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Ribnitz-Damgarten „Horst“ hielt Jugendfeuerwehr auf Trab
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Horst“ hielt Jugendfeuerwehr auf Trab
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00:01 16.10.2017
Hannes (v.l.), Steve Karock, Angelina, Sebastian, Eric und Philipp kümmern sich um den verletzten „Horst“. Quelle: Fotos: Susanne Retzlaff
Ribnitz-Damgarten

Das war nicht der Tag von Horst. Gleich nach dem Frühstück fiepte der Rauchmelder des völlig unsportlichen 80-Kilogramm-Kerls. Wenig später brach er in seiner Wohnung zusammen. Seine Wohnungstür musste aufgebrochen werden. Mittags erwischte es ihn bei einer Bootstour auf dem Bodden. Gut, dass am vergangenen Sonnabend rund 20 Nachwuchsretter der städtischen Jugendfeuerwehr im Ribnitzer Gerätehaus gerade einen 24-Stunden-Dienst versahen. Die Kinder und Jugendlichen im Alter von elf bis 17 Jahren aus Damgarten, Klockenhagen und Ribnitz schnupperten so in den Alltag einer Berufsfeuerwehr hinein.

Spannung und Action beim 24-Stunden- Dienst: Nachwuchsretter absolvierten am Sonnabend ein Pensum wie die Profis.

Seit acht Uhr morgens arbeiteten sie, eingeteilt in Gruppen auf verschiedene Fahrzeuge, möglichst selbstständig Schadenslagen ab, wie sie den Profis in einer größeren Stadt begegnen.

Da signalisierte die Brandmeldeanlage der Klinik ein Feuer zum Frühstück. Eine Ölspur in Klockenhagen wollte beseitigt werden. Im Supermarkt galt es, Öffentlichkeitsarbeit zu verrichten.

Personensuche auf dem Bodden-Wanderweg und immer wieder Horsts Missgeschicke hielten die Retter schon vor der Mittagspause in Atem. Die lockte mit Nudeln und Tomatensauce, selbst gemacht und superlecker.

Die Teller waren noch nicht abgeräumt, da kam – auf eigener Jugendschleife um den realen Funkverkehr nicht zu irritieren – der nächste Alarm: „Löschzug 1, Bodden 1, Wasserrettung, eine Person im Wasser“, zeigte das Display.

Anziehen und zum Fahrzeug gehen. Der Gruppenführer meldete der Leitstelle Einsatzbereitschaft und erfragte weitere Details. Der Nachwuchs bewältigte den Funkverkehr eigenständig und erfuhr, dass er es einmal mehr mit Horst zu tun bekommt, der an Bord erkrankt war.

Das Dierhäger Rettungsschlauchboot brachte die Helfer auf den See und Sebastian, Eric, Philipp, Hannes und Angelina den Horst an Land. „Nicht ansprechbar, hat er Puls?“ Horst atmete nicht, die Kids schlugen eine Herzdruckmassage vor. Steve Karock (37) vom Rettungsdienst des Landkreises Vorpommern-Rügen passte auf, dass die Nachwuchsretter bei dieser Übung alles richtig machen. „Drücken ist wichtiger, beatmet wird mit dem Ambubeutel im „C-Griff“, erinnerte er.

Im Wechsel stabilisierten die Jugendlichen den Patienten. Horst mit Puls konnte in die Klinik gebracht werden, wo er sich einmal mehr und viel zu schnell erholen sollte. „Das war nicht schlecht für das erste oder zweite Mal“, lobte Steve Karock die Maßnahmen der Nachwuchsretter.

Kaffeepause im Feuerwehr-Gerätehaus. Marie Scheffler (17) aus Klockenhagen wollte gerade in den Kuchen beißen, da lief der nächste Alarm auf. „Man ist dann hellwach und sehr gespannt“, beschrieb sie das „Oh, ich muss los!“-Gefühl.

Die Leitstelle meldete einen schweren Verkehrsunfall in Bartelshagen I mit zwei eingeklemmten und zwei vermissten Personen, ein Fahrzeug in Brand, ein Gebäude in Gefahr. Horst war gefahren und hatte mit Elfriede einen mit Holzpfählen beladenen Anhänger gerammt, auf den ein weiteres Auto aufgefahren war. Das hatte Feuer gefangen. Eine richtig große Schadenslage, die Übersicht verlangte.

Wer zuerst eintrifft, sichert und bereitet die Einsatzstelle vor. „Jeder will zuerst retten, da fällt es nicht immer leicht, die Anweisungen des Gruppenführers abzuwarten“, beschrieb Berthold Moog, Sprecher der Stadtfeuerwehr, jugendliches Engagement.

Per Sprühstrahl verwandelten Eric und Angelina, auf dem Rücken Atemschutzflaschen (leichtere Attrappen), den qualmenden Unfallwagen langsam in einen mobilen Swimming-Pool, während Neele, Robin, Sebastian und Dominik sich um Horst und Elfriede kümmerten. Zunächst galt es, die Airbag-Sicherung am Lenkrad zu befestigen, die Verletzungen durch ein verspätetes Auslösen verhindert. Horst mit Kopfwunde bekam einen sogenannten Stifneck angelegt, gar nicht so einfach. Elfriede blutete aus dem Bauch. Neele legte einen Druckverband an. Die verwirrten Insassen des gelöschten Pkw wurden aufgegriffen – das war richtig spannend, doch noch lange nicht alles. Das „Drehbuch“ von Stadtjugendwart Steffen Borsch und seinen Kameraden war noch nicht zu Ende.

Ein Wohnungsbrand vor und eine Personensuche nach dem Abendbrot sollten die Helfer weiter in Atem halten. Und wer war da wohl bei einbrechender Dunkelheit verloren gegangen? Horst natürlich. Es war wirklich nicht sein Tag, so oft, wie er am Sonnabend gerettet wurde.

„Wir danken Rettungsdienst, Polizei, dem Schrotthandel in Bartelshagen und allen anderen Unterstützern“, so Berthold Moog.

Susanne Retzlaff

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