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Ribnitz-Damgarten Einsatz für maritime Traditionen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Einsatz für maritime Traditionen
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00:00 22.04.2013
Ewald Richter mit der Chronik der Marine-Offizier-Messe. Quelle: Karin Rogalska
Stralsund

Zur Marine-Offizier-Messe Stralsund-Dänholm fällt Ewald Richter sofort etwas ein. „Sie ist für mich Heimstatt und gibt mir Zufriedenheit“, bringt er die Gründe für seine langjährige Mitgliedschaft in der MOM auf den Punkt. Seit 1991 ist der 78-Jährige dabei. Aus seiner Sicht hat sie mit dazu beigetragen, dass „ der maritime Gedanke in der Hansestadt inzwischen präsenter ist als früher“.

Die Messe reiht sich ein in das gute halbe Dutzend nautischer Vereine der Hansestadt. Anders als etwa der Nautische Verein wurde die MOM nach der Wende neu und nicht wiedergegründet. Für Außenstehende erstaunlich, war doch der Dänholm bis 1945 Einstellungsort aller deutschen Marineoffiziere.

Auf die Fahnen geschrieben hat sich der Verein unter anderem die Förderung des maritimen Erfahrungsaustauschs, des aufgeschlossenen maritimen Denkens und der Pflege maritimer Traditionen. Seine Stammtische im Hotel „Scheelehof“ sind in der Regel öffentlich. Messe-Mitglied Ingo Pfeiffer stellte hier etwa im vergangenen Jahr ein Buch über die Begegnungen von Angehörigen der Volks- und der Bundesmarine vor. Auf dem Programm stand unlängst auch das lange verschollen geglaubte Tagebuch eines U-Bootfahrers über die letzten Kriegstage.

Ewald Richter ist bereits auf den 29. August gespannt, für den ab 17 Uhr eine Diskussion über den gebürtigen Bergener Johann W. R. Langsdorff angesetzt ist, der möglicherweise im Marinemuseum auf dem Dänholm geehrt werden soll. Bekannt wurde dieser zu Beginn des Zweiten Weltkriegs als Kommandant des Panzerschiffs „Admiral Graf Spee“. Das Kampfschiff wurde am 17. Dezember 1939 nach mehrwöchigem Kreuzerkrieg in der Mündung des Río des la Plata vor Uruguay von seiner Besatzung versenkt, da die Gefechtsschäden nicht repariert werden konnten. Über tausend Mann wurden heimlich evakuiert. Zusammen mit der Besatzung ging Langsdorff in die argentinische Hauptstadt Buenos Aires und wurde dort interniert. Wenig später erschoss er sich.

Die Auseinandersetzung mit Langsdorff ist insofern eine zweischneidige Angelegenheit, als er einerseits wegen seiner Menschlichkeit geschätzt wurde, andererseits aber überzeugter Nationalsozialist war. „Dazu wollen wir uns mit der Diskussion Klarheit verschaffen“, betont Richter.

Unter dem Vorsitzenden Peter Adamitza präsentiert sich die MOM zunehmend in der Öffentlichkeit. So hat sie drei Schauvitrinen in der Stadt aufgestellt. Eine davon befindet sich im Hotel „Scheelehof“, die beiden anderen in der Marinetechnikschule in Parow und im Marinemuseum auf dem Dänholm. Außerdem unterstützt der Verein das Kinderheim des Internationalen Bundes, die Nikolaikirche, das Ozeaneum, den Tierpark, Theater Vorpommern. Auch das Stadtwappen auf der Gorch Fock haben Vereinsmitglieder gestiftet.

• Internet:

www.mom-stralsund.de

Karin Rogalska