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Im feinen Zwirn ins Erwachsenendasein

Ribnitz-Damgarten Im feinen Zwirn ins Erwachsenendasein

In Ribnitz-Damgarten nehmen in diesem Jahr 140 Achtklässler an der Jugendweihe teil.

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Jessica Babe, Vanessa Wrede, Katja Schult und Vanessa Weber (v. l.) freuen sich schon sehr auf ihre Jugendweihe.

Quelle: Wilma Welzel

Ribnitz-Damgarten. Die Jugendweihe ist bei den Achtklässlern nach wie vor beliebt. In Ribnitz-Damgarten erhalten in diesem Jahr 140 Jungen und Mädchen die Jugendweihe, das sind 15 mehr als im vorigen Jahr.

„Das ist ein landesweiter Trend“, stellt die Mitarbeiterin vom Verein Jugendweihe Mecklenburg-Vorpommern, Ute Wolter (54), fest. „Mittlerweile nehmen 52 Prozent der Achtklässler an der Jugendweihe teil. Das sind landesweit in diesem Jahr 6000 Teilnehmer. Sie ist die Alternative zur Konfirmation, die die evangelische Kirche mit 14-Jährigen sowie deren Angehörigen feiert.“

Beides seien Höhepunkte im Leben der Heranwachsenden sowie deren Angehörigen und haben in den vergangenen Jahren gesellschaftliche Anerkennung gefunden. Die Entscheidung für Konfirmation oder Jugendweihe falle in der Familie, betont Ute Wolter.

„Bei uns hat die Jugendweihe schon lange Tradition, weil wir kirchlich nicht gebunden sind“, erklärt Jessica Babe aus Ribnitz. „Deshalb habe ich mich für die Jugendweihe entschieden, die ich mit Verwandten und Freunden so richtig feiere.“ So sei es auch bei einigen ihrer Schulfreunde. In den Monaten vor der Jugendweihe wurden den Teilnehmern der Stadt viele Veranstaltungen geboten, beispielsweise Reisen nach London und Paris, der Besuch des Musicals „Tarzan“ in Hamburg, der Besuch des Konzentrationslagers Ravensbrück oder ein DRK-Lehrgang.

„Geplant war auch ein Tanzkurs, der aber wegen mangelnder Schülerzahlen nicht zustande kam“, bedauert Katja Schult. Die Jugendweihefeier der Stadt wird am 25. Mai in Trinwillershagen stattfinden.

„Es wird drei Feierstunden geben, um den Jugendlichen einen angemessenen persönlichen Rahmen zu geben. Und natürlich soll auch für die Angehörigen genügend Platz da sein“, erklärt Ute Wolter. Die Festrede wird in diesem Jahr erstmalig Tino Leipold (24) halten, der als Sozialkundelehrer an der Bernstein-Schule sowie am Wossidlo-Gymnasium tätig ist. Er unterrichtet sechs 8. Klassen und hat ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Schülern. Sie baten ihn auch darum, zu ihrer Jugendweihe zu sprechen. „Und ich habe angenommen, denn das ist schon ein wirklicher Vertrauensbeweis“, weiß der junge Lehrer.

„Für mich ist wichtig, meine Schüler zu ermutigen, in der Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen, Engagement zu zeigen und nicht nur zu nehmen, sondern auch der Gemeinschaft etwas zu geben“, betont er. Auch das Festprogramm werde frisch und schwungvoll sein, das alle begeistern wird. Aber das Wichtigste sei natürlich die Überreichung der Urkunden. Ja, und bevor der große Tag für die Jungen und Mädchen kommt, gibt es noch einiges für sie zu bedenken: Was ziehe ich an? Welche Frisur passt dazu?

„Denn ich möchte ja an diesem festlichen Tag auch schick sein. Schließlich wird man ja nicht jeden Tag in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen“, unterstreicht Vanessa Wrede aus Marlow. Sie hat sich für ein elegantes, schwarzes Kleid und hohe Absatzschuhe entschieden, während Jessica Babe ein smaragdgrünes Kleid, Ballerinas sowie eine Hochsteckfrisur tragen wird. So sollen es tolle Kleider, Pumps sowie edle Anzüge sein, die die jungen Leute zur Feier des Tages tragen werden. Die Zeiten sind vorüber, als noch der Freizeitlook zu diesem Anlass überwog.

Begriff Jugendweihe seit 1852
Erstmals tauchte der Begriff Jugendweihe 1852 auf. Er geht auf einen Vorschlag von Eduard Baltzer zurück. Damit sollte sich die Abkehr von den Kirchen auch in der Terminologie niederschlagen. Denn zunächst wurden noch Begriffe aus der christlichen Tradition (Konfirmation) für außerkirchliche Feiern benutzt oder ihr Ersatzcharakter betont. Die neue Form des Initiationsritus wurde von freireligiösen Gemeinden entwickelt. In Opposition zu den Kirchen organisierten sie einen kulturgeschichtlich fundierten Moralunterricht für ihre Kinder. Die abschließende Jugendweihe war vor allem eine Feier zur Schulentlassung, deshalb erhielt man sie im Alter von 14 Jahren.

Wilma Welzel

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