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Ribnitz-Damgarten Ein Gänsekrimi auf dem Saaler Biohof
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Ein Gänsekrimi auf dem Saaler Biohof
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19:01 19.11.2018
v.l.: René Mannsfeld, Chris Bokemeyer und Gregor Siems betreiben den Biolandhof Walden in Saal. Kurz vor dem diesjährigen Gänsefest verschwanden 35 der Tiere von dem abgelegenen Hof. Quelle: Moritz Naumann
Saal

Am Samstag fand auf dem Biolandhof Walden der vierte jährliche Gänsemarkt statt. Töpfer, Näherinnen, Filzer und Korbmacher sorgen hier einmal im Jahr für ein fröhlich-ländliches Miteinander. Doch in diesem Jahr wurde das Fest, zu dem knapp 500 Menschen kamen, von einem Vorfall getrübt. Denn in der Nacht zuvor verschwanden 35 Gänse von dem Hof. Bis Montagmittag gingen Polizei und die Hof-Geschäftsführerin Chris Bokemeyer-Siems von einem Diebstahl aus. Doch dann tauchten nach und nach ein paar der gefiederten Tiere wieder auf.

„Schon in der Nacht zu Freitag, also kurz vor der Schlachtung, hat ein Fuchs uns neun Gänse genommen“, sagt Chris Bokemeyer-Siems. Ein Verlust, der bei der Haltung der Tiere im Freien nicht gänzlich vermeidbar ist. Doch das am folgenden Tag weitere 35 Tiere fehlen, konnte die Geschäftsführerin des Biolandhof Walden noch nicht ahnen.

Eine Nacht der Vorzeichen

Am Freitagmorgen beginnt der Hof noch mit der Schlachtung eines Großteils des etwa 200 Tiere umfassenden Gänsebestandes für das anstehende Fest. „Wir haben von früh bis in die Nacht 150 Gänse geschlachtet. Die restlichen Tiere waren für den Verkauf zum Weihnachtsfest eingeplant.“ Als das Landhof-Team nachts gegen 1.30 Uhr die Arbeit niederlegt, schlägt der Hund auf dem Areal Alarm. Nichts ahnend sperrt Chris Bokemeyer-Siems das Tier weg und erhofft sich davon etwas mehr Ruhe und Schlaf für den kommenden Tag. „Wohl ein Fehler“, wie sie im Nachhinein resümiert. „Als mein Neffe dann kurz vor dem Zubettgehen auch noch ein großes Tier in der Nähe der Gänse gesehen hat, habe ich meinen Mann noch einmal herausgeschickt“, sagt die 49-Jährige. Ihr Mann, Gregor Siems, hält Ausschau und verstärkt noch einmal den Zaun, der die Tiere vor Füchsen oder gar Wölfen schützen soll.

Am nächsten Morgen jedoch ist der Zaun platt gedrückt. Die Tiere? Weg. „Wir hatten nie Angst vor Dieben, schließlich liegen wir mit unserem Hof ziemlich abgelegen. Die Straße ist eine Sackgasse.“ Hinzu kommt, dass das Landhof-Team die restlichen Gänse am Freitag gar noch umgesiedelt hat. „Derjenige, der die Tiere gestohlen hat, muss also Kenntnisse gehabt haben“, ist Bokemeyer-Siems sich sicher. Die Polizei wird alarmiert und schaut sich den Tatort genau an. „Die bestätigten, dass das kein Tier gewesen war“, sagt die Landwirtin.

Der Biolandhof Walden liegt etwas abgelegen in einer Sackgasse in Saal (Kreis Vorpommern-Rügen). Zwischen Feld, Wald und Wiese gibt es, neben dem Tatort, hier einiges zu entdecken.

Aus Idealismus in der Landwirtschaft

Den Hof in Saal (Landkreis Vorpommern-Rügen) hat Chris Bokemeyer-Siems von ihrem Onkel geerbt. Bis 2012 arbeitete sie noch in der Umweltbildung im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, ihr Mann Gregor Siems als Diplomingenieur für Mineralogie. „Ich hab damals entschieden, mir ein zweites Standbein zu schaffen“, sagt Bokemeyer-Siems. Das Paar mit ihren vier Kindern arbeitet viel an dem neuen Zuhause: Sie bauen weitere Gebäude, restaurieren die alten, holen sich mehr und mehr Tiere und damit auch mehr Arbeit. „Seit 2015 führen wir den Betrieb als Haupterwerb.“ Auch wenn es wenig Geld für viel Anstrengung bedeutet, ist die Landwirtin mit dem Leben auf dem Hof sehr zufrieden: „Mir ist es wichtig zu wissen, woher das Essen kommt und was damit passiert. Außerdem lebe ich vollkommen selbstbestimmt.“

Als die 49-Jährige gerade am vermeintlichen Tatort, also dem abgeknickten Zaun, steht, nähert sich René Mannsfeld. „Ich habe in einem Wasserloch Gänse gefunden, lebend“, sagt der Biohof-Mitarbeiter gelassen. „Ich brauche Hilfe, sie zurückzutreiben.“ 32 der 35 Tiere konnten gerettet werden. Zwei Gänse wurden mit Bissspuren am Hals Tod geborgen, ein Tier fehlt gänzlich. „Wir haben Spuren hinter dem Gehege gefunden. Vermutlich von einem Fuchs oder einem Hund“, sagt Bokemeyer-Siems. Die Landwirtin geht davon aus, dass das Wildtier sich von hinten an die Gänse geschlichen hat. „Und vermutlich haben die Tiere dann in Panik und im Rudel den befestigten Zaun umgerannt.“ Auch wenn der Hof innerhalb von zwei Tagen einen Verlust von über zehn Tieren beklagt, sei man froh, dass es sich nicht um einen menschlichen, sondern einen tierischen Ganoven gehandelt habe.

Der Biolandhof Walden

Der Bio-Landhof Walden hat das EU-Bio-Siegel und ist seit 2012 auch Biolandzertifiziert. Die Betreiber sind Teil des Netzwerkes WWOOF (World Wide Opportunities on Organic Farms). Jährlich kommen Menschen aus allen Ländern der Erde um gegen Kosten und Logis auf dem Hof zu arbeiten. Seit etwa vier Wochen betreibt Chris Bokemeyer mit ihrem Mann auch einen Hofladen, in dem sie frische Eier, Fleisch, Milch der umliegenden Höfe, saisonales Gemüse und Kartoffeln verkaufen. Der Laden ist jeden Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Walden-Hof ist in der Großen Bauernreihe 6, in 18317 Saal zu finden und unter 0157 34700860 telefonisch zu erreichen.

Moritz Naumann

Die Suchmaßnahmen der Polizei waren bislang erfolglos und wurden vorerst eingestellt.

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