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Ribnitz-Damgarten Cowboys übernehmen Dorf
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Cowboys übernehmen Dorf
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06:36 09.09.2013
Cattle-Penning verlangt Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen von Pferd und Reiter. Fotos (2): Susanne Retzlaff
Carlsruhe

Da bellte dann doch manch rauer Fluch über die sonst so friedlichen Wiesen Carlsruhes, wenn wieder einmal ein ganz normales Jungrind einen ganz erfahrenen Cowboy ein ganz klein wenig „alt“ aussehen ließ. Kein Wunder, die Kuhhirten und ihre Pferde hatten bereits ein volles Tagesprogramm mit Trail-Parcours, Orientierungsritt und Rettungsaktionen nach Indianerart hinter sich, während sich die Rinder auf der Weide ausruhen konnten. Und so hatte die schräg stehende Sonne am Sonnabendnachmittag gut lachen, wenn die „dumme Kuh“ den coolen Cowboy im Sattel eines manchmal leicht verträumten Pferdes austrickste und sich mit einer unerwarteten Wendung aus der Zwickmühle befreite, in die der Reiter es gerade mit viel Gefühl hinein manövriert hatte. Cattle-Penning demonstriert typische Rinderarbeit und verlangt Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen von Pferd und Reiter.

Über 100 Cowboys und Cowgirls, einige Indianer und sogar Piraten hatten sich zum 16. Westerntreffen auf der Ranch eingefunden . „Damit ist das Westerntreffen auch in diesem Jahr wieder die größte Zusammenkunft von Westernreitern in MV,“ freut sich Jörg M. Singer vom Westernhof-Carlsruhe e.V.. 119 Pferde und zwei Kutschen starteten am Morgen auf den Weg durchs Gelände, um unterwegs an verschiedenen Stationen Punkte zu sammeln. Auch wenn bei dem Treffen in Carlsruhe Wettbewerbe zum Unterhaltungsangebot gehörten, moderiert von Frank Haslinger, sollte der Spaß an der Sache und die Gemeinschaft im Vordergrund stehen. „Daher sind die Voraussetzungen, die die Teilnehmer mitbringen müssen, auch nicht hoch gesteckt“, erklärt Singer.

Und so erklärt sich auch das breite Spektrum an Persönlichkeiten, die Country in Carlsruhe erleben wollten. Der zweijährige Til ist mit Hut und Sattelknauf schon so vertraut wie sein Papa. Stephan Linde dagegen hatte mit Pferden eigentlich nichts am Cowboyhut, bis er Astana, einen Lewitzer-Kaltblut-Mix kennenlernte. Die bunte Stute mit dem blauen Auge kam als Beistellpferd auf den Hof und Linde verliebte sich sofort. Klar, dass er bald mehr wollte, als nur striegeln. Bekannte halfen ihm vor etwa sieben Jahren in den Westernsattel. Karl-Heinz ist ein ganz Junger auf dem Rücken seines Quarter-Horse Taris Bell. In Darmstadt geboren zog er Ende 2010 nach Schwerin. Seit einem knappen Jahr reitet er unter Aufsicht guter Coaches.

Dagegen ist der 13-jährige Lukas Haslinger fast ein „alter Hase“. Eigentlich im Westernsattel groß geworden, stieg er nach einer Pause vor vier Jahren wieder auf den Pferderücken. Seine Eltern hatten für ihn ein Paint-Horse gezogen. Der vierjährige Wallach vereint alle guten Eigenschaften, die man Western-Pferden nachsagt, ist cool, verzeiht Fehler, hat trotzdem Temperament und ist noch in der Ausbildung. Lukas reitet schon recht erfolgreich in den Disziplinen Pleasure, Reining und am liebsten Trail. Da sind Geschicklichkeit, Gelassenheit und Sensibilität gefragt. Meistens belegt er einen der vorderen drei Plätze. Kürzlich ist er dritter der gemeinsamen Landesmeisterschaften Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins bei den Junioren geworden, beim EWU-Turnier in Dalwitz belegte Lukas in seiner Lieblingsdisziplin den ersten Platz, sammelte Erfahrungen auf dem Bundeschampionat bei Frankfurt und malt sich aktuell Chancen auf die MV-Trophy aus.

Vor Anbruch der Dunkelheit, machten es sich Bernd Heuer und Marcel Weiß in einer Box neben dem Saloon gemütlich. Sie vertreten den Country und Western Club Schwerin und sind nur gekommen, um zu gucken. „Alles ist toll organisiert. Nächstes Jahr kommen wir wieder.“ Doch vorher ließen sie mit vielen anderen das Country-Wochenende in Carlsruhe bei Linedance und Lagerfeuer mit knisternder Westernromantik ausklingen und träumten auch ein bisschen von der Apache Spirit Ranch in Tombstone/Arizona, der am Abend meistbietend versteigert werden sollte. Der Erlös des Treffens, sofern vorhanden, soll dem Verein und dort überwiegend der Jugendarbeit zukommen, erklärte Singer.

Ergebnisse
Indian Rescue Race: 1. Dirk Haslinger mit Charlotte Rudlof (13,40 Sekunden); 2. Frank Haslinger mit Lana Lenz (15,79 Sek.); 3. Daniela Stege mit Steffi (16,38 Sek.)

Orientierungritt: 1. Team Ehlershof und Team Kukuk; 2. Team Werner; 3. Team Dalwitz

Trail Kinder: 1. Aike-Marie Frechwurst; 2. Kirsten Lange; 3. Lea Schilling

Trail Erwachsene: 1. Daniela Stege; 2. Stefan Linde; 3. Ulrike Bauer

Team Penning: 1. Gero, Cristian, Falko (2 Rinder in 2:20); 2. Andreas, Christian, Andreas ( 1 Rind in 1:25); 3. Stefan, Jan, Ina (1 Rind in 1:57)

Cattle Penning: 1. Bernd Brinkmann (9,01 Sek.); 2. Michel Rißmann (9,19 Sek.); 3. Falko Behnke (9,81 Sek.)

Susanne Retzlaff

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