Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Fischland-Darss Der Buchstabensalat ist angerichtet
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Fischland-Darss Der Buchstabensalat ist angerichtet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:03 27.03.2014

Buchstabensalat wird derzeit in Prerow angerichtet. Der Name des Ostseebades prangt seit Tagen in unterschiedlichen Varianten am Fuße der kleinen Erhebung am Ortseingang, im Ortsmund als Sicheldüne bezeichnet. Große Buchstaben, kleine Buchstaben, mal mit Schnörkeln, mal ohne Schnörkel, mal in gelb, mal in blau, mal in braun sorgen seit Tagen bei Vielen für Verwirrung.

Doch laut ursprünglichem Gestalungskonzept für den neuen Ortseingang, sagt Bürgermeister Andreas Meller (fraktionslos), solle dort der Name des Ostseebades zu einem Besuch einladen. Das Gemeindeoberhaupt betrachtet die Angelegenheit sehr viel nüchterner als manche Bewohner des Ortes. Das „Buchstaben-Casting“ werde in den nächsten Tagen durch die Anwesenheit von Brad Pitt erst richtig an Bedeutung gewinnen, wird in dem Ostseebad gewitzelt. Der Mega-Star wird keinen Fuß in das Ostseebad setzen. Dafür ist nun klar, wie vor den Toren Prerows die Autofahrer zum Einlenken gewonnen werden sollen. Drei Größen-/Farbvarianten wurden in den vergangenen Tagen an der L 21 aufgestellt. Die korrespondieren mit dem neuen Konzept innerhalb des Ortes, das sich laut Andreas Meller auch auf den restaurierten hölzernen Hinweisschildern wiederfindet. Allein das Gelb wurde für die Ortseinfahrt als zu grell befunden. Und auch bei der Größe der einzelnen Buchstaben üben sich die Verantwortlichen in Bescheidenheit. „Im ersten Anlauf waren die Buchstaben zu groß“, sagt im Nachhinein der Bürgermeister. Realisiert wird die Version mit kleinen Buchstaben — und zwar aus speziellem Stahl. Der setzt im Laufe der Zeit eine Patina an, erscheint also in rostbraun. Innerhalb der nächsten drei Wochen, davon geht der Bürgermeister aus, werden die neuen Buchstaben am Fuß der Erhebung stehen. Damit die Autofahrer auch zu nächtlicher Stunde wissen, welches Ostseebad so einladend wirkt, werden die Buchstaben von unten beleuchtet. Dieser sogenannten Cor-Ten-Stahl findet sich übrigens auch anderswo im Ortsbild Prerows wieder, nämlich als Einfassung von Beeten etwa am Einkaufszentrum.

Was das genau werden soll, wissen die Mitglieder der Fraktion Rettet Prerow eigenen Bekundens nach nicht. Im ursprünglichen Plan war das neue Logo Prerows mit der Welle vorgesehen, ist auf der Internetseite von Rettet Prerow zu lesen. „Einen Beschluss über die Beauftragung der Schrift gibt es bisher nicht“, stellt René Roloff fest.

Der Streit um die Aufschüttung am Ortseingang scheint damit in eine weitere Runde zu gehen. So steckt in der „Düne“ nicht nur reichlich Straßenaushub, sondern darüber hinaus gehende Sprengkraft.

Entstanden ist die Erhebung am Wiecker Weg im Kern mit Material aus dem Straßenbau in Prerow. Gegner des Vorhabens wollten das Projekt stoppen. Sie begründeten das mit Rückständen in dem Baumaterial, sogar Asbest soll sich darin befunden haben. Erst aufwändige Prüfungen sowie ein Sieben des Straßenaushubs (die OZ berichtete) ebneten den Weg fürs Aufschütten am Orsteingang. Dem Bürgermeister als Bauunternehmer wurde in diesem Zusammenhang zudem vorgeworfen, Entsorgungskosten zu seinen Gunsten einzusparen und den Aushub illegal entsorgt zu haben. Seitens der Kreisverwaltung wurde daraufhin die Entnahme mehrerer Proben aus dem abgelagerten Straßenaushub angeordnet. Die befürchtete Gefährdung für Umwelt und Anlieger wurde nicht bestätigt. Die Auseinandersetzung um den Ortseingang fand hohe mediale Aufmerksamkeit.



Timo Richter

Anzeige