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Jeder Sechste in der Region bricht Lehre ab

Ribnitz-Damgarten Jeder Sechste in der Region bricht Lehre ab

Die Zahlen der Industrie- und Handelskammer in Stralsund sind alarmierend. Jeder Sechste in Vorpommern-Rügen bricht laut IHK seine Lehre ab. Im vergangenen Jahr waren es 856 Verträge, die vorzeitig aufgelöst wurden.

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Der Trend ist fatal: Hotellerie und Handel sind nicht mehr so interessant für Jugendliche.“Karsten Liefländer, IHK

Ribnitz-Damgarten. Knapp die Hälfte davon kam aus dem Bereich Hotel- und Gaststättengewerbe.

„Wir haben eigentlich zwei Probleme: Es gibt nicht genug Bewerber für die Anzahl der Stellen, die wir zu vergeben haben, und die Abbrecherquote derer, die sich für eine Ausbildung in der Branche entschieden haben, ist dann auch noch relativ hoch. Das ist eine fatale Mischung“, sagt IHK- Geschäftsstellenleiter Karsten Liefländer gestern auf OZ-Anfrage. Das Hotelgewerbe sei für viele Jugendliche nicht mehr interessant. Gründe, warum die Lehrlinge ihre Ausbildung hinschmeißen, gebe es viele: Einige seien ungeeignet, andere fänden die Bedingungen schlecht, wollen beispielsweise nicht jedes Wochenende arbeiten. Bei 17 Prozent der Abbrecher kam es 2012 zu einer Vertragsauflösung nach der Probezeit. 45 Bewerber erschienen gar nicht erst, weil sie inzwischen etwas anderes gefunden hatten.

„Vielen Jugendlichen fehlt die Voraussicht in den Beruf. Der Job ist sehr schön, aber auch hart“, glaubt Volker Schulz (41), Regionsvorsitzender Vorpommern des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Ein Problem seien die Arbeitszeiten und die geringe Bezahlung. Eine Ausbildung beispielsweise in der Metallindustrie wäre deutlich attraktiver. Das Problem ist nur: Zwischen Rügen und Fischland-Darß-Zingst arbeitet jeder Vierte bis Fünfte im Tourismusbereich. Das gute Angebot auf dem derzeitigen Ausbildungsmarkt würde das Nachwuchsproblem im Hotel- und Gastronomiegewerbe deutlich verstärken. „Die Konkurrenzsituation ist sehr groß“, sagt Schulz. Er appelliert aber auch an die Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen: „Wenn wir Qualitätstourismus haben möchten, muss auch die Ausbildung entsprechend sein.“ Es sei wichtig, dass die Betriebe engen Kontakt zu den Schulen in der Region halten.

Diese Chance, die Schüler frühzeitig anzuwerben, sieht auch Matthias Dettmann, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in MV: „Wir werden uns in Zukunft noch intensiver mit dem Übergang Schule und Beruf beschäftigen.“ Denkbar sei beispielsweise, dass Auszubildende regelmäßig in den Schulen ihre Erfahrungen schildern oder dass Schüler mal einen Tag in den Betrieb hineinschnuppern können.

Dettmann sieht aber auch die Politik in der Pflicht. In einer Diskussionsrunde zum Thema Tourismus „Hurra, die Gäste kommen“ am Montagabend im Stadtkulturhaus hatte er vor allem die fehlende Infrastruktur im öffentlichen Nahverkehr und in der Kinderbetreuung bemängelt. Zu der Veranstaltung hatte Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen (SPD) eingeladen. Die Anwesenden diskutierten auch die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns, um das Ansehen der Branche zu verbessern.

Elf Prozent brachen in Probezeit ab
18,9 Prozent der Ausbildungsverträge sind 2011 aufgelöst worden. Das entsprach 1195 Verträgen. Im vergangenen Jahr waren es im IHK-Bereich Stralsund rund 450 Ausbildungsverträge weniger, die überhaupt zustande kamen. 856 von denen wurden vorzeitig aufgehoben, weil die Lehrlinge abbrachen oder gekündigt wurden. Elf Prozent davon sind laut IHK noch in der Probezeit aufgelöst worden.

Virginie Wolfram und Anika Hoepken

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Der Trend ist fatal: Hotellerie und Handel sind nicht mehr so interessant für Jugendliche.“Karsten Liefländer, IHK

Besonders viele Verträge in Vorpommern-Rügen wurden im Bereich Hotel- und Gaststättengewerbe aufgelöst.

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