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Die Ribnitzer waren im Tanzfieber

Ribnitz-Damgarten Die Ribnitzer waren im Tanzfieber

In den 1930er Jahren gab es zahlreiche Tanz-Veranstaltungen. Damals regelte eine „Polizeistunde“ das Ende.

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Das Schützenhaus um 1910. Jahrzehntelang gab es dort Tanz-Veranstaltungen für die Ribnitzer.

Quelle: Jan Berg/Archiv

Ribnitz-Damgarten. Raus aus dem Alltag, rein ins Vergnügen. In den 1930er Jahren spielte neben dem Kino die Zerstreuung bei öffentlicher Livemusik und Tanz im Freizeitverhalten vieler Ribnitzer eine große Rolle. Die Möglichkeiten waren damals vielfältig und reichhaltig.

Im Schützenhaus fanden die zahlreichsten „eigenen Veranstaltungen“ statt: 1936 waren es 115, 1937 sogar 120 und 1938 nicht weniger als 105 (Stand: Oktober). Es folgten die Angebote der Bürgerhalle.

In diesen beiden Häusern wurden „das ganze Jahr durchgehend dreimal in der Woche Tanzlustbarkeiten veranstalte(t)“. Etwas überschaubarer, aber dennoch beachtlich war die Anzahl der Veranstaltungen im Cafe Delwall: 30, 69, 46. Die anderen zehn Gaststätten der Stadt übten bei der selbständigen Ausrichtung von „Tanzlustbarkeiten“ eher Zurückhaltung. Der bürokratische Aufwand war für die Veranstalter nicht unerheblich. Sie benötigten zur Ausrichtung eine polizeiliche Genehmigung. Diese mussten mindestens 24 Stunden vor Beginn beim Bürgermeister beantragt werden, konnten aber bei regelmäßig durchgeführten Veranstaltungen auf ein Jahr im Voraus „mit dem Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs“ erteilt werden. Ein Veranstaltungsbeginn an Sonn- und Feiertagen vor 16 Uhr und an den Werktagen vor 18 Uhr war untersagt. Das Ende regelte die „Polizeistunde“. Verlängerungen waren auf Antrag möglich.

Im August 1938 beantragte Wilhelm Nachtigall, Gastwirt des Hotels „Zur Sonne“, sein Unterhaltungsangebot zu erweitern. Er beabsichtigte, jeden Samstag zu Musikabenden einzuladen. Er schreibt: „In den Wintermonaten beabsichtige ich (...), wieder in dem als Cafe eingerichteten Raum häufiger Abendkonzerte mit guter Musik und Tanzeinlagen zu veranstalten (…) Wie bereits angeführt befinden sich in anderen Städten von gleicher Grösse, wie z. B. in Teterow u. a., weit mehr derartige Unterhaltungsstätten als hier in Ribnitz.“

Der Bürgermeister Wegner wollte diesem Vorhaben aber nicht in vollem Umfang entsprechen. Der Bedarf schien ihm weitestgehend gedeckt zu sein. Er genehmigte lediglich „auf jedesmaligen Antrag etwa zwei bis drei(…)“ derartige Abende im Monat. Neben den Veranstaltungen an sich, oblagen auch die Musiker strengen Kontrollen. Alle hauptberuflich tätigen Musiker musste Mitglied in der Reichskulturkammer sein. Sie erhielten eine Mitgliedskarte, die stets bei sich zu führen war und auf Verlangen den Polizisten vorgezeigt werden musste. Nebenberuflich agierende Musiker benötigten lediglich einen „Tagesausweis“.

Jan Berg

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