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Ribnitz-Damgarten Immer mehr Menschen geraten in die Schuldenfalle
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Immer mehr Menschen geraten in die Schuldenfalle
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00:00 12.03.2013
Bei vielen Menschen in der Region reicht das Geld nicht mehr aus. Folge: Sie verschulden sich. Die Zahl der Schuldner, die in der Ribnitz-Damgartener Beratungsstelle Hilfe suchten, ist 2012 stark gestiegen. Quelle: Fotolia
Ribnitz-Damgarten

— Schuldenberge werden größer: Immer mehr Menschen suchen Hilfe in der Schuldnerberatungsstelle des Arbeitslosenverbandes Ribnitz-Damgarten. „2012 waren es so viele, dass es eine Warteliste gab“, berichtet Monika Böhmert. Gemeinsam mit Helga Billep und Gabriele Bier versucht sie das finanzielle Chaos der Schuldner in den Griff zu bekommen.

Wurden im Jahr 2010 insgesamt 448 Klienten betreut, waren es im vergangenen Jahr schon 491. Davon sind 183 Menschen neu aufgenommen worden. Deren Gesamtverschuldung lag bei rund 4,6 Millionen Euro.

Das waren über eine Million Euro mehr als noch 2011.

„41 von den neu aufgenommenen Klienten haben zwar Arbeit, verdienen aber als Saisonarbeiter oder als Niedriglohner so wenig, dass sie aufstocken müssen“, macht Helga Billep deutlich. Einen Anhaltspunkt dafür, in welcher finanziellen Lage sich die 183 neu erfassten Schuldner befanden, zeigt die Tatsache, dass von ihnen 91,8 Prozent unterhalb der Pfändungsfreigrenze bleiben. „Von ihnen ist nichts mehr zu holen“, erklärt Gabriele Bier, was das bedeutet.

Noch mehr zu tun als sonst gab es für die drei Beraterinnen unter anderem wegen der Einführung des Pfändungsschutzkontos im Januar vorigen Jahres. Das so genannte P-Konto ist die einzige Möglichkeit, bei einer Kontopfändung Geldbeträge zu schützen, erläutert Böhmert. „Auf dem Konto steht dem Betroffenen, im Falle der Pfändung des Kontoguthabens, ein Grundfreibetrag von 1028,89 Euro zu. Damit soll erreicht werden, dass der Schuldner sein Existenzminimum sichern kann.“ Allerdings bestehen die Banken häufig auf entsprechende Bescheinigungen. „Dabei helfen wir, auch mal ohne Termin“, sagt Monika Böhmert.

Die Gründe, warum Menschen in die Schuldenfalle geraten, seien sehr unterschiedlich. Dazu gehören unter anderem Arbeitslosigkeit, Trennung vom Ehepartner oder Tod des Ehepartners. „Viele Menschen kommen mit solchen persönlichen Schicksalsschlägen nicht klar, verschulden sich und manche werden psychisch krank“, sagt Helga Billep. Bei den jungen Leuten sei es eher der sorglose Umgang mit Geld, der in die Schuldenfalle führe. Und noch eines: Die Altersarmut mache sich immer stärker bemerkbar.

„Unter unseren Klienten sind Menschen, die 70 Jahre und älter sind und von einer mickrigen Rente leben müssen“, so Billep. Bei Älteren sei die Scham besonders groß, Hilfe in Anspruch zu nehmen, ergänzt Gabriele Bier. Aber dazu bestehe kein Grund und es sei falsch, da damit die Probleme nicht gelöst würden. „Viele Schuldner kommen mit einem Rucksack voller Probleme zu uns. Wenn sie uns verlassen, ist der Rucksack nicht mehr ganz schwer. Dann hat sich die Arbeit gelohnt“, so Böhmert.

Beratung zwischen Ribnitz, Barth und Marlow

4,6 Millionen Euro Schulden haben die Menschen, die 2012 erstmals die Beratungsstelle aufsuchten, insgesamt angehäuft. Davon entfallen allein 3,3 Millionen Euro auf Bankschulden. Unter den 183 neuen Klienten bezogen 90 Arbeitslosengeld II und neun bekamen Arbeitslosengeld I.

Die Schuldner- und Insolvenzberatung gibt es in Ribnitz-Damgarten seit 1993. Im September dieses Jahres wird das 20-jährige Jubiläum begangen. Die Beratungen sind kostenlos, alle Angaben der Klienten werden vertraulich behandelt. Das Angebot reicht von einfachen Beratungen bis zum privaten Insolvenzverfahren. Die Schuldnerfachberaterinnen sind nicht nur für Ribnitz-Damgarten zuständig, sie helfen auch Schuldnern aus Barth, Marlow, Bad Sülze, Richtenberg und Tribsees. Sie stehen auch für telefonische Beratungen zur Verfügung.

☎ 03821/81 09 59

Edwin Sternkiker