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Fischland-Darss Zingster Forsthaus für 580000 Euro saniert
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Fischland-Darss Zingster Forsthaus für 580000 Euro saniert
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00:05 09.12.2017
Vor dem sanierten Forsthaus in der Zingster Schulstraße: BBL-Dezernatsleiter Holger Richter, Projektleiterin Carola Topp und Revierleiter Sebastian Berndt (v. l.). Quelle: Foto: Susann Retzlaff
Zingst

Ein paar Kleinigkeiten sind vor der Schlüsselübergabe noch zu richten, aber die Besichtigung seiner neuen alten Wohn- und Arbeitsräume im Zustand relativer Übergabereife macht Sebastian Berndt Hoffnung. Denn Weihnachten will der Revierleiter im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft mit seiner Familie wieder im landeseigenen Forsthaus verbringen.

1984 aus dem üblichen Materialmix in der Zingster Schulstraße errichtet, gehörte die damals rohrgedeckte Försterei bis zur politischen Wende zur staatlichen Jagdwirtschaft und wurde auch danach als forstliches Dienst- und Wohnhaus genutzt – bis vor vier Jahren, als Berndt auszog. „Arbeiten in dem Gebäude ging noch“, sagt er. „Aber leben konnten wir bei dem Schimmelbefall hier nicht mehr, schon gar nicht mit Baby.“

Tatsächlich war das Forsthaus total feucht. Eigentlich hätte man es abreißen und neu bauen müssen. Das allerdings verhinderte das aktuelle Baurecht. Denn teilweise im Außenbereich liegend, hätte man dort kein entsprechendes Gebäude mehr errichten dürfen, erklärte Christian Hoffmann, Sprecher des Betriebes für Bau und Liegenschaften (BBL) Mecklenburg-Vorpommern, die Zingster Satzungen.

Rund drei Jahre dauerte die Klärung rechtlicher Voraussetzungen, bis im Februar 2017 die Entscheidung für eine Grundinstandsetzung des Dienstgebäudes mit der Mietwohnung für den Revierförster fiel. Der BBL plante das Projekt, für das knapp 580000 Euro aus dem Landeshaushalt zur Verfügung gestellt worden sind. Die beteiligten Gewerke wie Schadstoffsanierung/Abbruch, Elektrotechnik, Dach, Fassade, Maurer- und Putzarbeiten, Trockenbau, Fußboden, Fliesenleger, Tischler, Estricharbeiten, Heizung und Außenanlagen kommen überwiegend aus der Region, mindestens aus Mecklenburg-Vorpommern, bestätigte Holger Richter, Dezernent Projektmanagement im BBL.

Die größte Herausforderung stellte sich gleich zu Beginn der Bauarbeiten Ende März. Um das alte Dach fachgerecht von Asbest zu befreien, musste das Gebäude komplett eingehaust werden, erläuterte Projektleiterin Carola Topp und schmunzelte: „Manche Zingster fürchteten schon, dass hier heimlich ein dreigeschossiges Haus gebaut würde.“ Anfang April war das cremefarben verputzte Gebäude vollständig hinter Gerüsten und unter Planen verschwunden. Mitte Mai war das Dach fertig. Dämmschichten wurden zwischen Wände gezogen, Mineralwolle statt Putz mit Lärchenverkleidung kaschiert.

Wildgans, Hirsch und Sonne – eine Darßtür erschließt das Innere des weitgehend entkernten Gebäudes, dessen Raumzuschnitt allerdings im Wesentlichen unverändert blieb.

Hoffmanns Lieblingsstück ist die neue Heizung, die, wie sollte es in einem Forsthaus anders sein, mit Holzspänen betrieben wird. Notfalls springt die Gaszufuhr an und betreibt den Holzvergaserkessel, damit die rund 180 Quadratmeter nicht auskühlen.

Knapp die Hälfte der Fläche nehmen die Diensträume mit gesichertem Waffenschrank, Dusche, Büro und Wirtschaftsraum ein, für die Wohnräume zahlt der Revierleiter Miete. Kosten für Sonderausstattung wie Kamin und Küche nimmt er auf die eigene Kappe, wie auch den Ausbau einer Terrasse. Pünktlich zum Nikolaustag war der Kamin eingebaut, die Tür passte, das Haus war beheizt und der Revierleiter fast eingezogen – Weihnachten kann kommen – jedenfalls ins neue alte Zingster Forsthaus.

Susanne Retzlaff

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