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Ein Rollstuhl-Rad für Kristina aus Barth

Barth Ein Rollstuhl-Rad für Kristina aus Barth

Dank der Spendenbereitschaft konnte für die 17-Jährige ein Spezialgefährt angeschafft werden.

Barth. Große Freude herrschte am Barther Hafen. Die hier lebende, stark körperbehinderte Kristina Hochgräber (17) durfte ein sogenanntes Rollfiets — ein Fahrrad mit vorn angekuppeltem Spezialrollstuhl — in Besitz nehmen und gleich mal zur Probe darauf sitzen.

Leider gibt es zu diesem erfreulichen Ereignis eine traurige Vorgeschichte, denn auf das Rollstuhlfahrrad hatte sich eigentlich ein anderer junger Mensch gefreut.

Im November riefen der FDP- Kreisverband und die Pflanzenschule Lindner in Wiepkenhagen unabhängig voneinander zu einer Spendenaktion für den schwerbehinderten Philipp Geier aus Semlow auf und taten sich darauf für diesen Zweck zusammen.

Ziel war es, das Geld für ein Rollfiets zusammenzubringen, um dem damals 24-jährigen Semlower die Teilnahme an Fahrradtouren zu ermöglichen. Weil es für Philipps Mutter Doris Geier zu schwer gewesen wäre, sich selbst und den Rollstuhl mit Philipp nur mit ihrer Muskelkraft zu bewegen, wäre ein Umbau des Fahrrads auf Elektroantrieb nötig gewesen. Ihre Krankenkasse, die Barmer, hatte das Anliegen schon vor Jahren abgelehnt. Begründung: Philipp sei kein Kind mehr, dem man die Teilnahme an den Aktivitäten Gleichaltriger ermöglichen müsse. Und für den Aufenthalt an der frischen Luft reiche der normale Rollstuhl aus.

Dank der großzügigen Spendenbereitschaft vieler Menschen und Unternehmen konnte der FDP- Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Hagen Reinhold noch 2012 ein gutes gebrauchtes Rollfiets anschaffen, auch die für den Umbau notwendigen Mittel ließen nicht lange auf sich warten.

Doch Anfang 2013 geschah das Unfassbare — nach kurzer schwerer Krankheit verstarb Philipp Geier. Nach einigen Wochen der Trauer beschlossen Doris Geier und Hagen Reinhold, sich um eine sinnvolle, den Interessen der Spender entsprechende Verwendung der Mittel zu bemühen.

Man war sich einig, das Rollfiets an Kristina Hochgräber zu übergeben, der eine Unterstützung bei der Anschaffung mit einer ganz ähnlichen Begründung von der AOK verwehrt worden war.

Angesichts der Freude Kristinas beim Probesitzen musste Doris Geier an ihren Sohn denken. „Er hätte sich ebenfalls sehr gefreut, zu Weihnachten hatte er schon seinen Fahrradhelm bekommen. Für Familie Hochgräber wird es eine neue Lebensqualität sein, gemeinsam mit dem Fahrrad fahren zu dürfen.“

Noch immer ist Doris Geier die Verbitterung über die Entscheidung der Barmer anzumerken, die binnen viereinhalb Jahren von mehreren Instanzen bestätigt wurde: „Das viele Geld für die Verhandlungen hätte sicher für ein Rollfiets ausgereicht. Wer solche Entscheidungen trifft, weiß nichts von den Schwierigkeiten, einem Behinderten die Möglichkeit zur Teilhabe am Leben zu geben. Dieses beinhaltet nämlich mehr als nur einen Frischluftaufenthalt.“

Das restliche Spendengeld soll nach dem Willen von Doris Geier an ein Musikprojekt des kreisdiakonischen Werkes Greifswald fließen, das ohne diese Unterstützung nicht stattfinden könnte. „Ich habe lange nach einem guten Projekt gesucht, das die Spender nachvollziehen können. Bei der Argentinierin Dr. Alio Warr, alternativer Medizinerin und Musiktherapeutin, werden Behinderte an Klänge und Musik herangeführt. Ich denke, Philipp hätte daran auch Gefallen gefunden.“ Hagen Reinhold sicherte zu, nach der Konzepterstellung für das Projekt „Philipp“ noch einmal zur Spendenaktion aufzurufen.

„Wir haben es doch gesehen — wenn es um ein konkretes Projekt geht, stehen auch viele Menschen dahinter. Die wollen gern wissen, was mit ihren Spenden geschieht.“

Alle Beteiligten, besonders Doris Geier und Kristinas Mutter Katja Hochgräber, möchten den vielen Menschen aus der Region für die Spendenbereitschaft danken.

Wenn es um ein konkre- tes Projekt geht, stehen auch viele Menschen dahinter.“Hagen Reinhold,

FDP-Bundestagsabgeordneter

Volker Stephan

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