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Ribnitz-Damgarten Hölzerner Herrscher in alter Schönheit
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Hölzerner Herrscher in alter Schönheit
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00:00 29.10.2016
Das hölzerne Scheingrab des Pommernherzogs Barnim VI. in der Kenzer Marienkirche nach seiner Restaurierung. Quelle: Detlef Lübcke
Kenz

Die Restaurierung des hölzernen Scheingrabs des Pommernherzogs Barnim VI. in der St.-Marienkirche von Kenz bei Barth ist abgeschlossen. Gefeiert wird dies in einem festlichen Gottesdienst am Reformationstag, wie Pastor Kai Steffen Völker mitteilte. Ein Scheingrab, auch Kenotaph genannt, ist ein Ehrenzeichen für einen oder mehrere Tote.

Nach Angaben von Pastor Völker waren Holzteile beschädigt. Außerdem hatte sich an einigen Stellen die Bemalung gelöst. „Möglich geworden sind die Restaurierungsarbeiten durch die umfassende Förderung der G. und H. Murmann-Stiftung innerhalb der Deutschen Stiftung Denkmalschutz“, berichtete Pastor Völker. Auch die Sparkasse Vorpommern unterstützte die Restaurierung. Die Kirchengemeinde geht nach dem Stand der Berechnungen von etwa 16000 Euro Restaurierungskosten aus. Der Rostocker Restaurator Marcus Mannewitz hat die Schönheitskur für den hölzernen Herrscher ausgeführt. Mannewitz wird Gast des Festgottesdienstes sein. Neben der Orgel wird in diesem Gottesdienst auch die Suite Nr. 6 von Johann Sebastian Bach erklingen, gespielt von der Stralsunder Cellistin Friederike Fechner.

Das älteste Bildnis eines pommerschen Herzogs mit einem Kenotaph aus Holz, das um 1410 von einem unbekannten Künstler angefertigt wurde, steht seit mehr als 600 Jahren im Chor der Kirche bei der Grabkammer des einstigen Herzogs von Pommern-Wolgast. Das Kenotaph ist das einzige aufklappbare hölzerne mittelalterliche Grabmal in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist zugleich die älteste erhaltene bildliche Darstellung eines pommerschen Herzogs überhaupt.

Das Kenotaph ist aus Eichenholz gefertigt und mit schmückendem Schnitzwerk versehen. Es hat eine Länge von etwa 2,40 Meter und eine Maximalhöhe von knapp zwei Meter. Im Innern liegt die rund zwei Meter lange hölzerne Figur des Herzogs. Sie ist im aufgeklappten Zustand sichtbar.

Das Kenotaph Barnim VI. ist eines von mehreren einzigartigen Ausstattungsstücken der Ende des 14. Jahrhunderts errichteten ehemaligen Wallfahrtskirche St. Marien am einst bedeutendsten Wallfahrtsort und späteren ersten Kurbads in Pommern. Die um 1430 entstandenen Glasmalereien in den sechs Chorfenstern stellen den größten Bestand mittelalterlicher Glasfenster in Mecklenburg-Vorpommern und in seinem Umfang auch für den Norden Deutschlands dar. Einzigartig sind ebenfalls der Mosaikfußboden der Seitenkapelle und der mit einer Kammer versehene Altarunterbau. „Er ist älter als die Kirche selbst und stellt vermutlich einen alten Zugang zur Kenzer Quelle dar“, erklärt Kai Steffen Völker.

Herzog Barnim VI. von Pommern war der zweite Sohn des Herzogs Wartislaw VI. Besondere Bekanntheit erreichte Barnim durch den Umstand, dass er an der Seite der Vitalienbrüder am Kaperkrieg gegen die mächtigen Städte der Hanse teilnahm. Das brachte Gewinn in die leeren herzoglichen Kassen.

Barnim, seit 1394 Herzog zu Wolgast-Demmin und Greifswald, war ein gottesfürchtiger Mann. Er glaubte außerdem an die besonderen Kräfte der schon bei den Slawen für ihre heilende Wirkung bekannten Quelle neben der Kenzer Kirche. Deshalb weilte er recht oft in dem kleinen Wallfahrtsort. Das mehrte das Ansehen der Kirche St. Marien und zog zusätzliche Wallfahrer an.

Barnim VI. starb im Wallfahrtsort am 22. September 1405 an der Pest. Vorher hatte er festgelegt, dort auch begraben zu werden. So entstanden die erst im Jahre 2010 bei Sanierungsarbeiten entdeckte Gruft für den Herrscher, das Kenotaph und das von Herzog Philipp II. von Pommern um 1603 gestiftete Kalkstein-Epitaph.

Scheingrab

Ein Kenotaph wird auch als Scheingrab bezeichnet. Es ist ein Ehrenzeichen für einen oder mehrere Tote. Im Gegensatz zum Grab dient es ausschließlich der Erinnerung und enthält keine sterblichen Überreste. Aus gartenkünstlerischen Überlegungen angelegte Scheingräber werden als Scheinfriedhof bezeichnet. Die ersten Kenotaphe waren einfache Grabmale zum Andenken an Tote, deren Gebeine nicht aufgefunden werden konnten.

Detlef Lübcke

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