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Ribnitz-Damgarten Die fünf Leben einer schwimmenden Lady
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Die fünf Leben einer schwimmenden Lady
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17:24 03.01.2018
Ein Bild der Granitz Ende der 1950er Jahre, kurz nachdem sie vom Grund des Berliner Sees gehoben wurde. Quelle: ARCHIV
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Barth

Sie ist die älteste Lady in Barth. Noch dazu die einzige, die zwölf Jahre lang auf dem Grund eines Berliner Sees lag und trotzdem überlebte: Die 111 Jahre alte „Granitz“, ein Schiff mit Geschichte. Heute ist sie ein beliebtes Restaurant- und Kneipenschiff im Hafen. Stammgäste sprechen von einer „Granitz-Sucht“ und für viele Barther und Dazugezogene ist sie das zweite Wohnzimmer. Doch ihre Geschichte kennen nur Wenige.

Vom Fahrgastschiff zum Spaßdampfer

1906 in Stettin als Doppelschraubendampfer erbaut und auf den Namen „Lankwitz“ getauft, war sie einst ein Fahrgastschiff, das 234 Personen an Bord nehmen konnte. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie bei Kämpfen zusammen mit mehreren anderen Schiffen im Berliner Griebnitzsee versenkt. Von 1945 bis 1957 lag sie auf Grund – die Lady fiel in einen zwölf Jahre langen Schlaf, bevor sie wieder gehoben und in der Genthiner Werft in Sachsen-Anhalt zu einem Motorschiff umgebaut wurde.Von nun an heißt sie „Granitz“, ihr zweites Leben beginnt. Ihre Fahrten führen Passagiere nach Hiddensee und Rügen, später liegt sie im Warnemünder Hafen und soll 1989 abgebrochen werden.

Das dritte Leben der Lady

Ihr drittes Leben beginnt, als der Berliner Wolf-Dietrich Griep sich in sie verliebt. Er erblickt den rostigen Kahn im Barther Wirtschaftshafen. „Voller Wasser, ohne Fenster, schimmelig und demoliert“, beschreibt er ihren Zustand im Jahr 1999. Wie sie von Warnemünde nach Barth kam, weiß er nicht. Für 150 Mark kauft er die Granitz einem Mann aus Leipzig ab. „Ohne zu wissen, was auf mich zukommt.“ Mittlerweile weiß er es: „Ein altes Schiff zu kaufen ist, als würde man in seinem besten Anzug unter der Dusche stehen und Einhundertmarkscheine zerreißen.“ Griep investiert viel Geld, arbeitet mit Freunden hart an der Granitz. Er ersetzt die fehlenden durch Fenster aus Berliner S-Bahnen, die verschrottet werden sollen. „Allein die Farbe für das Schiff hat mich ein Vermögen gekostet.“

Sein Spaßdampfer soll es werden. Ein Schiff, auf dem der Berliner Musiker und Kabarettist Theater- und Hörbuchabende veranstalten möchte. Doch der Plan geht nicht lange auf. Das Klientel in Barth fehlt. „Is’ halt keine Metropole“, sagt er schulterzuckend. Griep richtet sich ein Tonstudio auf dem Schiff ein und produziert von nun an auf dem Wasser szenische Filmmusiken. Nebenbei tourt er als Kontrabassist mit seinem Ensemble durch Deutschland, Italien und die Schweiz. „So habe ich die Brötchen verdient, die ich hier ins Wasser geschmissen habe.“Alle fünf Jahre muss die Granitz eine Schwimmfähigkeitsprüfung bestehen und irgendwann reicht es auch dem seelenruhigen Wolf-Dietrich Griep. „Mein Überdruss-Projekt wurde mir einerseits zu langweilig und war andererseits wirtschaftlich nicht tragbar.“

Kurzerhand tauscht er die Granitz gegen die alte baufällige Feuerwache in Küstrow ein. Wolf-Dietrich Griep lacht: „Ein altes Haus kann wenigstens nicht untergehen.“ Nun hat er ein neues Projekt – die Feuerwache aufbauen. Mittlerweile lebt er dort mit seiner Frau und ist glücklich, dass es die Granitz noch gibt. Das vierte Leben der Lady beginnt.

Vom Ferien- zum Restaurantschiff

Ricardo Kunz besorgt Wolf-Dietrich Griep die alte Küstrower Feuerwache und übernimmt dafür die Granitz. Er baut sie zu einem Ferienschiff um. Bis zu zwölf Leute können nun im Barther Hafen auf der Granitz ihren Urlaub verbringen. Der Gedanke, ein Kneipenschiff aus der Granitz zu machen, wächst zusammen mit Sven Sand, dem heutigen Besitzer des Schiffs.

Das fünfte Leben der Lady

Gemeinsam bauen sie die alte Dame um und eröffnen im April 2012 die gemütliche Kneipe, an dem noch heute so viele Barther Herzen hängen. Seit Oktober 2014 betreibt Sven Sand sie allein mit seiner Frau Melanie. 365 Tage im Jahr hat sie geöffnet und ist bekannt für ihre Gemütlichkeit – und die selbst gemachte Gulaschsuppe und Soljanka. Für das Paar ist die Granitz mehr als nur ein Schiff: „Sie gehört zur Familie. Und unser Job ist nicht nur ein Job, sondern unser Leben.“ Das wissen die Gäste zu schätzen. Jeden Montag um 19 Uhr treffen sich im schwimmenden Wohnzimmer, zwischen antiken Fotos der Lady und einem kuscheligen Kaminofen, Musiker zum Stammtisch. Leer ist es selten auf dem Schiff. Ellen Haufe kommt beispielsweise einmal pro Woche. Dann finden Spieleabende statt: „Hier wird getanzt, auch wenn es manchmal eng wird.“ Seit einem Jahr kommen Sportfreunde in der Sky-Bar auf ihre Kosten. Und manch Gast ahnt nicht, dass ihr zweites Wohnzimmer ein 111 Jahre altes Schiffswrack ist. Die alte Lady lebt – bis jetzt fünf Leben.

Carolin Riemer

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