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Ribnitz-Damgarten In Rekordzeit um Kap Hoorn
Vorpommern Ribnitz-Damgarten In Rekordzeit um Kap Hoorn
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00:25 10.11.2014
Die Viermastbark „Priwall“ unter vollen Segeln. Mit ihr gelang dem Ribnitzer Kapitän Adolf Hauth die schnellste Kap-Hoorn-Umrundung aller Zeiten. Quelle: Archiv Hans Erichson
Ribnitz-Damgarten

Als der Erste Weltkrieg im Sommer 1914 so überraschend über Europa hereinbrach, waren viele deutsche Seeleute mit ihren Seglern und Dampfern auf allen Meeren unterwegs. Die alle Weltmeere beherrschende englische Marine jagte die deutschen Handelsschiffe und brachte viele Handelsschiffe auf, wenn sie nicht rechtzeitig einen schützenden neutralen Hafen gefunden hatten. Auch viele Ribnitzer, Fischländer und Darßer Seeleute saßen bei Ausbruch des Krieges in fremden Häfen fest. Ein solches Schicksal ereilte auch die beiden Ribnitzer Matrosen Hermann und Adolf Hauth.

Die große Zeit der Segelschifffahrt war schon vorbei, als Adolf Hauth am 8. Januar 1899 in Ribnitz geboren wurde. Er ging mit 14 Jahren zur See. Seine erste Seereise machte Adolf Hauth 1913 auf einem Küstensegler.

Sein zwei Jahre älterer Bruder Hermann fuhr zur gleichen Zeit schon bei der bekannten Hamburger Reederei Laeisz als Leichtmatrose auf der Fünf-Mast-Bark.

Im Februar 1914 konnte Adolf Hauth auch bei der Reederei

Laeisz als Leichtmatrose auf der Viermastbark „Passat" anheuern. Seine erste große Reise führte ihn von Hamburg um das berüchtigte Kap Hoorn nach Chile. In der chilenischen Hafenstadt Valparaiso überraschte der Erste Weltkrieg die Besatzung der „Passat“, die dort interniert wurde. Es muss wohl ein großes Hallo gegeben haben, als Adolf Hauth dort im Hafen von Valparaiso seinen Bruder Hermann traf, der mit der „Potosi“ in Chile Schutz gefunden hatte. Sechs lange Jahre verbrachten die Brüder Hauth untätig im fernen Chile. Erst 1920 konnten sie wieder in die Heimat zurückkehren.

Manches wiederholt sich im Leben. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, war Adolf Hauth wieder in Chile. Aber dieses Mal als Kapitän der Hamburger Viermastbark „Priwall“.

Adolf Hauths erste Reise als Kapitän der „Priwall“ begann am Februar 1937 in Hamburg. Den Äquator kreuzte sie am 27. März. Am 27. April lag sie südlich vor Kap Horn, musste gegen stürmische Westwinde ankreuzen und erreichte nach 78 Tagen am 16. Mai 1937 den Zielhafen Talcuhuano (südlich von Santiago).

Die nächste Südamerikareise der „Priwall“ sollte aber das Schiff und seinen Kapitän berühmt werden lassen. Am 30. August 1938 verließ die „Priwall“ den Hamburger Hafen mit dem Ziel Santiago in Chile.

Die „Priwall“ hatte Stückgut und Koks geladen. Nachdem der Kanal passiert war, brachten frische Winde die Viermastbark schnell südwärts. Am 4. Oktober passierte das Schiff den Äquator.

Am 31. Oktober wurde bei den Falklandinseln der 50. Breitengrad überschritten. Dieser Breitengrad war für Kapitäne der Segelschiffe eine wichtige Marke. Bei der Umrundung von Kap Hoorn rechnete man die Fahrzeit, die ein Segelschiff nach der Überquerung des 50. Breitenkreises im Atlantik bis zum 50. Breitenkreis im Stillen Ozean benötigte. Für die Umschiffung der Südspitze Amerikas benötigten die Segelschiffe damals etwa zwei bis drei Wochen.

Über die Umrundung von Kap Hoorn berichtete Kapitän Hauth: „Am 31. Oktober hatten wir mit starken nordwestlichen Winden den 50. Breitengrad im Atlantik überschritten, einen Tag später stand die ‘Priwall‘ am Eingang der Le-Maire-Straße. Wir gingen unter vollen Segeln durch die Straße. Die ganze Zeit über hatten wir nordwestliche Winde. Am nächsten Morgen kam Kap Hoorn in Sicht. Der Wind drehte nach Süden und frischte auf. Aber wir konnten noch Vollzeug stehen lassen. Dann folgten nach und nach südwestliche und westliche Winde. Als der Wind direkt aus Westen wehte, drückte er mich etwas näher zur chilenischen Küste, aber ich ließ das Schiff laufen. Am 5. November um 14 Uhr überschritt die „Priwall“ den 50. Breitengrad auf 79° West. Ich konnte die Rahen wieder etwas aufbrassen und direkt nach Norden steuern. Am 12. November 1938 erreichte die „Priwall“ nach einer Fahrtdauer von insgesamt 72 Tagen den Hafen von Valparaiso.“

Diese Kap-Hoorn-Umsegelung der „Priwall“ vom 50. Breitengrad im Atlantik bis 50. Breitengrad im Stillen Ozean dauerte genau fünf Tage und 14 Stunden. Damit hatte Kapitän Hauth mit der Viermast-Bark „Priwall“ die schnellste Kap-Hoorn-Umrundung aller Zeiten vollbracht.

In seemännischen Zeitschriften wurde diese einmalige Leistung ausführlich gewürdigt. Sie ist nie mehr von einem frachttragenden Segler unterboten worden.

Serie

OZ historisch
Das Ende der „Priwall“ kam 1945
Die nächste Reise der „Priwall“ nach der Rekordumrundung von Kap Hoorn begann am 31. Mai 1939. Mitte August erreichte sie den chilenischen Hafen Valparaiso. Am 1. September 1939 brach der 2. Weltkrieg aus. Wie 25 Jahre zuvor bei Beginn des Ersten Weltkrieges saß Adolf Hauth wieder mit seinem Schiff in einem fremden Hafen fest.

Auf Grund von deutsch-chilenischen Verhandlungen wurde die „Priwall" am 1. Mai 1941 an die chilenische Regierung übergeben. Am 6. Juni wurde das Schiff unter dem Namen „Fregatte Lautaro" als ladungstragendes Schulschiff von der chilenischen Marine in Dienst gestellt. Nach der Übergabe an die chilenische Marine transportierte die „Lautaro" Salpeter von Chile in die Westhäfen der USA.

Das Ende des Schiffes kam, als auf der Reise von Chile in die USA am 28. Februar 1945 vor der peruanischen Küste die aus 3200 Tonnen Salpeter bestehende Ladung in Brand geriet.

Bei dem schnell um sich greifenden Feuer wurde das Segelschiff zerstört. Insgesamt 19 Seeleute verloren dabei ihr Leben.



Hans Erichson

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