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Ribnitz-Damgarten Geschichte eines verschollenen Schatzes
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Geschichte eines verschollenen Schatzes
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00:00 08.06.2017
Barth

Viele Jahre lang kursierte ein Gerücht unter den Barther Bewohnern: Das Stadtsilber, so hieß es, sei einst von den Ribnitzern gestohlen worden und läge nun gut versteckt im Ribnitzer Bernsteinmuseum.

Museumsmitarbeiter Jörn Ottlewski (49) präsentiert die seltenen Stücke, die am Freitag erstmals ausgestellt werden. Quelle: Foto: Robert Niemeyer

Ein Geheimnis, dem der damalige Bürgermeister Mathias Löttge (59) nur zu gern auf die Spur ging. Vor 20 Jahren nahm er Kontakt zu Ulf Erichson, dem damaligen Leiter im Bernsteinmuseum, auf und erzählte ihm von den Gerüchten. Es war eine der ersten Amtshandlungen Löttges – und noch dazu eine überaus erfolgreiche. Ein Fünkchen Wahrheit steckt bekanntlich in jedem Gerücht.

Mathias Löttge erfuhr, dass sich zwar kein großer Silberschatz in Obhut des Ribnitzer Museums befand, wohl aber das zum Teil fast 250 Jahre alte Barther Schützensilber. „Seit Ende der 50er oder 60er Jahre lag es dort gut aufbewahrt in einem Kellerraum des Museums“, erzählt Löttge. Ausgestellt wurde es bis dato nicht.

In den Wirren der Nachkriegszeit, als das Barther Museum aufgelöst wurde, sei es vermutlich nach Ribnitz gelangt, vermutet Mathias Löttge. So genau weiß das heute niemand mehr. „Ein Glück für uns, denn viele andere Exponate unseres städtischen Museums sind bis heute verschollen. In Ribnitz lag das Schützensilber sicher und Ulf Erichson zögerte keine Sekunde lang, es uns zurückzugeben.“

Um die Überraschung für die „Bürger-Schützen-Kompanie zu Barth“ perfekt zu machen, behielt Löttge das gelöste Geheimnis zunächst für sich. Erst am 14. August 1997 um 19 Uhr, eine Festveranstaltung war gerade vorüber, überreichte er das Silber der Vorväter den überraschten Schützenbrüdern. „Ein Tag, der den Vereinsmitgliedern sicher lange Zeit im Gedächtnis blieb“, sagt Schriftführer Steffen Meissner (35). Die Sensation war perfekt. Das Schützensilber besteht aus zwei Schützenketten, zwei Ritterschärpen und diversen Pokalen, Bechern und Leuchten. Dazu kommen noch zwei Behälter mit Losnummern.

In der Barther Schützenchronik von Karl Pirl ist zu lesen, dass nur Uhrmacher Willi Lüdke, der am 12. Februar 1968 in Barth verstarb, wusste, wo das Schützensilber abgeblieben war. Er selbst habe es am 13. Juli 1965 im Ribnitzer Museum abgegeben. Und dort geriet es dann langsam aber sicher in einem Kellerraum in Vergessenheit bis Mathias Löttge den Kontakt zu Ulf Erichson herstellte.

Löttge, der von 1997 bis 2006 das Amt des Bürgermeisters bekleidete, erinnert sich gern an diese Geschichte: „Es gab immer einen Wettbewerb zwischen Barth und Ribnitz. Als wir dann aber aufdeckten, dass die Mitarbeiter des Bernsteinmuseums nicht nur das Silber gut aufbewahrten, sondern auch sofort bereit waren, es zurückzugeben, war dieser Wettbewerb zwischen den beiden Städten befriedet.“

Nun wird es morgen erstmals im Barther Vineta-Museum öffentlich ausgestellt. „Um 11 Uhr werden zwei Mitglieder des Schützenvereins zur Eröffnung der Ausstellung anwesend sein und dem Museum leihweise noch andere Gegenstände aus dem Vereinsleben übergeben“, informiert Meissner, der sich seit Kurzem um die Pressearbeit des Vereins kümmert. Für Mathias Löttge bleibt trotz der schönen Geschichte um den verlorenen Schatz ein Wermutstropfen: Die anderen verlorenen Ausstellungsstücke aus dem städtischen Museum sind bis heute nicht aufgetaucht. Umso mehr freut er sich, dass er das Schützensilber wieder nach Hause bringen konnte.

Der Leiter des Vineta-Museums, Dr. Gerd Albrecht, der zahllose Protokolle auf der Suche nach den verschollenen Exponaten studierte, möchte zwar „kein Öl ins Feuer gießen“, doch er erfuhr, dass die beiden damaligen Kreisstädte Stralsund und Ribnitz-Damgarten noch heute einige Barther Schätze in ihrem Bestand haben müssen. „Weil sich das Barther Museum eben leider im Zweiten Weltkrieg auflöste und die Städte die Exponate übernahmen. Aber diese Geschichten lassen wir lieber ruhen“, sagt der lachende Museumschef, der das Barther Schützensilber als „wunderschön und wirklich wertvoll“

bezeichnet.

Ausstellung soll auf das Schützenfest einstimmen

Die Bürger-Schützen-Kompanie zu Barth ist einer der ältesten Schützenvereine im Norden. Dementsprechend alt ist auch das Schützensilber, das aus Pokalen, Bechern, Schützensternen und Ritterschärpen besteht.

Das älteste Stück ist ein Schützenstern aus dem Jahr 1793, den Ratsherr Lönnies gewann. Lönnies wurde am 8. Januar 1769 in Tribsees geboren, besuchte die Stadtschule, wurde Kaufmann, gewann 1792 das Bürgerrecht in Barth und ließ sich hier nieder. 1796 wurde er Mitrepräsentant der Bürgerschaft, 1805 Ratsmitglied und seit dem 17. August 1808 war er Kammerar.

Die Ausstellung im Barther Vineta-Museum wird am morgigen Freitag um 11 Uhr eröffnet. Es ist das erste Mal, dass das Barther Schützensilber der Öffentlichkeit präsentiert wird und soll die Barther schon einmal auf das traditionelle Schützenfest am 8. Juli – es beginnt um 10 Uhr – einstimmen.

Carolin Riemer

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