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Zahl der Gastro-Betriebe in Zingst sinkt

Zingst Zahl der Gastro-Betriebe in Zingst sinkt

Kurdirektor Peter Krüger will das schwindende Angebot mit Streetfood-Trucks ersetzen.

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Das Steakhaus und Cocktaillounge „Kontiki“ in der Seestraße ist einem Neubau mit Ferienwohnungen gewichen.

Quelle: Foto: Timo Richter

Zingst. Immer mehr Restaurants, Gaststätten und Kneipen schließen in Zingst. Das Thema ist inzwischen auch in der Kommunalpolitik angekommen. Nachgedacht wird darüber, ob mit den hippen Streetfood-Trucks wenigstens während der Hauptsaison eine Versorgungslücke in dem Seeheilbad geschlossen werden kann. Der Geschäftsführer der Kur- und Tourismusgesellschaft Zingst, Peter Krüger, würde einige der mobilen Restaurants am liebsten von Juli bis August in Zingst haben. „Noch befindet sich die Idee im politischen Findungsprozess, noch muss von einer Möglichkeit geredet werden.“

 

OZ-Bild

„Wenn Gaststätten schließen, ist das immer auch ein Schlag ins Kontor. Das „Kontiki“ beispielsweise fehlt an allen Ecken und Enden.Peter Krüger, Geschäftsführer Kur- und Tourismusgesellschaft Zingst

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Die Liste der geschlossenen gastronomischen Einrichtungen wird auch in Zingst lang und länger. Das „Aschers“ im Boddenweg ist geschlossen. Dort macht in wenigen Tagen ein Fitness-Center auf. In der Lokalität wurden in der Vergangenheit größere Partys gefeiert. Die Veranstaltungen sollen nun zum größten Teil im benachbarten „Bomigo“ stattfinden. Das „Kontiki“ in Seestraße existiert nicht mehr.

Das einstige Steakhaus und Cocktaillounge ist einem Neubau gewichen. Für Krüger ist das Aus des „Kontiki“ ein besonders schmerzlicher Verlust. Denn Gastronomie mit Cocktails und Musik biete Zingst nun praktisch gar nicht mehr. Eine Ausnahme stellt allein die Oyster-Bar im Hotel Vier Jahreszeiten dar. Dichtgemacht haben schon längst auch der „Anker“ in der Hafenstraße und die Pizzeria „La Vongola“ im Aparthotel Steigenberger oder der „Olle Zingster“. „Das sind alles Schläge ins Kontor.“

Nachfolge oft problematisch

Für das Aus von Gastro-Betrieben sieht Ingo Reichelt, stellvertretender Bürgermeister, nicht nur das Fehlen von Fachkräften, sondern auch Probleme bei der Nachfolgeregelung. Wenn beispielsweise Kinder einen Betrieb nicht weiterführen wollen, steht häufig ein Verkauf an. Angesichts der in Zingst zu erzielenden Preise ist das für viele das lohnendere Geschäft. „Die Gaststätten sind dann aber endgültig verloren“, sagt Ingo Reichelt. „Auf Dauer ist es für den Ort nicht so toll, wenn die Gäste vor vollen Restaurants und Kneipen stehen.“

Peter Krüger sieht in erster Linie eine „prekäre Personalsituation“ verantwortlich für das Aus von Gaststätten. Betroffen davon seien alle Betriebe. Selbst das Steigenberger könne nicht mehr alles machen, was sie wollten, so der Geschäftsführer der Kur- und Tourismusgesellschaft mit Blick auf das Schließen der Pizzeria im Aparthotel.

Für den Ort ist die Aufgabe von immer weiteren Kneipen und Restaurants nach Einschätzung Peter Krügers hart. Vor allem für Urlauber, aber auch Einheimische, die einfach mal einen Abend etwas trinken und Musik hören möchten, kämen in Zingst nicht mehr auf ihre Kosten. Dem Seeheilbad fehle eine Einrichtung in der Art des „Loev“ in Binz auf Rügen oder dem „Ursprung“ in Rostock.

Wichtige Infrastruktur

Immer mehr Gäste bei immer weniger Plätzen in Restaurants und Kneipen – eine funktionierende gastronomische Infrastruktur sei unabdingbar, betont Krüger. Vor allem vom späten Nachmittag bis in den Abend hinein, also etwa von 17.30 bis 21 Uhr, „ist der Druck am stärksten“. Die Urlauber wollten einfach auch mal ausgehen, trotz des Preisniveaus in Zingst, das sich im guten oberen Mittelfeld bewege. Aber ohne Vorbestellung ist in den Restaurants zu der Zeit kein Platz mehr zu bekommen, wenigstens nicht in Häusern mit guter Küche.

„Die Not macht Druck“, ist der Geschäftsführer des Zingster Tourismusbetriebes überzeugt. Darum sieht er auch gute Chancen, dass mithilfe der Streetfood-Trucks die Situation im Gastronomiesektor entspannt werden könne. Krüger hofft, dass rasch eine Klärung auf kommunalpolitischer Bühne erfolgen kann. Dass die Streetfood-Trucks bei Besuchern gut ankommen, hat zuletzt das Streetfood-Festival im IGA-Park in Rostock gezeigt. Auf reichlich Resonanz war in der Vergangenheit auch die Koch-Tour mit einigen Streetfood-Trucks unter den kritischen Augen zweier Fernseh-Köche gestoßen. Eine Folge für einen privaten Sender war auch in Zingst produziert worden.

Trend auch in anderen Orten

Das Sterben von Gaststätten ist auch in anderen Kommunen auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst angekommen. In Born beispielsweise sind nach Darstellung von Bürgermeister Gerd Scharmberg in den vergangenen fünf Jahren an die 20 Einrichtungen, darunter auch Bäcker, von der Bildfläche verschwunden, auch in Wieck ist die Zahl der Gaststätten in den vergangenen Jahren gesunken.

Um überhaupt noch Gäste betreuen zu können, suchen Gastronomen und Hoteliers ihr Personal zunehmend auch im Ausland. So arbeiten im Strandhotel Fischland in Dierhagen und im Dünenmeer im Dierhäger Ortsteil Neuhaus junge Menschen unter anderem aus Südeuropa. Hotelchefin Isolde Heinz war seinerzeit eine der ersten, die sich an einem europäischen Programm beteiligten.

Streetfood-Trucks sollen Angebot erweitern

17.30 Uhr bis 21 Uhr ist der Zeitraum, in dem der „Druck auf dem Kessel“ am stärksten ist, wie Peter Krüger sagt. Ohne Vorbestellung ist ein Tisch in Gastronomie mit guter Küche kaum noch zu bekommen.

2 Monate, im Juli und August, würde Peter Krüger das Problem am liebsten mit sogenannten Streetfood-Trucks lösen. Die Idee befindet sich derzeit in der politischen Findungsphase.

Timo Richter

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