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Ribnitz-Damgarten „Förderschulen sind besser als ihr Ruf“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Förderschulen sind besser als ihr Ruf“
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05:16 03.12.2018
Hauswirtschaftsunterricht am Förderzentrum in Ribnitz. In der modernen Schulküche werden die Kinder auch auf einen möglichen Berufsweg in der Gastrobranche vorbereitet. Quelle: Mandy Hirsch
Ribnitz-Damgarten

Hilfsschule“, „Schule für Lernbehinderte“, „verhaltensoriginell“: Es ist auch eine Auseinandersetzung mit Begrifflichkeiten, die Schulen wie dem Förderzentrum Johann-Heinrich-Pestalozzi ein negatives Image verpassen. „Es gibt noch immer Vorbehalte. Aber Förderschulen sind besser als ihr Ruf“, sagt Ralph-Wilhelm Harnack, stellvertretender Schulleiter des Ribnitzer Förderzentrums. Der 59-Jährige warnt vor der Schließung von Förderschulen, so wie es die Landesregierung im Zuge der Inklusion plant. „Das ist nicht sinnvoll. Wir leisten einen wesentlichen Beitrag zur Inklusion.“

Es sei zwar für viele Eltern nicht leicht, zu erkennen, dass das eigene Kind an einer Regelschule nicht zurechtkommt. Noch schwieriger falle Eltern angesichts der Stigmatisierung von Förderschulen die Entscheidung, das eigene Kind auch dort anzumelden. „Aber es ist 100 Mal besser, ein Kind an einer Förderschule beschulen zu lassen, als es an einer Regelschule möglicherweise zum Schulabbrecher werden zu lassen“, sagt Harnack.

Und genau darin liege der wertvolle Beitrag zur Integration in die Gesellschaft. Aufgrund der Nähe des Lehrplans zur Lebenswirklichkeit steigen die Chancen dafür, dass die Mädchen und Jungen nach ihrer Schullaufbahn auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt einen Platz finden. Werkunterricht, Nadelarbeit, Hauswirtschaftsunterricht, diverse Praktika oder Schnupperunterricht im Bereich Kochen, Gartenbau oder im Servicebereich: „Die Kinder werden zielgerichtet auf den Beruf vorbereitet“, sagt Schulleiterin Jacqueline Dietzel.

Das Pestalozzi-Förderzentrum ist zudem Modellschule für das Landesprojekt Integrierte Berufsorientierung unter der Leitung der Universität Rostock. Zentraler Bestandteil dieses Projektes ist eine spezielle Potenzialanalyse, mit der ganz individuell die Stärken und Schwächen eines jeden Schülers ab Klasse sieben ermittelt werden. „Die Kinder werden dort abgeholt, wo sie leistungsmäßig stehen“, sagt Dietzel.

Das Johann-Heinrich-Pestalozzi-Förderzentrum in der Minsker Straße in Ribnitz. Quelle: Carolin Riemer

Derzeit besuchen circa 80 Mädchen und Jungen das Pestalozzi-Förderzentrum, die von 16 Lehrern unterrichtet werden. „Die individuelle Betreuung ist eine Herausforderung. Das bedeutet eine sehr differenzierte Vorbereitung auf einen sehr differenzierten Unterricht“, sagt Ralph-Wilhelm Harnack, „aber wir haben eine über das normale Maß hinaus engagierte Lehrerschaft.“

Wesentliches Merkmal des Förderzentrums ist, dass die Schüler ein freiwilliges zehntes Schuljahr absolvieren und damit die Berufsreife erlangen können. Die meisten Schüler wählen diesen Weg. Zwischen 90 und 95 Prozent eines Jahrgangs schaffen den Abschluss. „Wir überzeugen die Eltern mit unserem Konzept“, sagt Jacqueline Dietzel.

„Unser Sohn ist im Förderzentrum sehr gut aufgehoben“, sagt Elke Krausche. Die damalige Entscheidung, ihn von der Grundschule zu nehmen und in einer Förderschule anzumelden, sei nicht leicht gewesen. Doch schnell habe sich gezeigt, dass dies die bessere Wahl war. „In der Grundschule ist er untergegangen. Schon in der ersten Woche auf der Förderschule kam er jeden Tag freudestrahlend nach Hause“, erinnert sich die 36-Jährige, die vor einem Jahr nach Marlow zog. Zuvor besuchte ihr Sohn eine Förderschule in Bad Doberan. „Diese Schulen müssen erhalten bleiben“, sagt Krausche. Regelschulen können ihrer Meinung nach die Kinder mit besonderem Förderbedarf nicht auffangen. Mittlerweile besucht ihr Sohn die neunte Klasse und strebe auch die Berufsreife nach der zehnten Klasse an. „Das schafft er auch. Die Noten sind sehr gut.“

Wichtig sei aber auch, dass sich die Eltern der Mädchen und Jungen im Schulleben einbringen. Deshalb hat Elke Krausche vor Beginn des aktuellen Schuljahres auch den Vorsitz des Schulfördervereins übernommen. „Für die Schule ist der Verein extrem wichtig“, so die 36-Jährige, die weitere Eltern animieren möchte, sich zu engagieren. Der Verein sammelt Spenden für Neuanschaffungen oder auch, um Ausflüge zu unterstützen.

„Es ist toll, dass wir jetzt durch die OZ-Weihnachtsaktion unterstützt werden“, sagt Krausche. Mit den gesammelten Spenden der Aktion „Helfen bringt Freude“ soll eine neue Schulbibliothek eingerichtet werden. So soll der Bücherbestand der bisherigen Bibliothek erweitert werden. Dafür werden unter anderem auch neue Regal benötigt.

So können Sie Spenden

Die OZ-Lokalredaktion Ribnitz-Damgarten sammelt anlässlich der Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ für die Förderschulen der Region, genauer gesagt für die Fördervereine der Schulen. Da die OZ selbst keine Spenden annehmen darf, ist einer der drei Vereine Träger des Spendenkontos, und zwar der Förderverein des Pestalozzi-Förderzentrums Ribnitz. Das Geld wird aber am Ende der Aktion zu gleichen Teilen auf alle drei Vereine aufgeteilt.

Sie möchten spenden? Dann kommen Sie einfach ins Service-Center in Ribnitz in der Langen Straße 43/45. Dort steht eine Spendenbox bereit. Eine weitere Spendenbox steht bei der Pflanzenschule Schauer und Lindner in Wiepkenhagen.

Am einfachsten können Sie per Überweisung spenden. Die Namen der Spender werden in der OZ veröffentlicht. Sollten Sie das nicht wünschen, bitte im Verwendungszweck vermerken.

Das Konto

Empfänger: Förderverein der J.-H.-Pestalozzi-Schule Ribnitz e.V.

IBAN: DE93 1505 0500 0000 2226 66

Verwendungszweck: OZ-Weihnachtsaktion

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Robert Niemeyer

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