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Ein Leben für die Ärmsten der Armen

Barth Ein Leben für die Ärmsten der Armen

Familie Jeß und ihr Team versorgen seit 14 Jahren Bedürftige mit Lebensmitteln in der Barther Tafel. Die Zahl der Nutzer sei seitdem explodiert.

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In der Barther Tafel können sich Bedürftige zwei Mal pro Woche mit Lebensmitteln versorgen.

Quelle: Carolin Riemer

Barth. 2500 Euro brachte der Filialleiter der Barther Sparkasse am Dienstag mit zu seinem Besuch in die Tafel. Seit vier Jahren unterstützt das Geldinstitut den Verein, der sich um die Ärmsten der Armen kümmert. „Hier ist das Geld gut angelegt“, erklärte Randy Pieper und schaute Ursula Jeß und ihrem Tafel-Team am Vormittag bei der Arbeit über die Schulter.

Zahl der Bedürftigen ist explodiert

Seit 14 Jahren gibt es die Ausgabestelle in der Sundischen Straße 123. Explodiert sei die Zahl derer, die auf die Lebensmittel angewiesen seien. Ohne Familie Jeß würden wohl viele Barther hungrig bleiben. Ursula Jeß gründete den Verein, als vor 14 Jahren die Speisenbörse des Arbeitsamtes eingespart wurde. Damals war ihre Familie selbst auf die Lebensmittel angewiesen. Sie wusste, dass der Verlust für viele Menschen eine Katastrophe darstellte. „Der Staat darf nicht bei den ärmsten Menschen sparen“, fand sie. Und so begann ihre Arbeit gegen den Hunger. Sie spannte ihre Töchter Heike Ebel, Petra Hoffmann und ihren Mann Hans-Dieter in die Arbeit ein. Mittlerweile ist die Tafel sozusagen ein Familienunternehmen, allerdings ohne finanziellen Lohn. Von den 14 Helfern arbeiten drei als Ein-Euro-Jobber, der Rest ist ehrenamtlich dabei.

Aus den Fehlern der Anfangszeit habe Ursula Jeß gelernt. Damals sei es hart gewesen. Die Räume in der Sundischen Straße waren karg und unmöbiliert. Nicht mal einen Besen oder einen Stuhl habe es gegeben. „Jeden Sperrmüllhaufen haben wir nach etwas Brauchbarem durchsucht.“ Auch mit unehrlichen Menschen wurden sie konfrontiert, erzählt sie: „Hier holten sich Leute Lebensmittel, die berufstätig waren, ein Haus und ein Boot besaßen.“ Ursula Jeß schüttelt noch heute über die Dreistigkeit der Sparfüchse ihren Kopf. Sie führte daraufhin die Berechtigungskarten ein. Die müssen alle Nutzer vorlegen und damit beweisen, dass sie Bezieher von sozialen Leistungen sind – ob Rentner, die Wohngeld oder Hartz IV beziehen oder junge Leute mit dem Recht auf Bafög oder Berufsausbildungsbeihilfe. Ohne Nachweis gibt es jedenfalls keine Lebensmittel mehr.

160 Menschen in einer Stunde

Dienstags und donnerstags zwischen 13 und 14 Uhr wird es voll in der Tafel – das hängt vom Datum ab. Am Anfang des Monats seien es „nur“ 100 Menschen, die sich für zwei Euro pro Person mit Lebensmitteln eindecken. In der Monatsmitte, wenn das Geld schon knapper ist, kommen 160. „Und am Ende des Monats kommen wieder weniger, weil sie dann nicht einmal mehr die zwei Euro übrig haben. Manche können mit ihrem wenigen Geld auch noch schlecht umgehen.“ Auch das Publikum wandelte sich im Laufe der Jahre. In den Anfangsjahren kamen viele alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern. Die Tafel organisierte Einschulungs- und Weihnachtsfeiern. Mittlerweile stehen kaum noch Kinder in der langen Schlange vor dem Tafel-Haus. Heute sind es Rentner und Ausländer, die die Hilfe benötigen.

16 Supermärkte zwischen Ahrenshoop und Barth unterstützen den Verein. Klaus-Dieter Jeß faährt regelmäßig mit seinem Transporter vor. Dann lädt er alle Lebensmittel ein, auf denen das Verfallsdatum näher rückt oder die Verpackung beschädigt ist. „Es ist Wahnsinn, was Supermärkte alles wegwerfen“, sagt Klaus-Dieter Jeß. Im Winter sind seine Touren nicht ganz so ergiebig wie im Sommer. Es reicht trotzdem. Obst und Gemüse für Familien, Doseneintopf für den Single, der nicht kochen kann – im tafeleigenen Garten in Trinwillershagen wachsen frische Zutaten heran. Das System läuft. Familie Jeß hat es im Griff. Von den zwei Euro, die die Nutzer zahlen, begleichen sie Rechnungen: Miete, Strom, Versicherungen. Und hat sich doch mal eine zu braune Banane in die Tafel geschummelt, dann wird auch die nicht weggeschmissen, sondern an die Bauernhoftiere von Erwin Frank verfüttert.

Carolin Riemer

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