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Ribnitz-Damgarten Friseure stehen Mindestlohn gespalten gegenüber
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Friseure stehen Mindestlohn gespalten gegenüber
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04:29 12.07.2013
Katrin Frenzel (36), Chefin des Ribnitzer Salons „Schnittstelle Wiese“ schneidet Siegfried Ahrens (52) die Haare. Quelle: Fotos: Anika Hoepken (1)/Henriette Krull (3)
Ribnitz-Damgarten

Für einen Haarschnitt müssen Kunden vielleicht schon bald tiefer in die Tasche greifen. Bis 2015 soll deutschlandweit schrittweise ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde eingeführt werden.

„Bisher laufen die Verhandlungen. Es gibt noch keine konkreten Ergebnisse“, berichtet Gabriela Glävke-Münkwitz, Obermeisterin der Friseur-Innung Rostock-Bad Doberan. Geplant war ursprünglich bereits zum 1. August im Osten einen Mindestlohn von 6,50 Euro einzuführen. Nach dem derzeitigen Stand wären allerdings nur gewerkschaftlich organisierte Innungsbetriebe betroffen sowie einige große Friseur-Ketten, die den Vertrag ebenfalls unterschrieben haben.

Katrin Biering, Inhaberin zweier Salons in Ribnitz-Damgarten, steht dem Thema Mindestlohn skeptisch gegenüber. Sie befürchtet, dass die Einführung gerade bei kleineren Salons zu Kündigungen von Mitarbeitern führen kann. „Die Nebenkosten, Strom und Wasser, steigen ja auch immer mehr. Und ich kann doch auch nicht von meinen Kunden verlangen, dass sie plötzlich für ihren Haarschnitt viel mehr bezahlen.“ Sie habe von vielen angestellten Friseurinnen gehört, der verunsichert sind und nun Angst vor einer Entlassung haben.

Katrin Frenzel (36), Chefin des Ribnitzer Friseursalons „Schnittstelle Wiese“, ist der Meinung, das nur ein allgemeingültiger Mindestlohn gerecht wäre. „Es müssen alle mitziehen. Sonst funktioniert das nicht. Es ist ein Unding, dass einige Friseurinnen zum Arbeitsamt gehen müssen, weil sie nicht genug verdienen.“

Dass Problem sei allerdings, dass viele Kunden nicht bereit seien, für den Haarschnitt einen angemessenen Preis zu bezahlen. Sie würden lieber zu einem günstigen Friseur gehen. „Aus dem Preisdumping entsteht dann natürlich auch automatisch Lohndumping“, erklärt Frenzel und ihre Mitarbeiterin Andrea Schreiber (29) fügt hinzu: „Es kann doch nicht sein, dass man arbeiten geht und trotzdem nicht genug Geld zum Leben hat. Aber das Problem gibt es ja leider nicht nur in unserer Branche.“ Ihre Chefin Katrin Frenzel, die nicht in der Friseur-Innung ist, zahle aber schon jetzt über dem geplanten Mindestlohn. „Qualität muss schließlich auch gut bezahlt werden“, sagt die 36-Jährige.

Auch die Friseur-Innung strebe eine Allgemeinverbindlichkeit an. „Unser Ziel ist es aber, dass der Mindestlohn für alle Betriebe gilt“, erklärt die Obermeisterin. Dafür müssten allerdings über 50

Prozent der Friseur-Salons den Vertrag unterschreiben.

Den Mindestlohn hatte die Gewerkschaft Verdi mit der Tarifgemeinschaft des Zentralverbandes des deutschen Friseurhandwerkes (ZV) ausgehandelt. Auch der Landesinnungsverband des Friseurhandwerks Mecklenburg-Vorpommern war dem Mindestentgelt-Tarifvertrag beigetreten.

Anika Hoepken