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Ribnitz-Damgarten Keine Absage – kein Versprechen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Keine Absage – kein Versprechen
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18:52 05.05.2017
Verkehrsminister Christian Pegel stellte sich in Barth den Fragen rund um die mögliche Schließung der Bahnlinie Barth-Velgast. Quelle: Carolin Riemer
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Barth

Glückliche Gesichter gab es am Freitag im Barther Theater (Vorpommern-Rügen) nicht. Etwa 200 Menschen kamen zur Diskussion mit Verkehrsminister Christian Pegel (SPD), in der es um die Zukunft der Bahnlinie Barth-Velgast und um die Darßbahn ging. Doch sie hatten sich anscheinend mehr von dem Ministerbesuch erhofft.

Einhellig war die Meinung der Barther zu Beginn der Veranstaltung. Erstens: Respekt vor dem Minister, weil er Mut bewies und sich den Fragen stellte. Zweitens: Die Bahnlinie muss bleiben und auch die Darßbahn muss her. „Sollte Barth vom Schienennetz abgeschnitten werden, wäre es eine Katastrophe für die Menschen, die Wirtschaft und den Tourismus vor Ort“, sagte beispielsweise Heyko Mews. Mehr als 10 000 Unterschriften für den Erhalt der Bahnlinie sammelte er bislang. Am Freitag wurden sie Christian Pegel überreicht.

Komplizierte Rechenaufgabe

Doch der Minister machte den Barthern deutlich, dass der Erhalt der Linie eine komplizierte und weitreichende Rechenaufgabe ist und noch keine Entscheidung getroffen wurde – weder für noch gegen die Bahn. Erst im Spätsommer seien die Berechnungen so weit abgeschlossen, dass er abwägen könne, ob das Land sich den Erhalt der Linie und die millionenschwere Investition in die Darßbahn leisten könne.

„Es gibt keinen Nahverkehrszug, der sich rechnet. Jeder Zug kostet Geld“, stellte er klar. Etwa 190 Millionen Euro Kosten verursachen Bahnlinien in MV jährlich. Dabei sei das Budget vom Bund seit diesem Jahr geschrumpft und stehe einem weiteren Kostenwachstum entgegen. „Wir müssen berechnen, was wir uns in den kommenden Jahren noch leisten können“, sagte Pegel. Da betrachte er die geringen Fahrgastzahlen auf der Strecke zwischen Barth und Velgast eben kritisch. Täglich nutzen etwa 340 Menschen die Linie – verteilt auf 16 Züge. „Und dafür zahlen wir Millionen. Deswegen kann ich mir eine Fortsetzung zum jetzigen Zeitpunkt schwer vorstellen“, so Pegel. Die Darßbahn halte er dagegen für höchst sinnvoll.

Die Barther nutzten die Chance und sagten dem Minister ihre Meinung. „Mit Zahlen bringt man Menschen zum Schweigen“, sagte Helga Mienert. Nicht die Wirtschaftlichkeit, sondern die Menschen, die auf die Bahn angewiesen sind, sollten im Vordergrund stehen. Busse würden der Bahnlinie nicht gerecht werden, weil sie im Stau stehen und weite Umwege fahren. Außerdem stelle der Einstieg für Menschen mit Gehbehinderungen ein Hindernis dar.„Er ist uns nicht gesonnen“, vermutete Peter Hermstedt und schüttelte den Kopf.

Entscheidung erst im Spätsommer

Christian Pegel argumentierte hingegen, dass er das ganze Land im Blick behalten müsse, mit genau dem Kostenrahmen, der ihm zur Verfügung steht. „Ich mag nicht in Grimmen Bahnlinien schließen, nur damit hier noch ein Zug fährt. Der Haushalt des Landes ist mit ihrem privaten Haushalt vergleichbar. Wir müssen berechnen, was wir uns leisten können, und dürfen nicht über unsere Verhältnisse leben.“ Worte, die den Zuhörern nicht aus der Seele sprachen und mit grimmigem Gemurmel quittiert wurde.

Doch Pegel blieb bei seinen offenen Worten: „Ich werde Ihnen heute keine Versprechen geben, die ich vielleicht später nicht halten kann. Lieber lasse ich mich dreimal von Ihnen verhauen und erscheine heute unfreundlich. Eine Entscheidung kann erst im Spätsommer getroffen werden.“ Stefan Kerth, Bürgermeister von Barth, betonte, dass die Stadt durch die Darßbahn einen riesigen Sprung nach vorn machen würde und verstand die Argumente des Ministers: „Verstehen Sie die Worte nicht als Absage, ich sehe es auch nicht so“, sagte er abschließend zu den Zuhörern. Und an Christian Pegel gerichtet: „Keine Bahn ist keine Lösung.“

Carolin Riemer

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