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Fischland-Darss Furcht vor weiteren Ferienwohnungen
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00:05 24.10.2017
Der Seegasthof mit Hotel am Hafen von Prerow soll nach Verkauf einem Neubau-Komplex mit Ferienwohnungen weichen. Quelle: Foto: Timo Richter
Prerow

Verschwindet auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst ein weiteres Traditionslokal von der Bildfläche? Den Seegasthof und Hotel am Hafen in Prerow versucht Inhaber Benno Kleist bereits seit Längerem, an den Mann zu bringen. Jetzt hat sich mit Jonas Holtz, unter anderem Geschäftsführer der HK Solartec, ein Investor gefunden. Das alte Gebäude soll, so die Befürchtungen in dem Ostseebad, einem Neubau mit Ferienwohnungen weichen.

Zwar liegt der Kommune noch nichts Offizielles dazu auf dem Tisch, doch es wird bereits offen über einen möglicherweise bevorstehenden Abriss des um 1860 errichteten Gebäudes geredet. Inhaber Benno Kleist will sich auf Nachfrage zu den Spekulationen in dem Ostseebad nicht äußern.

Bekannt ist, dass das aktive Mitglied im Shantychor „De Prerow Stromer“ für die Immobilie seit Jahren einen neuen Inhaber sucht. 1,5 Millionen Euro soll der Investor geboten haben, dazu kämen wenigstens ebenso hohe Kosten für Abriss und Neubau einer Ferienwohnungsanlage, heißt es in dem Ostseebad. Jonas Holtz äußerte sich zum Kaufpreis nicht.

Durch die Vermietung als Ferienwohnung werde aktuell der höchste Gewinn erzielt. Zum Vergleich: In Zingst hatte Bürgermeister Andreas Kuhn (CDU) keinen Investor für den Bau von Mietwohnungen gefunden, sodass die Kommune das Vorhaben letztendlich selbst gestemmt hat.

Allein die Möglichkeit des umfangreichen Baus von Ferienwohnungen zeichnet Bürgermeister René Roloff (Prerows Zukunft) Sorgenfalten auf die Stirn. Er stehe für den Erhalt der Gastronomie an der Stelle ein. Der Seegasthof zähle zu den markantesten Häusern des alten Prerower Ortskerns. Angesichts „verschiedener Vorstöße“ für einen Komplettabriss mit anschließendem Neubau hofft Roloff, dass wenigstens die traditionsreiche Gaststätte erhalten bleibe. Das, so der Bürgermeister, sei aber wohl nicht im Sinne des Verkäufers. Die Vorteile einer Lage der Immobilie mit Gastronomie nahe des Hafens sei in der Vergangenheit nicht komplett ausgespielt worden. So sieht Roloff eine Terrasse mit Blick auf den Prerowstrom als eine Möglichkeit, die Attraktivität zu steigern – und wenigstens einen Komplettabriss zu verhindern. „Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht funktionieren würde.“ Denn noch mehr als den Verlust der Gastronomie nahe des Hafens fürchtet René Roloff die Schaffung eines Präzedenzfalles. Sollte dort tatsächlich ein großer Komplex mit Ferienwohnungen gebaut werden – und alles, was er bislang an Skizzen und Planungen gesehen habe, laufe genau in diese Richtung –, könnten sich weitere Investoren später auf dieses Gebäude berufen und ebenso groß bauen. Orakelt wird in dem Ostseebad derzeit auch, dass der Vertrag zwar unterschrieben worden sein soll, der Kaufpreis aber noch nicht bezahlt ist. Grund sollen Unwägbarkeiten im späteren Genehmigungsverfahren für das vermeintliche Großprojekt sein.

„Ja, ich habe den Seegasthof gekauft – und zwar allein“, bestätigt Jonas Holtz auf Nachfrage. Was an der Stelle geschehen werde, sei noch nicht klar. Nur: Das werde auf jeden Fall im Dialog mit der Kommune geschehen. Als Darßer sei er sehr dafür, dass „Tradition ein Stück weit erhalten“ werde. Weil Benno Kleist den Seegasthof derzeit betreibe, habe er aktuell keinen Beweggrund, an der Stelle etwas zu machen. Es werde gemeinsam mit der Gemeinde ein Konzept erarbeitet.

Der Bürgermeister zeichnet die Historie nach: An dieser Stelle stand in der Schwedenzeit der Bauernhof des Dorfschulzen. In der schwedischen Matrikel 696 ist das Jacob Kreft. Er führt die Liste dort mit dem größten Land- und Viehbesitz (15 Scheffel Aussaat und elf Stück Großvieh) in Prerow an.

Gleich dort gab es bis 1837 eine Fähre zur Kirche und damit die Verbindung zur Insel Zingst. 1837 wurde eine Klappbrücke gebaut, ähnlich wie heute noch in Greifswald - Wieck. Die schwamm in der Sturmflut 1872 weg und wurde durch den Brückendamm ersetzt.

Die günstige Lage wird dazu geführt haben, dass sich aus dem Bauernhof irgendwann eine Gastwirtschaft entwickelte. Vom Bauernhaus ist aber nichts geblieben. Die ältesten Teile des derzeitigen Hauses sind wahrscheinlich um 1860 entstanden, die Veranda, die zuerst offen war, wohl Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Haus nannte sich „Hafenhotel“, weil man auch beherbergte. Das Anwesen gehört damit zum ganz alten ursprünglichen Ortskern von Prerow.

Timo Richter

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