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Ribnitz-Damgarten Hobby-Bastler retten kaputte Geräte
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Hobby-Bastler retten kaputte Geräte
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16:54 11.10.2018
Hartmut Pfüller (l.) ist ein leidenschaftlicher Bastler und hat vor drei Jahren in Ribnitz-Damgarten ein Reparatur-Café gegründet. Rainer Bitter freut sich über die Hilfe. Quelle: Robert Niemeyer
Ribnitz-Damgarten

„Als Kind habe ich immer heimlich die Geräte meiner Eltern auseinander gebaut“, gesteht Hartmut Pfüller, als er in einem Nebengebäude der Volkshochschule in Ribnitz-Damgarten (Vorpommern-Rügen) versucht, einen passenden Schraubenzieher zu finden, um eine LED-Leuchte zu öffnen. Die versteckte Neugierde, herauszufinden, wie elektronische Geräte funktionieren, setzt der heute 70-Jährige sinnvoll ein. Vor fast drei Jahren hat Pfüller das Reparatur-Café in Ribnitz-Damgarten ins Leben gerufen. „Ich hatte in der Presse davon gelesen. In Rostock gab es bereits so ein Café. Das habe ich mir angeschaut und gedacht, so etwas könnte man auch in Ribnitz-Damgarten machen“, sagt Pfüller.

Weltweit mehr als 1600 Repair-Cafés

Vor neun Jahren entstand die Idee der Repair-Cafés. Am 18. Oktober 2009 organisierte Martine Postma in Amsterdam in den Niederlanden das erste Reparaturtreffen. Das Prinzip: Die Besucher der Repair-Cafés bringen ihre kaputten Haushaltsgeräte mit und ehrenamtliche Helfer versuchen, diese zu reparieren. Mittlerweile gibt es weltweit etwa 1600 Repair-Cafés in mehr als 30 Ländern.

„Ich finde es gut, dass es in Ribnitz-Damgarten dieses Angebot gibt. Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Rainer Bitter aus Damgarten, als er Hartmut Pfüller dabei beobachtet, wie er mit dem endlich gefundenen, passenden Schraubenzieher sein LED-Leuchte öffnet. Ein Grundprinzip der Repair-Café ist die Müllvermeidung. Laut Pfüller gehe es aber auch, miteinander in Kontakt zu kommen. „Wir helfen uns gegenseitig“, sagt Pfüller. Und dazu gibt es jedes Mal Kaffee und Kuchen.

Bis zu sechs Hobbybastler stehen den Besuchern des Ribnitzer Repair-Cafés jeden zweiten und vierten Freitag im Monat zur Verfügung. Ob Staubsauger, Toaster, Nähmaschine, Radio oder Fernseher: „Wir reparieren alles, was man tragen kann“, sagt Pfüller, der selbst gelernter Elektromechaniker ist und an der Universität Elektrotechnik unterrichtet hat.

Erfolgsquote: 60 Prozent

Im Schnitt finden zwölf Hilfesuchende mit ihren kaputten Geräten den Weg nach Ribnitz. Doch nicht jedes Gerät kann gerettet werden. Die Erfolgsquote liege bei etwa 60 Prozent. „Aber selbst, wenn ein Gerät nicht zu reparieren ist, hat man immerhin die Gewissheit, dass es Schrott ist und man kann Platz für Neues schaffen“, sagt Hartmut Pfüller.

Wenn es aber gelingt, ein Gerät zu retten, ist die Freude groß. „Manche sind dann wirklich sehr glücklich“, sagt Pfüller. Denn oft sind auch alte Erbstücke dabei. „Alte Geräte lassen besser reparieren als neue. Heutzutage werden Geräte teilweise absichtlich so gebaut, dass man sie nicht reparieren kann, sondern ein neues kaufen muss“, meint der 70-Jährige. Doch auch in diesem Fällen heißt es, dranzubleiben. Deshalb fordern der 70-Jährige und seine Mitstreiter auch schon lange ein Recht auf Reparatur. Unter www.weact.campact.de läuft seit einiger Zeit eine Online-Petition, um die Europäische Union aufzufordern, dieses Recht umzusetzen, unter anderem um den Zugang zu Ersatzteilen und zu Produktinformationen zu vereinfachen.

Hartmut Pfüller jedenfalls sorgt bereits dafür dass auch der Nachwuchs dieses Recht mit Leben füllen kann. „Meine Enkel fragen mich immer, ob ich was Kaputtes habe. Noch bauen sie die Sachen nur auseinander.“ Aber so hat es bei Hartmut Pfüller ja auch begonnen.

Repair Café: 12. Oktober bzw. jeden 2. und 4. Freitag im Monat, 13 bis 16 Uhr, Volkshochschule Ribnitz-Damgarten, Mühlenstraße 10.

Robert Niemeyer

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