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Fischland-Darss Vogelwart entdeckt auf der Kirr die letzten Alpenstrandläufer
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Fischland-Darss Vogelwart entdeckt auf der Kirr die letzten Alpenstrandläufer
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00:00 29.03.2014

Die Vogelinsel Kirr ist nach Auffassung von Harald Krug ein Schlaraffenland — für den Fuchs. Der Räuber trägt entscheidend zur Dezimierung der Bestände von bodenbrütenden Küstenvögeln bei, wie der diplomierte Agraringenieur sagt. Aber auch Rabenvögel bedienten sich an dem noch nicht flüggen Nachwuchs der zumeist selten gewordenen Küstenvögel. Die Jagd auf das Raubwild werde nicht konsequent genug durchgeführt, wie von der Nationalparkverwaltung propagiert, kritisiert der ehrenamtlich tätige Vogelwärter. Im vergangenen Jahr beispielsweise sei auf der Kirr keine Jagd auf Füchse gemacht worden. Er habe allein sechs dieser Räuber beobachtet und den zuständigen Jagdpächter informiert. Der habe einen Abschuss der Tiere mit Hinweis auf den Schutz der Fähen abgelehnt. Kein Wunder also, dass die Zahlen der Küstenvögel in der Region „dramatisch zurückgehen“, wie Harald Krug sagt.

Wie wichtig er die Jagd auf das Raubwild erachtet, macht er am Beispiel des Alpenstrandläufers deutlich. Als er, erinnert sich der Vogelschützer, 1972 mit der Arbeit als Vogelwärter begann, fanden sich auf der Kirr mehr als 30 Brutreviere. Heute sind es gerade einmal drei Brutpaare des Vogels, den das Bundesamt für Naturschutz schon als ausgestorben bezeichnet.

Außer der Jagd auf Raubwild ist nach Einschätzung Harald Krugs die Beweidung wichtig. Waren es vor der Wende schon mal mehr als 700 Schwarzbunte, die auf der Kirr weideten, stehen jetzt die schweren Rinder des Gut Darß auf der Insel. Durch die würde der morastige Untergrund geradezu durchlöchert. Mit der Folge, dass ursprüngliche Pflanzengesellschaften nicht mehr existierten. Queller beispielsweise sei in weiten Teilen der Laugenblume gewichen. Außerdem gibt es inzwischen viel zu viel Schilf, wie Harald Krug sagt. Die früher deutlich leichteren Rinder konnten weiter ans Ufer und hätten dadurch diese Pflanzen mit abgefressen. Für viele bodenbrütende Küstenvögel sei aber eine weitgehende freie Landschaft überlebenswichtig.

Der Zingster Gerhard Schneider hatte als Mitbegründer des Nationalpark-Kuratoriums, ein Gremium für den Interessenausgleich zwischen Naturschutz und Tourismus, jüngst nicht ausreichende Maßnahmen zur Bestandregulierung von Raubwild kritisiert. Das sei zu DDR-Zeiten anders gewesen, als es für den erfolgreichen Abschuss von Füchsen noch Pokale zu gewinnen gab. Der Leiter des Nationalparkamtes, Gernot Haffner, hatte dagegen eine konsequente Bejagung von Raubwild auf den Inseln versprochen. „Die Inseln müssen raubwildfrei sein“, hatte er als Zielstellung genannt. Dennoch gehe die Zahl der Vögel seit Jahren kontinuierlich zurück.



Timo Richter

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