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Immer mehr Frauen arbeiten in Mini-Jobs

Ribnitz-Damgarten Immer mehr Frauen arbeiten in Mini-Jobs

Gewerkschaften kritisieren diese Entwicklung im Landkreis und rufen dazu auf, Dumpinglöhne zu melden.

Ribnitz-Damgarten. Lediglich 46 Prozent aller Vollzeitstellen im Landkreis Vorpommern-Rügen sind mit Frauen besetzt. Das hat das Pestel-Institut aus Hannover ermittelt. Bei den Teilzeit- und Mini-Jobs betrage der Frauenanteil dagegen 70 Prozent.

Diese Entwicklung moniert Detlev Follak von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). Gerade bei den Teilzeit- und Mini-Jobs sei das Niedriglohn-Risiko am höchsten. „Zwei von drei der Mini-Jobs werden mit weniger als 8,50 Euro pro Stunde bezahlt. Oft liegen sie sogar weit darunter“, sagt Follak. Der Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Rostock spricht von einer „Niedriglohn-Schicht“, die vom „fair bezahlten und damit anständigen Arbeitsmarkt“ mehr und mehr abgekoppelt werde. „Gerade Frauen werden als billige Arbeitskräfte von Teilen der heimischen Wirtschaft regelrecht ausgenutzt“, so Follak.

„Mini-Jobber übernehmen die Arbeit von Vollzeitkräften. Jobs werden zerschlagen, Löhne gedrückt“, sagt Jörg Dahms von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss- Gaststätten (NGG). Der Geschäftsführer der NGG-Region Mecklenburg-Vorpommern belegt dies mit Zahlen des Pestel-Instituts. NGG und ver.di haben das Institut damit beauftragt, die regionale Arbeitsmarktsituation zu beurteilen. Demnach hat die Zahl der Mini-Jobs in den letzten zehn Jahren um 61 Prozent zugenommen. Frauen seien im Landkreis heute in rund 6830 Mini-Jobs tätig. „Mini-Jobber sind moderne Tagelöhner — mies bezahlt mit wenig Schutz“, sagt Dahms. Er beklagt eine „völlig verlotterte Moral im Umgang mit dem Wert von Arbeit“.

„Wer für einen Dumpinglohn schuftet, der fühlt sich von der Gesellschaft mit Füßen getreten“, sagt Detlev Follak. Vordringliche Aufgabe der neuen Bundesregierung müsse es daher sein, einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro einzuführen.

„Für einen Niedriglohn zu arbeiten, bedeutet, dass man den Gürtel ganz eng schnallen muss“, sagt Jörg Dahms. „Bus- und Bahnfahrten sind für diese Menschen oft schon etwas Besonderes. Der Gang ins Kino oder Freizeitbad ist die absolute Ausnahme. Und ein Restaurantbesuch der pure Luxus“, so der Geschäftsführer der NGG-Region Mecklenburg-Vorpommern.

Beide Gewerkschaften appellieren an alle Beschäftigten, die einen Niedriglohn von weniger als 8,50 Euro pro Stunde bekommen, diesen online beim Dumpinglohnmelder anzuzeigen. NGG und ver.di wollen so die „Deutschland-Billiglohn-Landkarte“ vervollständigen. Wie sie erklären, zeichne sich dabei schon jetzt ab, dass „die Armut ganz oft weiblich ist“.

• Internet:

www.dumpinglohnmelder.de

 

Detlef Lübcke

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