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Ribnitz-Damgarten Gut Klockenhagen jetzt 100 Prozent bio
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Gut Klockenhagen jetzt 100 Prozent bio
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04:09 27.11.2018
Ralf Schneider, Chef des Gutes Klockenhagen, in einem der vier neuen Ferkelställe, die derzeit für mehr als 1,6 Millionen Euro gebaut werden. Quelle: Robert Niemeyer
Klockenhagen

Eine Rückkehr zum Ursprung und das Ende schwieriger Jahre: Das Gut Klockenhagen hat seine Acker-Flächen vollständig auf rein ökologischen Anbau umgestellt. Zum 15. Oktober wurden die letzten 600 Hektar Ackerfläche des Betriebes, die bis dato noch konventionell bewirtschaftet worden sind, als ökologische Anbaufläche bei der zuständigen Fachgesellschaft Biokontrolle und dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) angemeldet. Damit ist das Gut Klockenhagen ein reiner Bio-Betrieb. Wieder.

In den vergangenen Jahren stand das Gut in Klockenhagen diverse Male im Mittelpunkt öffentlicher Kritik. Der Grund war der Einsatz des Pflanzenvernichtungsmittels Glyphosat, das als krebserregend gilt. Die Politik forderte unter anderem, dass die Stadtverwaltung Ribnitz-Damgarten den Einsatz von Glyphosat bei der Neuverpachtung von Ackerflächen vertraglich verbietet. Rund 800 Hektar städtisches Ackerland hat das Gut Klockenhagen gepachtet. Die Verträge laufen 2020 aus.

„Das hat mich tief getroffen“, sagt Ralf Schneider, Chef des Gutes Klockenhagen, rückblickend zu der immer wiederkehrenden Kritik. Denn es sei nie Ziel gewesen, dauerhaft Glyphosat oder andere chemische Mittel zu verwenden.

Denn das Gut sei bereits im Ursprung ökologisch gewesen. 1992 hatten Schneider und weitere Partner die Tierhaltung des zerschlagenen, ehemaligen Volkseigenen Betriebes (VEB) übernommen. Bereits 1994 wurde der Hof laut Schneider komplett biologisch betrieben. „Uns braucht keiner bio erklären“, sagt der 47-Jährige. Und es sei auch nicht Ziel gewesen, mit dem Einsatz von Glyphosat ab 2013 den höchstmöglichen Ertrag zu erwirtschaften. „Die Entscheidung fiel 2011. Es waren schwierige Jahre“, sagt Schneider. Gesunkene Preise, weniger Ernteerträge, Bodenerosion: „Um die Durststrecke zu überbrücken und sicherzustellen, dass wir die Viehzucht mit 100 Prozent Bio erhalten können, sahen wir uns seinerzeit gezwungen, einen Teil unserer Getreideanbauflächen vorübergehend konventionell zu bewirtschaften.“ Und Glyphosat war vor sieben Jahren noch als das umweltverträglichste Mittel angepriesen worden. Erst im Laufe der Jahre wuchsen die Erkenntnisse zu den Gefahren des Stoffes. Und damit wuchs auch die Kritik.

Doch mit der vorübergehenden Teilumstellung sei Zeit gewonnen worden, um das Betriebskonzept zu überarbeiten und vor allem wichtige Investitionen zu tätigen, um den Betrieb 100-prozentig ökologisch weiterführen zu können . „Bio war immer alternativlos für uns“, sagt Schneider, „Leider konnten wir das nie wirklich vermitteln.“ Ein Grund, warum der Betrieb nun stärker in die Öffentlichkeit treten werde, unter anderem auch Schulen besucht, um das Gut und dessen Arbeit vorzustellen.

Moderne Technik, Qualifikation der Arbeitskräfte und nicht zuletzt bauliche Veränderungen seien in den Jahren nach 2013 notwendig gewesen, um irgendwann wieder das ökologische Konzept umzusetzen. „Man muss sich konzeptionell voll auf den Bio-Gedanken einlassen“, so Schneider. Zuletzt wurden die Sauenställe vergrößert. Derzeit werden auf einer Fläche von rund 1900 Quadratmetern vier Ferkelställe für 2000 Ferkel und ein Jungsauenstall für 80 Tiere nach den aktuellsten Erkenntnissen der biologischen Haltung gebaut. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich hier auf mehr als drei Millionen Euro. Abzüglich der Förderung steckt der Betrieb selbst davon 2,8 Millionen Euro in den Um- bzw. Neubau. Weitere Investitionen sollen Folgen.

20 Prozent der Ackerflächen waren ab 2013 konventionell betrieben worden. Bereits ab 2016 wurden erste Flächen wieder in ökologische Flächen umgewandelt. Schneider sieht in diesem Weg die Zukunft für den Betrieb, der damit eine Nische in der Region besetze. „Der Biomarkt hat sich außerdem positiv entwickelt“, sagt Schneider. Die Förderung jedenfalls rechne sich nicht. 200 Euro pro Jahr erhält der Betrieb pro Hektar ökologischer Anbaufläche an Subventionen. Damit werde die Differenz zwischen dem Ertrag, der mit einer konventionellen Bewirtschaftung erreicht werde, längst nicht ausgeglichen.

Doch Schneider will mit dem Weg vor allem die Zukunft des Betriebes sichern. „Die Investitionen müssen meinen Nachfolgern eine wirtschaftliche Basis bieten“, sagt der gebürtige Allgäuer. Das ökologische Konzept, so wie es jetzt umgesetzt wird, sei jedenfalls unumkehrbar.

2500 Hektar Ackerfläche

Vor knapp 25 Jahren wurde das Gut Klockenhagen gegründet und war von Anfang an als reiner Bio-Hof für Viehzucht und Getreideanbau konzipiert. 2500 Hektar Acker- und Grünfläche bewirtschaftet der Hof. Zu den wirtschaftlichen Standbeinen gehört die Rinderzucht, die Schweinezucht und der Anbau von Weizen, Mais, Raps, Gerste und Roggen als Futter für die Tiere. Der Hof hält mehr als 2400 Rinder, davon 850 Mutterkühe. Hinzu kommen 450 Sauen sowie deren Nachwuchs. 30 Mitarbeiter sind auf dem Gut Klockenhagen beschäftigt, davon drei Lehrlinge.

Robert Niemeyer

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