Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Fischland-Darss Ehrennadel für Lebensretterin
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Fischland-Darss Ehrennadel für Lebensretterin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:28 29.11.2017
Bärbel Schneider (75) erhält am Wochenende die Ehrenamtsnadel des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist seit 55 Jahren Übungsleiterin in der Wasserrettung. Quelle: Foto: Timo Richter
Wustrow

Sie hat die Lizenz zum Retten, sie bringt den Kreislauf von Senioren in Schwung, sie hat tausenden Kindern das Schwimmen beigebracht – Bärbel Schneider hat die Wasserrettung in den Mittelpunkt ihres Lebens gestellt. Am Wochenende erhält sie die Ehrenamtsnadel des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Allüberall in dem kleinen Ort auf dem Fischland ist das Wirken der heute 75-Jährigen zu spüren. Ihr Engagement hat das Leben in dem Ostseebad abwechslungsreicher gemacht – und sicherer.

Wenigstens 12000 Kindern hat Bärbel Schneider das Schwimmen beigebracht, etliche Menschen vor dem Ertrinken gerettet. Begonnen hat die Begeisterung fürs Schwimmen in Ahrenshoop. „Ein richtiger Fischländer muss schwimmen können und Schlittschuh laufen“hörte sie von ihrer Lehrerin Erne Wehnert in Ahrenshoop. Letzteres war nicht so ihr Ding, Bärbel Schneider sprang lieber in die Ostsee.

Als die Familie später nach Rostock umsiedelte, war sie als Elfjährige schon zu alt für Schwimmtraining in einem Verein. Da kam sie zur Wasserrettung, die ihr Leben künftig bestimmte. Dort lernte sie ihren Mann kennen, erwarb 1962 den Rettungsschwimmerschein. Sohn und Tochter sind selbstredend auch Wasserretter geworden, die Enkelkinder schwimmen auch schon ganz prima und ein Nachzügler ist schon beim Babyschwimmen.

An Stränden, in Schwimmhallen war die spätere Lehrerin zu Hause, längst war sie nach Wustrow zurückgekehrt, arbeitete dort bis zur Pensionierung. Dass das Kinderschwimmen, das Schulschwimmen unter ihrer Obhut stattfand, ist klar.

Mit der Wende trat die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft auf den Plan. Bärbel Schneider ließ sich zur Gründung der heutigen Ortsgruppe Fischland drängen. Eine eigenen Worten zufolge „qualvolle Zeit“ mit Behörden- und Gerichtsterminen im Zusammenhang mit der Vereinsgründung durchlebte sie, um damit unwissend den Grundstein für die Entwicklung in dem Ostseebad gelegt zu haben. Es begann mit der Organisation des Wustrower Schwimm- und Umwelt-Camps.

Mit Meldungen, dass Badetote in der Ostsee immer älter waren, wandte sich Bärbel Schneider „ihrer“ Generation zu. 2001 gründete sie die Gruppe 50+ – damals mit sechs Beteiligten. Heute gibt es vier Gruppen mit zusammen 115 Teilnehmern – und einer Warteliste. Schnell erkannte Bärbel Schneider, dass nur mit besonderen Projekten öffentliches Geld locker gemacht werden kann. Gesund und fit – sollte schließlich das Projekt werden, aus dem etliche andere Angebote für das Zusammenleben in Wustrow entwickelt wurden. Jährliche Tagesfahrten, eine Rommee-Runde, ein Lesezirkel, Tanztee – die Liste lässt sich um ein Informationsblättchen mit einer Auflage von 1000 Stück erweitern, auch um die Gründung des Seniorenbeirates. Aktiv älter werden, das ist der Gedanke, dem die Teilnehmer älteren Semesters aktiv anhängen.

50 Jahre langer ehrenamtlicher Einsatz für die Allgemeinheit – dafür wird Bärbel Schneider am Wochenende in Schwerin ausgezeichnet. Sie erhält die Ehrenamtsnadel des Landes. Fast hätte sie die unscheinbare Einladung von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig in der Flut von Werbebriefen übersehen. Lange ist es her, dass Bärbel Schneider gedacht hat, sie höre mit 70 Jahren auf. Noch hat die drahtige Frau die Lizenz zum Retten. Bis 2020 jedenfalls darf sie als Übungsleiterin im Namen der DLRG tätig sein.

„Mal sehen, was dann kommt“, sagt sie. Weitermachen will sie auf jeden Fall, so lange, wie es Freude bereite, die Gesundheit von Menschen im Wasser zu stärken. Selbst hält sie es auch so. Regelmäßig bis in den November hinein steigt Bärbel Schneider bei gutem Wetter täglich in die Ostsee.

Timo Richter

Mehr zum Thema

An der Uni beginnt Umfrage unter ihren Mitgliedern

25.11.2017

Jeder dritte Schüler ist nichtdeutscher Herkunft/ Kreisausschuss bewilligt dennoch nur eine Stelle

28.11.2017

Kreisausschuss bewilligt nur eine Stelle pro Einrichtung/ An mancher Schule werden zwei benötigt

28.11.2017
Anzeige