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Ribnitz-Damgarten „Im Stadtkulturhaus begann unsere Zeit“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Im Stadtkulturhaus begann unsere Zeit“
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15:59 13.02.2018
Ein Foto eines Arbeitseinsatzes am Ribnitzer Stadtkulturhaus. Quelle: Robert Niemeyer
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Ribnitz-Damgarten

Mit leuchtenden Augen blättern Ingrid und Olaf Frasch durch die Fotoalben. „Schau mal, da sind wir sogar zu sehen“, sagt Ingrid Frasch, als sie ein Foto entdeckt. Es zeigt die heute 69-Jährigen beim Tanz – und zwar im Stadtkulturhaus in Ribnitz-Damgarten (Vorpommern-Rügen). „Da ist unsere Liebe gewachsen“, sagt Olaf Frasch. „Hier begann unsere Zeit“, sagt seine Frau.

Beim Tanz fanden Ingrid und Olaf Frasch zueinander. Doch für das Ehepaar aus Ribnitz steckt – wie für viele andere – noch viel mehr Erinnerung in dem traditionsreichen Gebäude.

Fast jede Woche feierten die beiden, so wie viele Ribnitzer auch, in dem traditionsreichen Veranstaltungszentrum. Unzählige schöne Erinnerungen an die vielen Feste in dem ehemaligen Bürgerhaus hat das Ehepaar aus Ribnitz festgehalten. „So lange, wie ich Ribnitzerin bin, war ich in wohl keinem Haus so oft wie im Stadtkulturhaus, außer in unserem eigenen Haus natürlich“, sagt Ingrid Frasch. Und so wie viele Bürger auch hoffen die beiden, dass noch viele weitere schöne Erinnerungen hinzukommen.

Arbeitsgruppe tagt am 26. Februar

Die Zukunft des Stadtkulturhauses in Ribnitz-Damgarten ist bekanntermaßen ungewiss. Viele Menschen in der Bernsteinstadt befürchten, dass dem traditionsreiche Veranstaltungszentrum das Aus droht (Siehe Infokasten). Ob und wie es weitergeht, soll eine im vergangenen Jahr gegründete Arbeitsgruppe mit Vertretern der Stadtverwaltung und Mitgliedern des Ribnitz-Damgartener Kunstvereins und der Theatergruppe Schlündelgründer ausloten. Am 26. Februar tritt die AG erstmals in diesem Jahr zusammen.

Ingrid und Olaf Frasch eint vor allem die Liebe zur Musik. The Beatles, The Rolling Stones, The Kinks – rockig muss es sein. Entsprechend stimmungsvoll waren die Tanzabende im Stadtkulturhaus. „Die Tanzfläche war immer gerammelt voll. Wenn man nicht schnell genug war, hatte man keinen Platz mehr zum Tanzen“, sagt Olaf Frasch, der damals nicht nur vor der Bühne mit seiner Ingrid durch den Saal wirbelte, sondern als Schüler und später mit mehreren Bands, etwa bei den „Tempies“ – auch auf der Bühne des Stadtkulturhauses stand. „Es war super, das Publikum ist immer ganz nah an der Bühne gewesen“, sagt der 69-Jährige. Eine Atmosphäre, die Musiker auch heute noch schätzen. „Nach der Oldie-Nacht vor kurzem habe ich mit der Band gesprochen. Die haben gesagt, dass sie ein so familiäres Flair lange nicht mehr erlebt hätten.“

Noch immer besuchen die Fraschs regelmäßig Veranstaltungen im Stadtkulturhaus, etwa den monatlichen Kinoabend „Der besondere Film“ und natürlich das traditionelle Weihnachtsmärchen der Schlündelgründer. „2009 haben unser Schwiegersohn und ich gemeinsam unseren Geburtstag dort gefeiert, mit etwa 100 Gästen. Das war super“, sagt Ingrid Frasch.

Politische Geschichte

Doch das Stadtkulturhaus bzw. Bürgerhaus, wie es zu DDR-Zeiten hieß, war viel mehr als der wöchentliche Tanzabend. Abifeiern, Zeugnisübergaben, Jugendweihe, Brigadefeiern, Schützenfeste, Seniorennachmittage, Nachtrevue, Modenschau – es gab viele Gründe, das Stadtkulturhaus zu besuchen. Fotos von Arbeitseinsätzen belegen, dass das Haus auch im Wortsinn ein Bürgerhaus war, wenn Ribnitzer ehrenamtlich Steine schleppten oder die Flächen rund um das Gebäude pflegten.

Und dann hat das Stadtkulturhaus natürlich auch noch eine politische Vergangenheit. Am 4. April 1946 wurde in der Gaststätte Bürgerhalle – so hieß das Haus damals – aus KPD und SPD der SED-Ortsverband Ribnitz-Damgartens. Unvergessen natürlich der 23. Oktober 1989, als sich gut 3000 Menschen am Stadtkulturhaus versammelt hatten. Die Stadtverwaltung hatte an diesem Tag einige Auserwählte ins Haus eingeladen. Ingrid und Olaf Frasch standen damals bei Regen in der Menge vor dem Gebäude. „Da hat die friedliche Revolution in Ribnitz-Damgarten begonnen ein bewegender Abend“, erinnert sich Olaf Frasch.

„Wenn man sich in einer Stadt heimisch fühlt, dann kommt das vor allem durch Erinnerungen an Ereignisse. Und die verbindet man immer mit bestimmten Orten“, sagt Ingrid Frasch. Ein solcher Ort sei das Stadtkulturhaus. „Man mag sich nicht vorstellen, dass es nicht mehr da ist. Das würde richtig wehtun.“

Privatisierung 2019?

Privatisierung von kommunalen Objekten heißt es knapp in der sogenannten Migrationsliste der Stadtverwaltung, beschlossen Ende 2016 durch die Stadtvertretung. Diese Liste beinhaltet Maßnahmen, um den Haushalt der Stadt auszugleichen. Für das Stadtkulturhaus ist eine Privatisierung für 2019 angestrebt. Dass das gleichzeitig einen Verkauf bedeuten könnte, hatte die Stadt Ende vergangenen Jahres relativiert. Es sollen Lösungen gesucht werden, das Stadtkulturhaus zu erhalten. Fest stehe jedoch, dass die notwendige Sanierung den finanziellen Rahmen der Stadt übersteigen würde. Zudem könne sich die Stadt den Betrieb zweier Veranstaltungsstätten dieser Größe – Stadtkulturhaus und Begegnungszentrum – nicht leisten. Ende vergangenen Jahres war deshalb eine Arbeitsgruppe gegründet worden, die das Thema Stadtkulturhaus nun diskutiert.

Niemeyer Robert

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