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Ribnitz-Damgarten Rentner von Schlüsseldienst abgezockt
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Rentner von Schlüsseldienst abgezockt
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14:07 04.12.2018
Wenn der Schlüssel von innen noch steckt: Immer wieder nutzen dubiose Schlüsseldienste die Not der Menschen aus. Quelle: Christin Klose/DPA
Dierhagen

Ein 79-jähriger Dierhäger ist offenbar Opfer einer dreisten Schlüsseldienstabzocke geworden. Am vergangenen Sonntag hatte er sich versehentlich ausgesperrt und einen Schlüssel-Notdienst gerufen. Die Monteure kassierten am Ende 1139 Euro für die Türöffnung und den Austausch des Schlosses ab, etwa das Zehnfache von dem, was seriöse Firmen verlangen. „Ich bin bald auf den Hintern gefallen, als ich diese Rechnung gesehen habe“, erzählt der Mann, der lieber anonym bleiben möchte, am Telefon.

„Fallspezifischer Einsatzwert“

Eine Tür seines Hauses war am Sonntag zugefallen, als er den Müll rausbrachte. Der Schlüssel steckte von innen. Mithilfe eines Nachbarn habe er im Internet einen Schlüsselnotdienst gesucht. Über eine 0800er-Telefonnummer wurde der 79-Jährige vermittelt. „Am Telefon wurde gesagt, dass die Monteure in 20 Minuten da sind. Tatsächlich habe ich zwei Stunden gewartet“, berichtet der Dierhäger. Suspekt kam ihm vor, dass der Firmenwagen ein Essener Kfz-Kennzeichen hatte. „Die beiden Männer haben behauptet, dass sie aus Rostock sind.“

Die Monteure bohrten das Schloss auf und ersetzten den Schließzylinder. Laut Rechnung kostet dieser 500 Euro. „Die kosten im Baumarkt keine 50 Euro“, sagt der Dierhäger. Hinzu kamen unter anderem Anreisekosten von 20 Euro und ein sogenannter „fallspezifischer Einsatzwert“ in Höhe von 159 Euro, der sich als Sonntagszuschlag noch verdoppelte. Die Arbeitszeit wurde mit knapp 120 Euro berechnet.

Das Problem: Der 79-Jährige hat unterschrieben, über die Kosten aufgeklärt gewesen zu sein. Und zahlen musste er sofort, tat dies per EC-Karte. „Sonst hätten die mir die Schlüssel nicht gegeben“, sagt er.

Schlüsseldienst-Mafia

Immer wieder nutzen dubiose Firmen die Not von Menschen aus, die sich ausgesperrt haben. Dabei stehen auch Essener Firmen immer wieder im Mittelpunkt. Explizit warnte in der Vergangenheit auch die Verbraucherzentrale vor genau der Firma, die in Dierhagen angerückt war, die Firma „Schlüsselblitz Tag und Nacht“. Recherchen haben ergeben, dass es diese Firma zumindest an der auf der Rechnung angegebenen Adresse nicht gibt.

Bei der Verbraucherzentrale spricht man zudem von einer regelrechten Schlüsseldienstmafia. Anfang des Jahres war ein bundesweites Netzwerk von dubiosen Schlüsseldienstmonteuren aufgeflogen, die durch die sogenannte „Deutsche Schlüsseldienst Zentrale“ (DZS) koordiniert wurden. Zwei der Drahtzieher sind Anfang August wegen Bandenbetrugs und Steuerhinterziehung verurteilt worden.

Dem 79-jährigen Dierhäger hilft das jedoch wenig. „Ich rechne nicht damit, dass ich das Geld zurückbekomme“, sagt er. Er habe sich jedoch an die Öffentlichkeit gewandt, um vor dieser Abzock-Masche zu warnen.

Das rät die Verbraucherzentrale

Um nicht auf den Betrug reinzufallen, rät die Verbraucherzentrale, im Falle einer verschlossenen Tür auf ortsansässige Firmen zurückzugreifen und die Preise zu vergleichen. Auch sollte vor der Auftragsvergabe ein Festpreis vereinbart werden, der bereits die Anfahrtskosten und mögliche Zuschläge enthält. Dafür sollte dem Schlüsseldienst genau geschildert werden, was passiert ist, damit dieser Preis kalkuliert werden kann.

Auch sollten Kunden festlegen, was genau getan werden soll, etwa ob die Tür nur geöffnet werden oder das Schloss ganz ausgetauscht werden soll. Zuschläge dürfen nur außerhalb der üblichen Arbeitszeiten verlangt werden. „Sofortzuschläge“, „Bereitstellungszuschläge“ und „Spezialwerkzeugkosten“ sind laut einem Gerichtsurteil unzulässig.

Am Ende sollten die Kunden nur zahlen, was vereinbart wurde. Deshalb sollte die Rechnung genau geprüft werden. Was nicht vereinbart wurde, kann gestrichen werden. Oftmals verlangen die Firmen Barzahlung. Wer nicht genug Bargeld bei sich hat, kann auch Zahlung per Rechnung bestehen. „Fahren Sie nicht mit dem Monteur zum nächsten Geldautomaten“, heißt es von der Verbraucherzentrale.

So viel kostet eine Türnotöffnung

Laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale kostet eine Türnottöffnung an werktagen zu den üblichen Arbeitszeiten deutschlandweit zwischen knapp 59 Euro und knapp 84 Euro. Am günstigsten ist eine Türnottöffnung laut der Umfrageergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern mit im Schnitt 58,92 Euro. Am tiefsten muss man in Rheinland-Pfalz in die Tasche greifen. 83,61 Euro kostet hier im Schnitt der Einsatz eines seriösen Schlüsseldienstes.

An Sonn- und Feiertagen wird es etwas teurer. Zwischen etwas mehr als 86 Euro und fast 150 Euro kostet dann im Schnitt eine Türnottöffnung. Auch hier sind die Preise in Mecklenburg-Vorpommern am günstigsten. Seriöse Schlüsseldienste verlangen hier im Durchschnitt 86,27 Euro. Am teuersten wird der Einsatz des Schlüsseldienstes an Sonn- und Feiertagen in Baden-Württemberg mit durchschnittlich 148,93 Euro.

Robert Niemeyer

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