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Fischland-Darss Illustrationen voller Geschichten
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Fischland-Darss Illustrationen voller Geschichten
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00:00 21.10.2017
Inge Jastram in ihrem Atelier. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Kneese bei Marlow. Quelle: Foto: Peter Schlag
Wustrow

Frühe Illustrationen und späte freie Arbeiten der Künstlerin Inge Jastram präsentiert seit gestern das Fischlandhaus Wustrow. Rund 50 Werke der in Kneese bei Marlow lebenden Zeichnerin und Grafikerin umfasst die am Abend eröffnete Ausstellung. Zu sehen sind Arbeiten aus allen Schaffensphasen Inge Jastrams, von den 1950er-Jahren bis hin zu aktuellen Werken.

Im Mittelpunkt stehen Illustrationen, die für die Veröffentlichung in Büchern gedacht waren. Die ersten dieser Zeichnungen stammen aus der Zeit, als Inge Jastram Studentin bei Werner Klemke war. Bei ihm legte sie ihr Diplom ab. Klemke wurde unter anderem durch seine Illustrationen zu Grimms Märchen und durch seine witzigen Kater-Zeichnungen für die Zeitschrift „Das Magazin“ bekannt.

Inge Jastram illustrierte unter anderem Bücher von Lukian, Laurence Sterne, Klaus Mann und Christian Borchert bis hin zu den niederdeutschen Geschichten von Fritz Meyer-Scharffenberg, die im Hinstorff-Verlag erschienen.

Die Künstlerin verarbeitete darin immer Erfahrungen und Erlebnisse. Ab 1990 widmete sie sich verstärkt freieren Arbeiten, die nicht mehr an eine literarische Vorlage gebunden sind. Häufig sind das Bildnisse von Menschen, die sie interessieren und denen sie sich verbunden fühlt. Darunter sind immer wieder auch solche, die sich eher am Rand der Gesellschaft bewegen: Unangepasste, Clowns oder Traumtänzer, einsame Gesellen mit einem ungewöhnlichen, zuweilen schrillen Äußeren.

Inge Jastram setzt ihre Bildvorstellungen meist in einer ausgefeilten Radiertechnik um. Diese Technik ermöglicht sehr ausdrucksstarke und grafisch differenzierte Ergebnisse. Wie die Künstlerin verriet, bevorzuge sie dabei das Arbeiten mit der „kalten Nadel“. Hierbei werde der Strich, der nach dem Druck auf dem Papier erscheint, direkt in die Metallplatte hineingeritzt. Diese Technik lässt keine Korrekturen zu und erfordert daher ein besonders sicheres Können.

Inge Jastram wurde 1934 in Naumburg an der Saale (Sachsen-Anhalt) geboren. Sie absolvierte eine Schneiderlehre und begann eine Ausbildung zur Modezeichnerin. Die Eltern erkannten ihr großes künstlerisches Talent. Vater und Mutter ermutigten sie zum Kunststudium. Von 1952 bis 1957 studierte sie Grafik und Illustration bei Arno Mohr und Werner Klemke an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee. 1958 heiratete die Künstlerin den Bildhauer Jo Jastram und zog mit ihm nach Rostock. Zu Beginn der 1970er-Jahre ließ das Paar sich in Kneese nieder.

Jo Jastram verstarb im Januar 2011 im Krankenhaus von Ribnitz-Damgarten. Dort war er – zuletzt auf der Intensivstation – behandelt worden, nachdem er am Weihnachtsabend 2010 in seinem Haus in Kneese schwer gestürzt war. Er wurde 82 Jahre alt.

Jo Jastram gehörte zu den bedeutendsten zeitgenössischen deutschen Bildhauern. Wichtige Arbeiten von ihm prägen Straßen und Plätze in Rostock – etwa der „Brunnen der Lebensfreude“ im Zentrum (gemeinsam mit Reinhard Dietrich). Seine Figuren, Brunnen und Reliefs gehören aber auch in zahlreichen anderen Orten zum Stadtbild. So auch in Ribnitz-Damgarten. Für den dortigen Hafenplatz hat er das Kunstobjekt „Der Zirkus kommt“ geschaffen. Die aus Stelzenläufer, Radfahrerin und ballspielendem Hund bestehende Großplastik ist im September 2009 eingeweiht worden.

Bis April zu sehen

Die Ausstellung „Inge Jastram,

Grafik“ wird bis zum 8. April 2018

im Fischlandhaus Wustrow, Neue Straße 38, gezeigt.

Geöffnet: Montag und Dienstag von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr; Donnerstag 10 bis 12 Uhr, 14 bis 18 Uhr; Freitag bis Sonntag und an den Feiertagen 11 bis 16 Uhr. Vom 18. bis 24. Dezember bleiben das Fischlandhaus und die Ausstellung geschlossen.

Internet:

www.ostseebad-wustrow.de

Detlef Lübcke

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