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Ribnitz-Damgarten „Ein Festtag der papiernen Schätze“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Ein Festtag der papiernen Schätze“
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00:00 23.04.2013
Das Ensemble „devotio moderna“ spielte zur Wiedereröffnung der Barther Kirchenbibliothek Musik aus deren Bestand. Foto (4): Uwe Roßner Quelle: Uwe Roßner
Barth

Auf den großen Tag hat Pastorin Annemargret Pilgrim lange gewartet. Dreieinhalb Jahre lang wurde der Raum der historischen Kirchenbibliothek restauriert, der gesamte Buchbestand gereinigt. Eine Etappe in der 20-jährigen Grundsanierung ist damit geschafft.

Ein teures Unterfangen, denn für die aufwändigen Arbeiten musste ein sechsstelliger Betrag investiert werden. Ohne die finanzielle und personelle Unterstützung des Fördervereins der Kirchenbibliothek St. Marien Barth, der Spender und fördernden Institutionen wäre dies nicht möglich geworden, betont Pilgrim. Rund 330 000 Euro konnten für das Großprojekt eingeworben werden.

Mit der Übergabe der Bibliotheksordnung an Pastorin Pilgrim legte Prof. Lüder Bach vom Förderverein die Verantwortung für den Bücherschatz wieder zurück in die Barther Gemeinde. 4000 Bücher seien nun wieder aufgestellt und eingeordnet worden. Fast alle Bände des Reformators Johannes Block wurden von der Universitätsbibliothek Greifswald digitalisiert. In den nächsten Jahren steht die Restaurierung von Büchern und Schriften an. Alle zwei Jahre sollen die Barther Bibliotheksgespräche mit namhaften Fachleuten fortgesetzt werden. Zusammen mit Wolgast und Greifswald soll in den nächsten Jahren ein Verbund aus wertvollen pommerschen historischen Kirchenbibliotheken entstehen.

In ihrem Grußwort, das zur Wiedereröffnung verlesen wurde, sprach Kanzlerin Angela Merkel (CDU) von „einem Fest der papiernen Schriften“. Gewiss werde die Barther Kirchenbibliothek zu einem überregionalen Anziehungspunkt über die Landesgrenzen hinaus. Angetan zeigte sich auch Landrat Ralf Drescher (CDU). „Was hier entstanden ist, unterstreicht die Bedeutung Barths als Zentrum des Buchdrucks und als bedeutenden Ort der Reformation. Hier lebt pommersche Geschichte. Davon profitiert die ganze Region“, betonte er.

„Wir sind ausgesprochen stolz darauf, dass heute in der Boddenstadt ein Projekt so erfolgreich zu Ende geht. Für Barth ist das ein sehr guter Tag“, sagte Bürgermeister Stefan Kerth (SPD). Es werde weiterhin versucht, Schätze in der Stadt zu heben. Namentlich benannte Kerth dabei den Papenhof. „Die Größe einer Kulturlandschaft zeigt sich an ihrer Wertschätzung. Barth ist ein Ort, wo das fühlbar ist. Die Krupp-Stiftung hat gern geholfen. Andere haben mehr getan“, sagte Thomas Kempf als Vorstandsmitglied und lobte dabei das bürgerschaftliche Engagement. Auch weiterhin wolle die Krupp-Stiftung sich einbringen.

Es sei schön, dass jetzt die Erschließung beginnen könne. Für die Öffentlichkeit sei die Kirchenbibliothek eine richtige Sehenswürdigkeit geworden, „die es so nicht gibt“, sagte Falk Eisermann als Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Fördervereins Kirchenbibliothek und Bibliothekar der Berliner Staatsbibliothek. Mit der Digitalisierung werde der Buchbestand der Öffentlichkeit zugänglich, ohne dass die Bände jedes Mal herausgesucht werden müssen.

Viele Förderer für Kirchenbibliothek
Rund 330 000 Euro konnten für die Restauration der Bibliotheksräume und die Reinigung des Buchbestandes eingeworben werden. Dreieinhalb Jahre haben die Arbeiten gedauert. Ohne die Unterstützung des Fördervereins Kirchenbibliothek St. Marien Barth, von Spendern und fördernden Institutionen wäre sie nicht möglich gewesen. Die Bücher wurden im Zentrum für Buch-Erhaltung in Leipzig gereinigt. Die Rettung der Kirchenbibliothek sei eingebunden in die Bildung eines Verbundes der wertvollen pommerschen Kirchenbibliotheken in Greifswald, Wolgast und Barth, so der Förderverein.

Uwe Roßner

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