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Fischland-Darss Klimawandel: Gefahren werden oft verkannt
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Fischland-Darss Klimawandel: Gefahren werden oft verkannt
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03:38 11.09.2013
Bei steigendem Wasserspiegel der Ostsee würden die Strände in den Fluten versinken. Quelle: Susanne Retzlaff
Wieck

... und nun der Wetterbericht für die deutsche Ostseeküste mit den Aussichten für das Jahr 2043. Dr. Insa Meinke vom Norddeutschen Klimabüro fasste am Montagabend in der Darßer Arche die aktuellen Klimadaten zusammen und machte unter Berücksichtigung verschiedener Modelle die „Wettervorhersage“.

In den vergangenen 100 Jahren ist eine Erhöhung der globalen mittleren Temperatur um 0,8 Grad gemessen worden, im südlichen Ostseeraum etwas weniger. Der mittlere Anstieg des Meeresspiegels, global 20 Zentimeter, betrug in der südlichen Ostsee etwa 14 Zentimeter. Das sind Messdaten, die sich ohne den Faktor Mensch nicht erklären lassen. In den kommenden drei Jahrzehnten wird eine mittlere Erwärmung um 0,5 bis 1,1 Grad erwartet. Vor allem die Sommer nach einem warmen Frühjahr werden heißer und trockener. Herbst und Winter fallen bei weniger Sonnenstunden und häufigeren Niederschlägen mit Starkregen recht trübe aus. Schnee wird seltener, Winterhochwasser häufiger. Das „Windklima“ zeigt noch keine Veränderung.

Aber allein der höhere Meeresspiegel sorgt für häufigere leichte Sturmflutereignisse, die sich insbesondere an den Meeresküsten und Steilufern auswirken werden. Diese Küstenabschnitte sind schon jetzt starker Erosion ausgesetzt. Meinke ist am Forschungsprojekt „Regionale Anpassungsstrategien für die deutsche Ostseeküste (RADOST)“ beteiligt.

Die Klimaerwärmung ist unausweichlich, doch der Ernst dieser Lage erschließt sich noch immer nicht jedem. Da hoffen die einen auf niedrigere Heizkosten im Winter und andere frohlocken bei der Aussicht auf längere, wärmere Sommer an der Ostsee.

André Schröder, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, in der Klimaerwärmung durchaus Chancen für eine Saisonverlängerung, aber auch Risiken. Möglicherweise gebe es den Strand gar nicht mehr, an den man die Touristen aus überhitzten Städten locken will, weil der unter dem gestiegenen Meeresspiegel liegt. Badegäste teilen sich das wärmere Wasser mit Massen von Algen und Feuerquallen, fürchten Touristiker. Andere Experten prognostizieren eine Bedrohung der Seegraswiesen durch wärmeres Wasser.

Von den rund 2000 Kilometer Küstenlinie des Landes sind 377 Kilometer Außen-, darunter 140 Kilometer Steilküste. Küstenschutz koste Geld. Rund 15 Millionen Euro müsste das Land investieren, da hieße es Prioritäten setzen. „Es gibt keine Gewinner im Klimawandel“, sagte Raimund Jennert, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Fischland-Darß-Zingst. „Wir müssen Anpassungsstrategien jenseits von Sommer, Sonne, Strand und Meer entwickeln, die uns vom Klima unabhängiger machen und andere Themen wie Natur und Kultur belegen. Kranichzug und Hirschbrunft sind Beispiele, die auch die Saison bis in den Herbst verlängern. Wenn wir Erlebnisse statt Betten verkaufen, dann ist auch ein Starkregen mehr nicht so schlimm.“

Es wird wärmer
14Zentimeter ist der Wasserspiegel der südlichen Ostsee in den vergangenen 100 Jahren gestiegen, global waren es rund 20 Zentimeter.

0,5 bis 1,1 Grad soll die mittlere Erwärmung in den kommenden drei Jahrzehnten betragen.

Susanne Retzlaff

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