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Ribnitz-Damgarten Ehmkenhäger tritt in die Fußstapfen seines Vater
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Ehmkenhäger tritt in die Fußstapfen seines Vater
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07:06 25.03.2014
Mario Wendtland (46) streichelt sein Kälbchen. Schon bald will er den Hof von seinem Vater übernehmen. Fotos (5): Wilma Welzel

Ein Frühjahrssturm tobt um den kleinen Ort. Trotzdem lässt sich Bauer Hans Wendtland nicht davon abhalten, durch sein Dorf zu gehen. Auch nach seinen Tieren schaut er.

In seiner warmen, gemütlichen Küche erzählt der 79-Jährige: „Hier in diesem Haus bin ich geboren, damals gab es noch kein Krankenhaus in der Nähe.“

Hans Wendtland wuchs bei seinem Onkel Hermann Schwarz auf. Denn der Vater kam aus dem Zweiten Weltkrieg nicht zurück, und die Mutter zog weg aus dem Dorf. „Also wurde ich bei ihm groß, und immer noch lebe ich hier. Es ist meine Heimat“, berichtet der Landwirt. Der Onkel übernahm nach 1945 hier eine Siedlerstelle. Früher habe ja alles zum Gutshof gehört. Das bedeutete für Hans Wendtland viel Arbeit von klein auf. „Mein Onkel war ein herzensguter Mensch, aber wenn er um halb sechs zum Aufstehen rief, und das nur einmal, musste ich da sein. Denn Pflichten mussten erfüllt werden. Da gab es für ihn keine Diskussion.“ Bis mittags schlafen habe es für ihn nicht gegeben. Auch wenn sie manchmal bis tief in die Nacht feierten, morgens stand man auf.

Er habe viel und schwer arbeiten müssen sein Leben lang, erzählt der Senior, denn auf einem Bauernhof gebe es viel zu tun, auch sonntags und an den Feiertagen. „Da mussten wir Kinder schon mit ran“, erinnert er sich. „Doch trotzdem hatten wir ein sehr schönes Leben auf dem Dorf. Es war immer etwas los, denn wir waren hier viele Kinder, und einem fiel immer etwas ein.“

Heute bewirtschaftet Hans Wendtland mit seinem Sohn Mario (46) den Hof, zu dem vier Kühe, vier Kälber, ein Bulle, vier Pferde, zehn Hühner, zwei Hunde sowie acht Hektar Land gehören. „Ja, das bedeutet keinen Urlaub, keinen Feiertag. Denn die Tiere müssen versorgt werden“, meint der Jungbauer, der mit seiner Lebensgefährtin mit auf dem Hof lebt. Sie kümmert sich um die Ehefrau des Seniors, die vor Jahren einen Schlaganfall erlitten hat. Sohn Tobias (23) arbeitet als Fleischermeister und hat bisher noch wenig Interesse am Hof gezeigt. Hans Wendtland hat dafür Verständnis: „Auf einem Bauernhof gibt es ja keinen Feierabend.“

Noch ist er der 79-Jährige Inhaber des kleinen Familienbetriebes, aber sein Sohn Mario, der schon seit 20 Jahren die OSTSEE-ZEITUNG austrägt, tritt in die Fußstapfen des Vaters und wird den Hof übernehmen. „Ich bin damit aufgewachsen und mache das gern weiter“, meint er und zeigt stolz auf seine neue Errungenschaft, einen roten Traktor. „Den habe ich gekauft. So wird die Arbeit auf dem Feld leichter. Aber wir pflügen auch noch ganz herkömmlich mit unseren Pferden.“

Die Wendtlands bauen Korn, Kartoffeln und Rüben für ihre Tiere an. Ihre Fleischkühe verkaufen sie an den Viehhändler. „Und wir haben immer frische Eier oder auch eine gute Hühnersuppe und natürlich frisches Gemüse“, meint der Altbauer.

Wenn Hans Wendtland so zurückdenkt, erinnert er sich an ein fröhliches Dorfleben mit viele Festen. „Im Ort war einfach Leben. Oft traf man sich abends nach getaner Arbeit und klönte einfach auf der Bank vor der Haustür . Es war immer etwas los.“

Das sei leider alles vorbei, bedauert er. Heute mache jeder seine Haustür zu und bleibe am liebsten zu Hause. Vielleicht liege es ja an der Zeit. „Früher hatten alle wenig und heute will einer mehr als der andere.“ Das sei schade.

Trotzdem lebt Hans Wendtland sehr gern in seinem Heimatort, aus dem er eigentlich auch kaum herausgekommen ist. „Hier bin ich alt geworden“, sagt er lächelnd. „Und ein paar Jahre werden es wohl noch.“

Ich bin auf dem Hof aufgewachsen. Deshalb übernehme ich ihn gern und bewirtschafte ihn weiter.“ Mario Wendtland (46)



Wilma Welzel

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