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Fischland-Darss Ein Stück vom Glück im Café Ulenhoef
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Fischland-Darss Ein Stück vom Glück im Café Ulenhoef
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00:00 08.06.2017
Prerow

Am Ende der Grünen Straße in Prerow befindet sich das Café „Ulenhoef“. Nur hundert Schritte entfernt krächzt im Darß-Wald der Kolkrabe, segelt die Waldohreule im Abendwind leise durch die Bäume. Im Café von Annette Franz findet der Gast Eulen auf dem blauen Geschirr, das der Keramiker Alexander von Stenglin geformt hat, und variationsreich im Hof und in den Gasträumen. „Mein Liebling ist der Steinkauz, weil ich ihn durch das Buch von Tanja Brandt kennengelernt habe“, sagt Annette Franz. Es heißt „Wo die Liebe hinfliegt, Ingo und Poldi – Die Geschichte einer Freundschaft.“ Darin geht es um einen Schäferhund und um einen Steinkauz. Die Liebe der Wirtin indes flog zu Andreas, der ihr den Namen Franz gab und sie jetzt tatkräftig unterstützt.

„Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück, und ich träum’ davon in jedem Augenblick.“ Das behaupteten die Comedian Harmonists bereits 1932 musikalisch. „Ein Stück vom Glück ist unser Motto“, sagt Annette Franz. Mit ihrer Familie sorgt sie dafür, dass der Gast ein bisschen davon spürt, wenn er mit dem Fahrrad oder zu Fuß kommt.

Schon der Blick auf die Himbeer-Mandel- oder Sanddorntorte setzt die pawlowschen Reflexe in Gang. Leicht, luftig, locker, nicht zu süß, so schmecken sie, zubereitet mit bester Butter nach Omas alten Rezepten. „Aber die besonderen Zutaten weiß nur die weise Eule“, sagt die vierzigjährige Mutter von drei Kindern.

Ihr Urgroßvater mütterlicherseits war Bäckermeister in der Barther Hunnenstraße. Mutter Marion half in ihrer Kinder- und Jugendzeit oft in der Backstube. Annette hat sich auf Torten spezialisiert, bietet aber auch frisch gekochte Suppen und Flammkuchen an.

Im Erstberuf lernte sie Dekorateurin, arbeitete in Berlin im Modegeschäft, dann auf dem Darß im Taxigeschäft der Eltern, bis sie im Mai 2014 ihr Café eröffnete. „Ob es wohl gut geht so am Dorfrand?“, war anfangs die bange Frage. Mit geübtem Händchen dekoriert die von Natur aus glücklich Veranlagte die Speisen und sorgt für eine anheimelnde Atmosphäre auch auf der Hofterrasse, damit der Gast sich wohlfühlt und genießen kann.

Ein Seestück des Wiener Malers Franz Waldegg schmückt die Veranda, den kleinen Salon ein Bild des Malers Louis Douzette, „Malerbuchen in Prerow mit Kapitänshaus“, 1890. Es ist das Elternhaus von Annette Franz, in dem sich das Café befindet. Im Salon hängt ein Porträt, das ein Straßenmaler auf Kreta malte, als sie 18 Jahre jung war.

Von Kindesbeinen an ritt sie auf dem Pferdehof der Zahnärztin Dr. Hedwig-Dorothea Affeldt. Das Sportliche erbte Annette von beiden Eltern, aber besonders vom Vater Jürgen Heuser. Er flog 1978 für die Betriebssportgemeinschaft BSG Motor Stralsund der Volkswerft zur Weltmeisterschaft im Superschwergewicht nach Gettysburg, USA, und kehrte glücklich mit einer Goldmedaille im Zweikampf zurück. Silber erkämpfte er sich 1980 bei den Olympischen Sommerspielen in Moskau. Heute hebt der 64-Jährige nur noch Kisten mit Zitronen-Ingwer-Limonade im Café der Tochter.

Das Taxigeschäft hat er seinem Sohn Felix übergeben. Für das Reiten bleibt Annette Franz keine Zeit mehr, aber mitunter joggt sie mit einer Freundin durch den Wald, kurz bevor die nachtaktive Waldohreule von Ast zu Ast fliegt und ihr „Schuhu“ zu hören ist.

Elke Erdmann

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