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Dickes Problem für Klinik und Helfer

Alles im XXL-Format: Klinik rüstet mit spezieller Technik für Übergewichtige auf Dickes Problem für Klinik und Helfer

Feuerwehr rückt immer öfter aus, um Rettungsteams beim Transport von Übergewichtigen zu unterstützen.

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Links sind einige OP-Instrumente in der Standardgröße, rechts die für Übergröße.

Quelle: Fotos: Anika Hoepken (2), Feuerwehr (1)

Ribnitz-Damgarten. Mehr als die Hälfte der Menschen in MV sind übergewichtig. Ein schwerwiegendes Problem für Rettungssanitäter, Schwestern und Ärzte — auch in Ribnitz-Damgarten.

Immer häufiger muss hier die freiwillige Feuerwehr zu so genannten Tragehilfen ausrücken. Bereits vier Mal in diesem Jahr. Zum Vergleich: Im ganzen letzten Jahr gab es nur einen solchen Fall. Gerufen werden die Feuerwehrmänner, wenn die beiden Sanitäter des Rettungsdienstes den Patienten nicht alleine heben können. In besonders schweren Fällen müssen die Helfer die Drehleiter einsetzen, damit der Patient beispielsweise über den Balkon aus der Wohnung gehoben werden kann. So beispielsweise vor zwei Wochen in Ribnitz, als eine rund 200 Kilogramm schwere Frau über das Fenster aus ihrer Wohnung geholt und in den Krankenwagen gebracht werden musste.

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Mit dem Patientenlift können Schwergewichtige ins Bett gehoben werden. Karola Düwell zeigt, wie es geht.

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Hier sei noch hinzugekommen, dass das Treppenhaus für die Trage viel zu schmal war, sagt Feuerwehrsprecher Berthold Moog: „Das ist vor allem bei den Plattenbauten in Ribnitz-Damgarten ein Problem.

Wir werden in solchen Fällen meistens tagsüber gerufen, also in einer Zeit, in der wir sowieso nicht so gut besetzt sind.“

Gezahlt wird dieser Einsatz in der Regel von der Krankenkasse. „Es gibt aber keine generelle Leistungspflicht der Kassen“, berichtet Jens Starck von der Barmer-GEK. „Es wird in den Einzelfällen geprüft, aber wir verhalten uns in solchen Fällen unbürokratisch.“

Auch die Bodden-Kliniken Ribnitz-Damgarten müssen sich zunehmend auf übergewichtige Patienten einstellen. „Wir haben fast keinen männlichen Patienten mehr, der unter 100 Kilo wiegt“, berichtet die Pflegedienstleiterin Christina Preußler (47). Auffällig sei auch, dass die Schwergewichtigen (Body-Mass-Index über 30) immer jünger werden. „Viele haben auch kein Schamgefühl mehr“, sagt die leitende OP-Schwester Karola Düwell (59). Und je mehr der Patient wiegt, desto schwieriger sei auch eine Operation. In einigen Fällen müssten die Chirurgen auf einem Treppchen stehen, um den Patienten operieren zu können. „Selbst wenn wir den OP-Tisch ganz runter machen, reicht das manchmal nicht“, sagt Karola Düwell. Auch die Operationsinstrumente müssten deutlich größer sein und seien deshalb unhandlicher. „Wir haben mittlerweile zwei Schwerlastbetten, die bis zu 320 Kilo tragen. Dafür könnte ich drei normale Krankenhausbetten kaufen“, sagt Preußler. Auch breitere Rollstühle seien ein Muss. „Aber man muss damit natürlich noch durch die Türen kommen. Es sind also Grenzen gesetzt“, so die Pflegedienstleiterin.

Im Frühjahr hat die Klinik zudem einen Patientenlifter angeschafft. Kostenpunkt: rund 3600 Euro. Und auch bei den Waagen müssen spezielle Modelle her. „Eine normale Personenwaage geht bis 120 Kilo“, sagt Preußler. Jederzeit könne die Klinik aber auch kurzfristig Materialien, wie Betten oder Rollstühle, leihen. „Die Firmen, die so etwas anbieten, rennen uns die Türen ein“, erklärt die Pflegedienstleiterin.

Einige Patienten müssten allerdings auch an Spezialkliniken überwiesen werden, so genannte XXL- Kliniken. „Das Südstadtklinikum in Rostock ist auf Adipositas-Patienten spezialisiert“, sagt Preußler.

Dennoch: Eine Notfallversorgung müsse auch in Ribnitz für jene Patienten garantiert sein. „Wenn keine Zeit mehr da ist, müssen wir auch hier operieren können“, berichtet Karola Düwell. „Wir hatten erst kürzlich einen Noteingriff auf der Intensivstation. Der Patient wog über 200 Kilo.“

MV an zweiter Stelle

57,6 Prozent der Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern ist entweder leicht (38 Prozent) oder stark übergewichtig (19,6 Prozent). Das geht aus den Ergebnissen des Mikrozensus des Jahres 2009 hervor. Im deutschlandweiten Vergleich lag Mecklenburg-Vorpommern damit an zweiter Stelle. Nur die Thüringer haben noch mehr Übergewichtige.

Der Body-Mass-Index (BMI) errechnet sich bei erwachsenen Menschen folgendermaßen: Körpergewicht (Kilogramm ) dividiert durch das Quadrat der Körpergröße (in Metern). Normalgewichtig sind Menschen mit einem BMI von 18,5 bis 24,9. Übergewicht beginnt bei einem Body-Mass-Index von 25.

Wir haben fast keinen männlichen Patienten, der unter 100 Kilo wiegt.“Christina Preußler,

Pflegedienstleiterin

 

Anika Hoepken

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