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Ribnitz-Damgarten Hilfe ohne Umweg: Marlowerin geehrt
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Hilfe ohne Umweg: Marlowerin geehrt
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17:46 25.11.2018
Die Container füllen sich: Hans-Dieter Druckrey, Mirko Ohm, Sabine Druckrey, Sabine Nickel und Ralph-Udo Nickel (v.l.) sammeln schon für den nächsten Hilfstransport in die verseuchte weißrussische Region. Quelle: Moritz Naumann
Marlow

Für Sabine Druckrey kam die Einladung der Ministerpräsidentin in das Schweriner Schloss sehr überraschend. „Es war festlich und sie hat sich Zeit genommen, jeden begrüßt. Am Ende hatten wir sogar ein kleines Gespräch, alles locker und freundlich.“ Sabine Druckrey ist die Vorsitzende des Vereins „Ferien für Kinder von Tschernobyl“ und hat für ihr Engagement den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland erhalten. „Das ist eine Anerkennung für den Verein, nicht für mich persönlich“, sagt Druckrey. Die OZ hat sich mit den Vereinsmitgliedern zusammengesetzt und über die Erfahrungen der letzten 28 Jahre Vereinsarbeit gesprochen.

„Ich weiß es nicht. Wir haben das Ereignis in der DDR ja erst eine Woche später mitbekommen“, sagt Sabine Druckrey auf die Frage, wo sie war, als sie von der Tschernobyl-Katastrophe gehört hat. Am 26. April 1986 kommt es im Zuge einer Stromausfall-Simulation im Kernkraftwerk Tschernobyl, nahe der ukrainischen Stadt Prypjat, zu einer Explosion im Reaktor. Zahlreiche Gebiete rund um den Unglücksort sind bis heute kontaminiert und nicht bewohnbar. Vor allem Gebiete im Süden Weißrusslands sind stark betroffen. Denn die radioaktive Wolke zieht mit dem Ostwind innerhalb weniger Tage Richtung Skandinavien und erstreckt sich später auch über große Teile Mitteleuropas. „Vom Russen zu lernen hieß ja Siegen lernen“, sagt Mirko Ohm, der ähnlich wie Sabine Druckrey die Auswirkungen dieser Katastrophe in der DDR kaum zu erfassen vermochte.

Seit 1990 engagieren sich die Vereinsmitglieder um die Vorsitzende Sabine Druckrey für die Menschen in Tschernobyl.

Pro Kind eine Plastiktüte

Erst als nach der Wende Ursula Timm einen Ferienaufenthalt für weißrussische Kinder organisiert, werden viele im Ort auf die katastrophalen Auswirkungen des Ereignisses aufmerksam. „Wir haben für ein Wochenende als Gastfamilie Kinder aufgenommen. Die kamen für die vier Wochen lediglich mit einer Plastiktüte Sachen“, sagt Sabine Druckrey. Der Besuch lässt viele Marlower Gastfamilien nicht kalt. „Das hat uns verändert“, sagt Vereinsmitglied Ralph-Udo Nickel. Sie sammeln für Klamotten, Schulsachen und andere Gegenstände. „Am Ende hatte jedes der Kinder nicht mehr nur eine Tüte, sondern zwei große Gepäckstücke, mit denen sie hätten abreisen können“, sagt Nickel. Da die Kinder die Rückreise mit Bus und Bahn antraten, war es ihnen jedoch unmöglich, all das mit in die Heimat zu bringen. „Peter Köhler versprach mit seinem Fuhrpark den Kindern dann, die Sachen nachzubringen. Wir schlossen uns an, wussten aber nicht, was es wirklich bedeutet solch eine Reise anzutreten.“

Kurz nach der Wende entschieden an den Grenzen Europas noch Formulare und der Zoll darüber, wie und ob man seinen Bestimmungsort erreicht. „Gefühlt haben wir 786 Stempel benötigt“, sagt Mirko Ohm. Beim ersten Mal sind die Transporter, mit denen die Marlower Gemeinschaft startet, noch 36 Stunden unterwegs. Erstmals in der weißrussischen Region angekommen wird schnell deutlich: „Die Infrastruktur war ärmlich. Die Leute hatten kein fließend Wasser und lebten in provisorischen Blockhütten, die im Winter nur durch das Feuer der Küche gewärmt wurden“, sagt Ralph-Udo Nickel. Doch die Einheimischen sind gastfreundlich und dankbar. „Wir sind eine Woche dort geblieben und kamen bis heute immer wieder“, sagt Hans-Dieter Druckrey.

28 Jahre Professionalisierung

Mit den Jahren professionalisierten sich die Abläufe. Heute sitzt der Verein auf dem Gelände der Marlower Möbel GmbH in einem fensterlosen Containergebäude. Die Räume und Gänge sind zum Teil bis zur Decke gefüllt mit Klamotten, Schulsachen oder Rollstühlen – Spenden, die den Menschen in der radioaktiv kontaminierten Region den Alltag erleichtern sollen. Am 25. Mai 2019 startet der nächste Hilfstransport in die Region. Was der Verein bis dahin noch gebrauchen kann? „ Neben Geldspenden können wir noch Schulmaterialien, gebrauchte Fußballschuhe, Rollstühle, Rollatoren und Pflegebetten gebrauchen“, sagt Sabine Druckrey. Nach einem Besuch in einem weißrussischen Pflegeheim wird nämlich auch an die alte Generation gedacht. „Die Bedingungen dort erinnerten mich an ein altes Lazarett. Da blieb kein Auge trocken“, sagt Ralph-Udo Nickel.

Auch wenn man mittlerweile eine Spedition für den Transport beauftragt, lassen sich die Vereinsmitglieder die Reise nicht nehmen. „Es sind dort Verbindungen, ja Freundschaften entstanden. Es ist diese einfache und ehrliche Dankbarkeit, das Gefühl etwas zu bewegen, dass uns immer wieder zurück bringt“, sagt Hans-Dieter Druckrey. „Nur jedes fünfte Kind kommt dort gesund zur Welt“, sagt seine von Schwesig ausgezeichnete Ehefrau Sabine. Auch wenn die Auswirkungen der Reaktor-Katastrophe nicht mit bloßem Auge zu sehen sind, das Grundwasser und die Brunnen der Region sind weiterhin verseucht, Fehlbildungen und Schilddrüsenerkrankungen sind medizinischer Alltag. „Unsere Hilfe ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Mirko Ohm, aber sie komme direkt und ohne Umwege zu den Menschen, die sie dringend benötigen.

Ferien für die Kinder von Tschernobyl

Die Ferien für die Kinder aus den radioaktiv verseuchten Regionen Weißrusslands finden 2019 in der Zeit von 07. Juli bis 04. August statt. Dabei werden 24 Kinder im Alter von acht bis 12 Jahren von drei Pädagogen in der Schule Marlow betreut. Ein Ferienplatz für ein Kind, einschließlich der Reise und Versicherung kostet etwa 600 Euro. Im Falle von Geldspenden können Bescheinigungen bei Angabe der vollständigen Adresse ausgestellt werden. Das Spendenkonto: IBAN: DE49 1305 000 0027 0001 590 / BIC: NOLADE21ROS

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