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Fischland-Darss Wustrower Leuchtfeuer blinkt jetzt an der Seebrücke
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Fischland-Darss Wustrower Leuchtfeuer blinkt jetzt an der Seebrücke
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02:24 02.04.2014
Gestern ist das Wustrower Leuchtfeuer an die Seebrücke umgezogen. Quelle: Timo Richter

Nach langer Planung endlich vollbracht: Gestern ist das Wustrower Leuchtfeuer umgezogen. Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stralsund haben die Optik aus der alten Nebelstation ausgebaut und auf den erst vor wenigen Monaten errichteten Mast auf der Wustrower Seebrücke montiert. Noch gestern sollte das Signal für die Schifffahrt wieder in Betrieb gehen. Vorsorglich hatte das Amt für Seeschifffahrt veröffentlicht, dass das Wustrower Leuchtfeuer in der Nacht zu heute nicht in Betrieb ist.

Der Ausbau des Leuchtfeuers aus der maroden Nebelstation war unproblematisch, wie Jörg Kubus vom Wartungstrupp des Wasser- und Schifffahrtsamtes berichtete. In einem gepolsterten Handwagen erreichte die empfindliche Optik den neuen Standort. Montage und Anschluss erfolgten dann in kurzer Zeit. Mehr Aufwand erforderte der Einbau von Batterien zur Stromversorgung der Lichtquelle im Falle einer Havarie, der Steuertechnik sowie der Antennenanlage.

Der Umzug setzt den Schlusspunkt hinter einen langen Streit um einen Ersatzstandort für das Seezeichen. Das damalige Amt für Umwelt und Natur hatte den Abriss der 100 Jahre alten Nebelstation gefordert. Das Gebäude auf der Küstenschutzdüne gefährde den Hochwasserschutz, war das ausschlaggebende Argument für den Zwangsumzug. Das Wasser- und Schifffahrtsamt wird sich nun von dem Gebäude trennen und es an das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt übergeben. Seitens dieser Behörde wird das Gebäude dann abgerissen. Kritiker hatten dagegen angeführt, im Bereich der Nebelstation — die auf dem Deich steht — sei eigens eine Küstenschutzdüne angelegt worden, sodass ein Deichbruch infolge eines Hochwassers nicht zu befürchten sei. Diese Argumentation führte allerdings nicht zu einem Umdenken in der Behörde mit Sitz in Stralsund.

Dann ging der Ärger um einen neuen Standort für das Leuchtfeuer los. Schnell war die Idee eines Cafés mit Museumscharakter nahe des Windrades geboren, auf dem das Seezeichen einen Platz finden sollte. Doch eine wacklige Finanzierung ließ das Vorhaben einschlafen, bis ein Rostocker die Idee aufgriff, modifizierte und die Investition auch stemmen wollte.

War das Vorhaben innerhalb der Wustrower Gemeindevertretung ursprünglich positiv eingeschätzt, änderte sich das allerdings mit den Kommunalwahlen vor fünf Jahren. Auf einmal wehte dem Investor Gegenwind ins Gesicht. In der neu zusammengesetzten Gemeindevertretung fand sich plötzlich keine Mehrheit mehr für das geplante Projekt.

Die Gegner sahen die Küstensilhouette durch das Café mit Turm neben dem Windrad beeinträchtigt. Außerdem sei der geplante Standort die einzige Möglichkeit weit und breit, im Notfall mit schwerer Technik über den einstigen Holzlagerplatz an den Strand zu gelangen. Ein gemauerter Turm sollte laut Vorstellungen der Kritiker der Café-Variante das Leuchtfeuer beherbergen. Das wiederum stieß auf Missfallen des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Befürworter dagegen sahen das Nein als Ausdruck berechtigter Furcht vor Konkurrenz im gastronomischen Bereich.

Die Schifffahrtsbehörde zog schließlich die Reißleine und zauberte einen eigenen Entwurf aus dem Hut. Das Leuchtfeuer sollte auf einem Trägermast in direkter Nachbarschaft zur Nebelstation gepflanzt werden. Allerdings erwies sich der Plan als kaum zu realisieren. Daraufhin rückte die Seebrücke in den Fokus. Dort sollte ursprünglich eine Zwischenlösung errichtet werden, die solange halten sollte, bis sich die Kommune für einen endgültigen Standort entschieden hat. Die jetzt verwirklichte Variante ist stabiler als erst geplant, lässt jedoch dem Ostseebad die Möglichkeit offen, sich doch noch auf eine andere Lösung zu einigen.

2008 Umrüstung auf LED-Technik
Am 1. März 1911 ging die einstige Nebelstation Wustrow ganz offiziell in Betrieb. Elektrischen Strom für den Betrieb des Seezeichens gab es dann allerdings erst ab 1922. Drei Jahre darauf begannen Planungen für eine Wechselvorrichtung. Nach Ausfall oder Defekt sollte ersatzweise eine Flüssiggas-Lichtquelle aufleuchten — und zwar automatisch. Ab 1978 konnte das Leuchtfeuer ferngesteuert betrieben werden. 2008 erfolgte dann die Umrüstung auf LED-Technik. Das Signal hat eine Tragweite von insgesamt 13 Seemeilen und damit etwas weniger als das alte Leuchtfeuer.
Der Ausbau des Leuchtfeuers aus der maroden Nebelstation war unproblematisch.“Jörg Kubus vom
Wartungstrupp des
Wasser- und Schifffahrtsamtes



Timo Richter

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