen, in Tossens an der Nordseeküste und im Hochsauerland. Am 1. Oktober eröffnet der neueste Ferienpark bei in Leutkirch im Allgäu mit 1000 Ferienhäusern auf einer Fläche von rund 184 Hektar.

Von Flugzeugbau bis zur karibischen Freizeitanlage

Mitte der 1930er Jahre wurde auf der Halbinsel Pütnitz ein Flugplatz errichtet, den die Wehrmacht zu Ausbildungszwecken nutzte. Am 2. Mai 1945 wurde der Platz kampflos von sowjetischen Einheiten eingenommen. Von 1948 bis Ende 1951 produzierte die Boddenwerft Damgarten hier Fischkutter. Zum 31. Dezember 1951 wurde die Werft geschlossen, das Gelände musste der Roten Armee übergeben werden. Nach dem Abzug des russischen Militärs 1994 wurde der Platz vom Bund übernommen. 2008 kaufte die Stadt Ribnitz-Damgarten das Gelände.

Im Laufe der Jahre gab es viele Interessenten, dazu gehörten u.a. der Flugzeubauer Dornier, die Arizona-Freizeit- und Kulturpark GmbH, die einen Westernpark anlegen wollte. Und auch Harry Jeske, ehemaliger Gitarrist bei den Puhdys, meldete sich. Er wollte eine karibische Ferienanlage bauen.

Niemeyer Robert

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