Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ribnitz-Damgarten Furcht vor Abbrüchen an Steiküste von Fischland-Darß-Zingst
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Furcht vor Abbrüchen an Steiküste von Fischland-Darß-Zingst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:16 11.03.2018
In Höhe der letzten Buhne nahe der Reste der alten Radarstation haben herabstürzende Sandmassen eine Wustrower Seniorin in die Ostsee geschleudert. Quelle: Timo Richter
Anzeige
Ahrenshoop

Jenen 7. Januar dieses Jahres wird die Wustrowerin so schnell nicht vergessen. Gut zwei Monate ist es her, da haben abbrechende Sandmassen vom Hochufer zwischen Wustrow und Ahrenshoop die 65-Jährige in die Ostsee geschleudert. Die Seniorin hat Todesängste ausgestanden. Passiert ist der Frau nichts, nur ein riesengroßer blauer Fleck hat sie noch lange an das Unglück erinnert.

Etliche Abbrüche seit Jahresbeginn

Für den Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Hohes Ufer Ahrenshoop, Jörn Reiche, unterstreicht der Vorfall, wie dringend Maßnahmen zum Schutz des Steilufers in dem Bereich sind. Vor allem in jüngerer Vergangenheit sind auf dem gut zwei Kilometer langen Abschnitt etliche Abbrüche zu verzeichnen. Nur eine Konsequenz ist, dass die sogenannte Saisontreppe im Ahrenshooper Ortsteil Niehagen in diesem Jahr nicht wieder aufgebaut werden kann. Die Treppe vom Strand auf den Hochuferweg hat Urlaubern einen Rundweg eröffnet. Doch aufgrund der jüngsten Abbrüche würden die Spaziergänger den Fuß der Treppe gar nicht mehr erreichen.

Warnschild fehlt

An jenem schönen Januartag ist das Ehepaar aus Wustrow zu einem Spaziergang am Strand entlang des Hochufers aufgebrochen. Donnerkeile wollen sie suchen, und hoffen auch auf den Fund prähistorischer Abdrücke auf Steinen. Ein Schild, das zuletzt auf die Gefahren unterhalb der Steilküste hingewiesen hat, habe nicht mehr am Strand gestanden.

Viele Menschen unterwegs

Mehr schlecht als recht steigen die Eheleute über die Steine am Ufer des Hochufers. Etliche andere Spaziergänger sind an dem Tag ebenfalls in dem Bereich zwischen Wustrow und Ahrenshoop unterwegs. Sie sieht viele Menschen, die Spuren am Strand dokumentieren die hohe Besucherzahl des Abschnitts. Dass gerade sie als Kennerin der Gefahr selbst betroffen sei, sei ihr peinlich, sodass sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Skeptische Blicke

Immer wieder richten die Senioren skeptische Blicke nach oben. Dort, sagt dann der 69-Jährige, die Stelle des Kliffs sehe aus, als werde sie nicht mehr lange oben sein. Kaum ausgesprochen, rauschen die Sandmassen auch schon in die Tiefe. „Ich habe nur einen Knall gehört“, erinnert sich die Wustrowerin. Und ein nicht enden wollendes Rauschen. Die Wucht der herabstürzenden Massen haben sie dann in die Ostsee geschleudert. „Bis zum Hals saß ich im Wasser“, so die Seniorin aus der Fischlandkommune. Ihr Mann war während des Spaziergangs einige Meter zurückgeblieben. An dem ist der ganze Sand vorbeigerauscht.

Spaziergänger sahen Frau im Wasser

Voller Angst beginnt ihr Mann, in dem Sand zu graben. „Er fürchtete, dass ich verschüttet wurde“, sagt die Wustrowerin. Erst andere Spaziergänger hätten ihren Mann auf sie, im Wasser sitzend, hingewiesen. Die Seniorin konnte aufstehen, zusammen mit ihrem Mann lief sie die Strecke bis zum Auto zurück. Das Erlebnis hat sich bei der Seniorin in die Erinnerungen eingebrannt.

Interessengemeinschaft warnt

Vor solchen Unglücken warnt die Interessengemeinschaft Hohes Ufer seit einigen Jahren. Derweil unterstützen mehr als 330 Mitglieder das Ziel, einen wirksamen Küstenschutz für den Bereich zu organisieren – notfalls auch auf eigene Rechnung. Das Land, so die Kritik Reiches und seiner Mitstreiter, fühle sich für Küstenschutz in dem Abschnitt nicht verantwortlich. Grund ist eine fehlende Bebauung, die durch weitere Abbrüche gefährdet werden könnte. Reiche sieht das ganz anders. Er fürchtet nicht nur das Verschwinden seiner Heimat, sondern sieht auch die Gefahr, dass infolge weiterer Abbrüche die bebauten Gebiete von Ahrenshoop in Alt- und Niehagen bedroht seien. Und nicht zuletzt sei das Hochufer auch eine touristische Attraktion.

Wellenbrecher favorisiert

Mit Spendengeld und bestenfalls einer Finanzspritze der öffentlichen Hand will die Interessengemeinschaft den Küstenschutz in dem Bereich selbst organisieren. Nachdem erst der Bau von knapp einem Dutzend an die 100 Meter langer Buhnen vorgesehen war, wird seitens der Planer nun das Aufschichten von fünf jeweils rund 150 Meter langen Wellenbrechen favorisiert. Die Kosten dafür betragen ersten Berechnungen zufolge rund 5,5 Millionen Euro.

Küstenlinie hat sich verändert

Dass in dem Bereich unbedingt etwas passieren muss, davon ist auch die Wustrowerin überzeugt. Sie kenne noch den Küstenverlauf vor vielen Jahren. Damals konnte sie noch vor der Radarstation entlangrennen. Heute steht auch das letzte Teil der Anlage sozusagen auf der Kippe. Und: Eigenen Beobachtungen zufolge hätten sich die Abbrüche beschleunigt. So ist beispielsweise von der Wustrower Seebrücke aus deutliche die Herausbildung einer kleinen Bucht im Verlauf der Küstenlinie zu erkennen. Laut der Interessengemeinschaft begünstige das eine weitere Beschleunigung bei den Abbrüchen.

Timo Richter

Marlowerinnen weichen nach Bentwisch aus.

09.03.2018

Messe „Bauen & Sanieren - Eigenheim“ eröffnet in Rostock +++ Palliativtag: Experten beraten über Versorgung von Sterbenden +++ Festspielfrühling startet auf Rügen +++ Zahnärzte beantworten Leserfragen +++ Stargeiger bei Auftakt zu Kammermusiktagen

09.03.2018

Drei Handball-Duelle werden in Ribnitz ausgetragen

09.03.2018
Anzeige