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Ribnitz-Damgarten Freudentränen beim Treffen im Velgaster Fachgymnasium
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Freudentränen beim Treffen im Velgaster Fachgymnasium
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00:00 11.03.2013
Eckart Roggow (vorn) aus Lubmin, der in Velgast vor 50 Jahren seine Ausbildung absolvierte, entdeckte sich in der Ausstellung wieder. Quelle: vs
Velgast

Beim ganzen Trubel, der während des Traditionstreffens „60 Jahre Fachgymnasium und Fachoberschule Velgast“ herrschte, hatte Schulleiterin Dörte Schulze glatt vergessen, weshalb die erwartungsvolle Menge auf dem Schulgelände eigentlich vor ihr stand. Sie wollte sich nach den Grußansprachen schon zurückziehen, als ihr der immer noch verhüllte Gedenkstein in den Blick geriet. Schnell wurde das Versäumte unter dem Applaus hunderter Ehemaliger nachgeholt.

Dörte Schulze, Schulleiterin der Beruflichen Schule des Landkreises und damit auch des Fachgymnasiums, war am Sonnabendnachmittag nicht die Einzige, die mal eine kleine Pause brauchte. Auch Hauptorganisator Martin Mählmann machte sich für einige Minuten rar, um mit Stunden Verspätung wenigstens zu einem kleinen Imbiss zu kommen.

In den Korridoren des Schulgebäudes stauten sich die Menschenmassen, weil das Außengelände bei kaltem, unangenehmem Wind nicht gerade zum Verweilen einlud. Doch hinter dem vermeintlichen Chaos der Großveranstaltung steckte eine detaillierte Planung und perfekte Organisation, wie die etwa 1000 Gäste schnell feststellen konnten. Darin waren sowohl die Lehrer als auch die heutigen Schüler eingebunden. Unter anderem wiesen sie den Absolventen jahrgangsgebundene Klassenräume zu, in denen sie sich ungestört an lang zurückliegende Erlebnisse erinnern konnten. Immer wieder wurden Neuankömmlinge von bereits anwesenden Klassenkameraden begrüßt und umarmt, manche hatten sich bereits vor Jahrzehnten aus den Augen verloren.

Hauptattraktion des Nachmittags war eine Ausstellung mit Fotos und Archivmaterialien aus der 60-jährigen Schulgeschichte. Hier entdeckte sich der 70-jährige Eckart Roggow aus Lubmin wieder, der in Velgast vor mehr als 50 Jahren seine Ausbildung zum Rinderzüchter mit Abitur absolviert hatte. Nach einem anschließenden Studium wurde er Berufsschullehrer, war später aber im KKW Lubmin tätig. „Ich bin heute zum ersten Mal wieder hier, die Erinnerungen sind allgegenwärtig. Von meinen damaligen vier Zimmerkameraden sind zwei nicht mehr am Leben“, bedauerte er, „aus der ehemaligen Klasse sind wir heute zu sechst.“ Man wolle nach diesem Wiedersehen nun auch ein eigenes Klassentreffen organisieren.

„Es war kein Fehler, alle Jahrgänge gleichzeitig einzuladen, denn allein schon das Aufeinandertreffen von Alt und Jung ist ein Erlebnis“, versicherte Schulleiterin Schulze. Sie erzählte, an diesem Tag sehr viele Freudentränen gesehen zu haben.

Martin Mählmann, beauftragter Abteilungsleiter für die Velgaster Bildungseinrichtung, hatte die ersten Kontakte zu Ehemaligen bereits vor zwei Jahren über Facebook geknüpft und sofort 30 Rückantworten erhalten. „Allein seit der Wende verließen jährlich etwa 100 Absolventen das Fachgymnasium und die Fachoberschule. Wie viel es in den Jahren davor waren, weiß niemand. Mit so einem Echo hatte ich aber in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet“, versicherte er.

Dabei habe er die gesamte Kommunikation nicht auf postalischem Weg, sondern nur über die neuen Medien abgewickelt. „In den letzten Tagen vor dem Meldeschluss erhielt ich täglich bis zu 100 E-Mails und 100 Überweisungen für den Absolventenball.“

Der festliche Abend fand mit fast 650 Gästen am Samstagabend in der Trinwillershägener Gaststätte „Zu den Linden“ statt.

Mit so einem Echo hatte ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet.“Martin Mählmann, beauftragter

Abteilungsleiter für die Velgaster

Bildungseinrichtung

Volker Stephan