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Ribnitz-Damgarten Die Vorleserin aus Barth
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Die Vorleserin aus Barth
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16:25 23.10.2017
Ingrid Schmahl und ihr Hund Eddy. Quelle: Carolin Riemer
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Barth

Wenn die Kinder verstummen und sich ihre Augen vor Neugier weiten, dann liegt das meist an Ingrid Schmahl aus Barth. Die 83-Jährige engagiert sich seit Jahren für den bundesweiten Vorlesetag, der in diesem Jahr am 17. November stattfindet. Dann packt sie einen Stapel Kinderbücher ein, nimmt ihren Hund Eddy an die Leine und fährt mit ihrem Auto in die evangelische Grundschule, wo sie von den Schülern aus der ersten bis zur vierten Klasse erwartet wird.

Der bundesweite Vorlesetag und eine Mutprobe

Eigentlich würde Ingrid Schmahl gern auch außerhalb des bundesweiten Vorlesetages Schulen besuchen oder Seniorengruppen mit ihren Lesestunden aufheitern. „Die Treffen machen nämlich nicht nur meinen Zuhörern Spaß, sondern halten auch mich fit“, erklärt sie.

Doch die Vorleserin aus Barth liest nicht nur, sie ist auch Schriftstellerin. Fünf Bücher hat sie bislang heraus gebracht. Es sind Geschichten aus ihrem Leben, denn in diesem hat sie schon eine Menge erlebt. Ob als Kneipenwirtin in Lübeck, wo sie so manch frechen Mann mit Hilfe ihrer Deutschen Dogge vor die Tür beförderte oder als Sekretärin in einem Pforzheimer Kinderheim. „Das waren oft traurige Geschichten und die finden sich auch in meinen Büchern wieder – die lese ich natürlich nur Erwachsenen und nicht den Kindern vor.“

So erlebte die gebürtige Duisburgerin, die seit fünf Jahren in Barth lebt, die tödliche Mutprobe eines Heimkindes. „Unser Haus lag an einer Bundesstraße und die Jungen legten sich dort aus Übermut heimlich auf die Straße. Wer zuletzt vor einem nahenden Auto floh, gewann dieses verrückte Spiel.“ Dabei sei ein Junge ums Leben gekommen. „Es war schrecklich“, sagt sie.

Die Liebe zu Kindern, sie selbst hat zwei Söhne und eine Tochter, war schon immer stark. „Als ich nach Barth zog, schimpften meine Kinder mit mir. Sie vermuteten, dass ich hier einsam und traurig werden könnte.“ Ingrid Schmahl schüttelt lachend den Kopf: „Das ist zum Glück nicht eingetreten.“

Nicht nur Vorleserin, sondern auch in anderen Vereinen aktiv

Sie ist nicht nur als Vorleserin aktiv, sondern auch im Barther Seniorenverein, im Heimat- und im Museumsverein. Montags spielt sie stets Rommee und ab November erteilt sie im Nachbarschaftstreff kostenlosen Deutschunterricht für Flüchtlinge. „Ich war schon immer extrovertiert“, beschreibt sie sich.

Auch beim Vorlesen kommt ihr diese Eigenschaft zugute. Sie legt viel Gefühl in ihre Stimme, ahmt Dialekte und verschiedene Stimmen nach. „Sonst würde den Kindern ja schnell langweilig werden. Wenn man vorliest, dann muss man es auch richtig machen, sonst langweilen sich vor allem die älteren Schüler.“ Und da Kinder bekanntlich ein sehr ehrliches Publikum sind, weiß sie, dass ihre Vorlesestunden gut ankommen. Zuerst setzt sie ihren 13 Jahre alten Hund Eddy auf einen der Schultische. „Er ist immer der Star“, sagt sie lächelnd und krault den kleinen Rüden am Kopf. Vor sieben Jahren holte ihn Ingrid Schmahl aus dem Tierheim, pflegte ihn gesund – nun ist Pekinese Eddy nicht mehr aus den Lesestunden wegzudenken. „Ich fände es wunderschön, wenn ich andere Menschen mit meiner Liebe zum Vorlesen anstecken könnte oder wenn ich auch in andere Schulen eingeladen werde“, betont die Literaturliebhaberin, die von ihren Zuhörern mit selbstgemalten Bildern belohnt wird. Als Kind versteckte Ingrid Schmahl sich stets in einem Feuerwehrturm, um ihrem Lese-Hobby ungestört nachgehen zu können. „Das Lesen galt zu meiner Zeit noch als Faulenzerei.“

Das ist heute anders: Im letzten Jahr waren es mehr als 130 000 Teilnehmer, die am bundesweiten Vorlesetag teilnahmen. Der Tag soll ein Zeichen für die Bedeutung des Vorlesens setzen. Denn für das Lesen und Vorlesen brauchen Kinder Vorbilder damit sie später mit mehr Begeisterung selbst zu Büchern, Zeitungen oder E-Books greifen. Märchen, die kamen im vergangenen Jahr nicht mehr so gut an – denn viele Kinder kannten die Geschichten bereits in- und auswendig. Nun hat sich Ingrid Schmahl mit neuen Büchern eingedeckt. Spannende Abenteuergeschichten, die gefallen den jungen Zuhörern nämlich besser.

Wer Gefallen am Zuhören oder Vorlesen hat kann sich unter der Email-Adresse: ribnitz-damgarten@ostsee-zeitung.de melden. Der Kontakt zu Ingrid Schmahl wird vermittelt.

Carolin Riemer

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