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Ribnitz-Damgarten Das war knapp: Junge rettet sich vor umstürzendem Baum
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Das war knapp: Junge rettet sich vor umstürzendem Baum
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00:01 10.05.2016

Das hätte richtig böse enden können. Ein zehnjähriger Junge ist am Sonnabend im Darßwald offenbar nur knapp einem schrecklichen Unfall entgangen. Nur dank des Rufes seines Vaters konnte sich das Kind vor einem umstürzenden Baum retten. Im letzten Moment sprang der Junge zu Seite. Sein Fahrrad, mit dem er zu diesem Zeitpunkt unterwegs war, wurde von dem Baum begraben.

Mit einem Sprung in letzter Sekunde brachte sich der Zehnjährige in Sicherheit / Er war mit seiner Familie am Sonnabend mit dem Rad im Darßwald unterwegs

„Wenn der Baum ihn erwischt hätte, wäre er tot gewesen.“ Diethart Kröpelin, Fahrradverleiher aus Wieck

„Bei uns liegt keine Verletzung der Sorgfaltspflicht vor.“ Gernot Haffner, Leiter Nationalparkamt

„Ich musste selbst zur Seite springen und sah meinen Sohn in Schockstarre, als der Baum auf ihn zukam“, beschreibt dessen Vater* das Geschehen. Auch sein Fahrrad wurde von dem Baum getroffen. „Ich schrie, dass er da weg soll. Das ging alles so schnell.“ Verletzt wurde der Junge nicht. „Wir haben Glück gehabt. Aber was wäre wenn? Das hat uns noch auf der Rückfahrt sehr bedrückt.“

Eigentlich wollte die Familie aus Hamburg am Samstagabend nur noch ihren letzten Ausflug vor der Abreise am Sonntag zu Ende bringen. Wie der Vater sagte, sei vor ihnen eine Gruppe von Mädchen gefahren. Etwa zehn Meter hinter ihnen und zehn Meter vor seiner Familie krachte ein Baum auf den schmalen Weg zwischen Peters Kreuz und Großer Stern. Als die Familie an der Stelle hielt, sorgte eine Windböe dafür, dass auch die zweite Hälfte des Baumes umfiel und dabei den Jungen fast erschlug.

„Wenn der ihn erwischt hätte, wäre er tot gewesen“, sagt Diethart Kröpelin, seit elf Jahren Fahrradverleiher in Wieck. Von ihm hatte die Familie die Räder.

Es gebe im Darßwald mehrere Stellen, an denen durch trockene Bäume Gefahren lauern. Der Baum, der am Sonnabend der Familie beinahe zum Verhängnis wurde, sei bereits seit Längerem morsch gewesen. „Der ist sofort in mehrere Teile gebrochen, als er auf dem Boden aufschlug“, sagt auch der Vater der betroffenen Familie.

Kröpelin nimmt jetzt das Nationalparkamt in die Pflicht. „Es besteht teilweise Unfallgefahr im Darßwald. Das Nationalparkamt muss seiner Verkehrssicherungspflicht nachkommen“, fordert er.

Hunderte Radfahrer sind an Wochenenden im Darßwald unterwegs. Die etwa 150 Räder, die Kröpelin verleiht, seien am vergangenen Wochenende alle unterwegs gewesen. In Wieck und Prerow gibt es etliche Fahrradverleiher. Nach Zählungen des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz gibt es täglich im Schnitt 800 Fahrradbewegungen allein auf dem k-Gestell, einer der beliebtesten Strecken zwischen Born und Weststrand. Im Jahr sind es hier schätzungsweise 111000 Fahrradbewegungen. Hinzu kommen die vielen anderen Wege, etwa das g-Gestell.

„Wir sind froh, dass es glimpflich ausging“, sagt Gernot Haffner, Leiter des Nationalparkamtes. Allerdings weist er darauf hin, dass sich die Nutzer auf eigene Gefahr in dem Wald bewegen.

Eine volle Pflicht zur Verkehrssicherung gelte nur an Straßen, wie etwa der Landesstraße 21. „Alles, was da nicht sicher steht, wird unverzüglich gefällt“, sagt Haffner. Zweimal jährlich gibt es dafür eine Begehung.

Innerhalb des Waldes gelte nur eine eingeschränkte Verkehrssicherungspflicht. Das heißt, dass nur akute Gefahren zu beseitigen sind, etwa hängende Äste oder Bäume, die sich vom Nationalparkpersonal bei Waldarbeiten selbst verschuldet etwa in anderen Baumkronen verfangen hätten und umzustürzen drohen. Sogenannte waldtypische Gefahren, dafür hafte der Waldbesitzer — das Land — nicht. So steht es im Bundeswaldgesetz. Die umgestürzte Buche am Sonnabend gehöre dazu.

Darüber hinaus werde an jedem Eingang zum Darßwald auf die Gefahren hingewiesen und auch darauf, dass man den Wald auf eigenes Risiko betrete. „Bei uns liegt keine Verletzung der Sorgfaltspflicht vor“, so Gernot Haffner. Deshalb sei das Nationalparkamt auch in Sachen Schadenersatz aus dem Schneider. Wer für die beiden zerstörten Fahrräder aufkommt, müssten Verleiher und Leiher klären.

Überhaupt sei eine vollständige Verkehrssicherungspflicht im Wald wenig förderlich. Die würde nämlich vorsehen, dass in einem Seitenstreifen von etwa 30 Meter neben den Wegen alle potenziellen Gefahren entfernt werden müssten. „Dann würde es im Darßwald ganz anders aussehen“, so Haffner. Ein solcher Eingriff in die Natur wäre schwer zu vermitteln. Lediglich die Verkehrssicherheit der Wege an sich müssten gewährleistet sein. Das sei etwa mit den Sanierungsmaßnahmen des k-Gestells geschehen, das Ende März wieder freigegeben worden war.

*Name der Redaktion bekannt

Von Robert Niemeyer

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