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Ribnitz-Damgarten Eine Kranken-Station in Azubi-Hand
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Eine Kranken-Station in Azubi-Hand
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19:58 18.05.2017
Stationsleiter für einen Tag: Henry Neumann (19, 3. Lehrjahr) bespricht sich mit Isabella Schmidt (17, 1. Lehrjahr). Quelle: Robert Niemeyer
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Ribnitz-Damgarten

„Alles läuft ganz prima“, sagt Käthe Lüders knapp, nachdem Anna Sophie Schröder ihr das Blutdruckmessgerät abgenommen hat. Lüders ist 67 Jahre alt und Patientin auf der Station fünf der Boddenkliniken in Ribnitz-Damgarten. Dass sie so zufrieden mit der Betreuung ist, ist deshalb bemerkenswert, weil an diesem Tag alles ein wenig anders ist auf der Station. Seit der Eröffnung des neuen Krankenhausgebäudes in Ribnitz vor 17 Jahren gehört es zur festen Ausbildungs-Tradition, dass an einem Tag im Jahr die Auszubildenden in der Gesundheits- und Krankenpflege auf einer Station des Zepter übernehmen. So wie am Donnerstag.

Praxistest: Angehende Krankenschwestern übernahmen in den Bodden-Kliniken für einen Tag das Zepter.

Ein Tag, der zusammenschweißt

„Die Herausforderung ist vor allem, dass die Azubis die komplette Organisation, die Planung der Abläufe, die Absprachen untereinander selbstständig übernehmen“, sagte Stationsleiterin Gudrun Fink. Im Alltag sind es die ausgebildeten Krankenschwestern, die dem medizinischen Nachwuchs Anweisungen erteilen. Gestern schauten sie hauptsächlich zu, griffen nur korrigierend ein. Die Entscheidungen trafen die Azubis selbst. Und zwar für 28 Patienten, die auf der Station HNO/Innere/Schlaflabor gestern versorgt werden mussten. „Es ist ungewohnt, nicht die Anweisungen entgegenzunehmen, sondern selbst zu geben“, sagte Henry Neumann, 19 Jahre, drittes Lehrjahr. Neumann übernahm die Stationsleitung. Vier Teams mit jeweils Azubis aus dem ersten, zweiten und dritten Lehrjahr wurden gebildet, betreut von je einer ausgebildeten Krankenschwester. Neumann: „Es ist viel zu tun, wir lernen in diesen zwei Tagen, selbstständig zu arbeiten. Auch als Team schweißt uns das zusammen.“

Zwei Tage bedeutet, dass es vorgestern bereits eine Art Generalprobe gegeben hatte, noch mit dem einen oder anderen Problem. „Am zweiten Tag lief alles schon sehr viel besser“, sagte Gudrun Fink. Die Patienten werden selbstverständlich im Vorfeld informiert. „Wer nicht mitmachen möchte, muss nicht. Der Patient ist König“, sagt Fink. „Das ist okay, schließlich sollen die jungen Leute was lernen“, erklärt aber Patientin Käthe Lüders. Und eine willkommene Abwechslung sei es ebenfalls. „Ich war schon ein bisschen aufgeregt, weil ich mir noch nicht vorstellen konnte, wie das alles abläuft“, sagte Anna Sophie Schröder, Auszubildende im zweiten Lehrjahr. „Aber dieser Tag bringt uns ein ganzes Stück voran“, sagte Kollegin Emmely Gransow (17). Beide schätzen die Ausbildung in den Boddenkliniken vor allem aufgrund der familiären Atmosphäre des vergleichsweise kleinen Krankenhauses.

Immer weniger Bewerbungen

Darauf setzt auch die Klinikleitung. „Jeder kennt jeden, jeder hilft jedem“, sagt Geschäftsführer Falko Milski. In der Konkurrenz um guten Nachwuchs hätten sich die Bodden-Kliniken über Jahre hinweg einen guten Namen gemacht. 45 Ausbildungsplätze, 15 pro Lehrjahr, bietet das Krankenhaus. Mehr als 100 Bewerbungen gab es allein für das aktuelle Lehrjahr, eine Zahl, die angesichts von Azubimangel in vielen anderen Branchen als utopisch angesehen werden dürfte. Doch auch in der medizinischen Branche habe sich laut Milski die Situation verändert. „Früher hatten wir 300 bis 600 Bewerbungen.“ Entsprechend schwierig sei heute die Auswahl, weil vor allem die Qualität der Bewerber nachgelassen habe.

Die aktuellen Azubis aber würden einen guten Job machen. Zufriedene Patienten wie Käthe Lüders sind da das aussagekräftigste Zeugnis.

Robert Niemeyer

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