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Fischland-Darss Umweltminister macht sich ein Bild von Küstenabbrüchen
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00:05 06.05.2016
Umweltminister Till Backhaus (li.) im Gespräch mit Jörn Reiche von der Interessengemeinschaft Hohes Ufer. Quelle: Philipp Klein

In den Schutz des Hochufers zwischen Wustrow und Ahrenshoop ist Bewegung gekommen. Umweltminister Till Backhaus hat sich am Dienstagabend persönlich ein Bild von den aktuellen Abbrüchen der Steilküste in dem Bereich gemacht. Dreimal hat sich der Minister von der Interessengemeinschaft Hohes Ufer bitten lassen. Nach dem gut einstündigen Arbeitstreffen mit gut einem Dutzend Mitglieder der Initiative zeigte sich Backhaus von den fortschreitenden Abbrüchen geradezu „ein bisschen geschockt“, wie der Vorsitzende der Initiative, Jörn Reiche, sagt. Ein wichtiges Etappenziel hat die Interessengemeinschaft damit schon erreicht. Die Küstenschützer, die in der Vergangenheit Planungen für den Bau von zehn bis zu 100 Meter langen Buhnen Spenden gesammelt haben, hoffen nun auf eine Beschleunigung des Verfahrens. „Der Küstenschutz zwischen Wustrow und Ahrenshoop sollte eigentlich zur Chefsache gemacht werden“, urteilt Reiche. Dass sein Wunsch beim Minister offene Ohren findet, davon ist der Vorsitzende der Initiative überzeugt. „Es war gut, dass ich hier war“, zitiert Reiche Umweltminister Till Backhaus.

Der Küsten- schutz zwischen Wustrow und Ahrenshoop sollte zur Chef- sache gemacht werden.“Jörn Reiche, Vorsitzender Interessengemeinschaft Hohes Ufer

Der Besuch an der Küste habe Backhaus sichtlich beeindruckt, sagt Reiche. Die bereits im Wasser liegenden Betonfundamente der 1956/57 errichteten Radarstation verdeutlichten dem Minister samt Begleitern und einem Vertreter des Umweltamtes der Kreisverwaltung die Sorge vieler Bewohner des Fischlandes. Und auch die gern genutzte Treppe vom Ufer auf die Steilküste im Bereich der einstigen Süderdrift stand Pate für den weitergehenden Rückgang der Küste. Die oberen Fundamente sind nicht mehr zu gebrauchen, weil sie zu nah an der Abbruchkante ruhen. Der Treppenfuß kann nicht mehr gesetzt werden, weil das Fundament von Sand und Geröll jüngster Abbrüche verschüttet wurde.

Vom Bakelberg aus wiesen die Mitglieder der Interessengemeinschaft auf den kontinuierlichen Abfall des Geländes hin. Vom höchsten Punkt bis zur Uferkante „sind es nur noch 90 Meter“, mahnte Jörn Reiche. Backhaus dagegen habe prognostiziert, dass der Rückgang der Uferlinie in 50 bis 60 Jahren stoppen werde. Doch wie nun weitere Abbrüche aufhalten? Die Initiative plant privat finanzierten Küstenschutz. Für den Bau der zehn Buhnen rechnet Reiche mit einer Investitionssumme von rund 1,5 Millionen Euro. Sollte noch eine Unterwasserschwelle gebaut werden, würden die Kosten auf rund fünf Millionen Euro ansteigen. Dass in dem Bereich etwas getan werden müsse — eine solche Aussage wollte Reiche dem Minister entlocken —, dazu äußerte sich Backhaus nicht konkret.

Dennoch hat Reiche den Eindruck, dass der Küstenschutz auf dem Fischland nun auch im Ministerium als Thema angekommen ist. So wurde während des Besuchs auch über das Aufschütten eines weiteren Wellenbrechers wie in Wustrow und Ahrenshoop gesprochen. Diese Art des Schutzes habe aber tiefgreifende Auswirkungen auf die Küste, etwa durch die langsame Bildung einer Bucht.

Ungeklärt ist bislang die Frage nach den Strömungsverhältnissen, sollten zwischen den Wellenbrechern Buhnen entstehen. Im Raum steht auch eine Umweltverträglichkeitsstudie. Nach einem Vorgespräch im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt gebe es „einen Wust an Forderungen, die wir zu erfüllen haben“, wie Reiche sagt. Darum ist die Hoffnung auf Unterstützung aus Schwerin groß.

Von Timo Richter

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