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Ribnitz-Damgarten Kenzer Kreuz zieht nach 100 Jahren um
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Kenzer Kreuz zieht nach 100 Jahren um
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18:39 19.07.2018
Lis Mette Eggers retuschiert das 650 Jahre alte Triumphkreuz der Kenzer Kirche. Quelle: Carolin Riemer
Barth

Ehrfürchtig und vorsichtig trägt Lis Mette Eggers die Farbe auf das 650 Jahre alte Triumphkreuz der Kenzer Kirche auf. Die 19-Jährige und Restaurator Marcus Mannewitz betrachten ihre Arbeit kritisch. Der Farbton muss passen. Er darf keine Nuance zu hell oder zu dunkel sein.

Nach mindestens 100 Jahren zieht das Triumphkreuz um

Am Freitag bekommen die Jesusfigur und das Kreuz einen neuen Platz in der Kirche. Von der Nordwand im Chor, wo sie vermutlich mehr als 100 Jahren lang hing, ziehen sie in den Übergang zwischen Kirchenschiff und Chor. „Dort, in der Nähe der Kanzel, kommen sie besser zur Geltung. Es wird ein Highlight für die Besucher der Kirche“, ist sich der Restaurator sicher. Doch bis es so weit ist, vergießen Marcus Mannewitz und seine Kollegen noch einige Schweißperlen. Das 150 Kilo schwere Triumphkreuz besteht aus massivem Eichenholz und wird mit Hilfe eines Flaschenzuges an einem Stahlseil in die Höhe gezogen. Das darf nicht schief gehen, die Skulptur ist wertvoll und wurde in den vergangenen vier Monaten aufwendig auf einem Baugerüst in sechs Metern Höhe restauriert.

Verantwortung, Stolz und Ehrfurcht

Marcus Mannewitz hatte Unterstützung von Lis Mette Eggers und Louisa Wittorf, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren und sich bei diesem Projekt in den Beruf des Restauratoren verliebt haben. „Es ist ein schönes Gefühl. Ich bin stolz und habe viel Verantwortung. Schließlich soll das Kreuz in den nächsten 100 Jahren nicht noch einmal restauriert werden“, sagt die junge Frau aus Schleswig-Holstein. Zuletzt wurde es im Jahr 1901 überarbeitet.

In den vergangenen Monaten gaben sie dem Kreuz und der Jesusfigur ihre Farbe zurück. Sie reinigten, retuschierten Stellen an denen die Farbe verloren ging und besserten kleine Unebenheiten aus. Neues Blattgold trugen sie auf und ein Holzbildhauer gab Jesus die verlorenen Fingerspitzen zurück. Nun strahlt er in neuem Glanz und kann seinen Platz an prominenter Stelle beziehen.

Finale Arbeiten vor dem Umzug und ein versteckter Vers

Am Donnerstag wurden die finalen Arbeiten erledigt. Die frisch vergoldeten Blätter, die um das Kreuz angeordnet sind, wurden wieder angebaut. Doch zu den Arbeiten gehört auch, dass Marcus Mannewitz die Jesusfigur am Kreuz befestigen muss. Dazu verwendet er drei Nägel. Zwei führen durch die Handflächen der Jesusfigur, einer durch die Füße. Ein komisches Gefühl sei das, sagt der erfahrene Restaurator: „Darüber möchte ich auch gar nicht so genau nachdenken.“

Das Triumphkreuz wurde vermutlich in einer Stralsunder Werkstatt angefertigt und ist älter als die Kirche. Zu diesem Schluss kam Kunsthistoriker Detlef Witt nach genauen Untersuchungen. Die Qualität der Arbeit weiß auch der Restaurator zu schätzen: „Die Farbfassung war gut erhalten. Wir mussten nicht viel retuschieren, sondern hauptsächlich reinigen.“ Auf der Rückseite des 3,30 Meter langen Kreuzes entdeckte er eine Inschrift. „Leider sind nur noch Fragmente übrig“, sagt Louisa Wittorf. Trotzdem konnten sie einen Teil entziffern: „Ehre sey Gott (...) seinen bittren Tod (...) der mit grosser (...) hat gebracht aus aller (...)“, zitiert sie den unvollständigen Vers.

Das Triumphkreuz ist nicht die einzige Arbeit, die Mannewitz und sein Team in den vergangenen Monaten durchführten. Restaurator Bastian Hacker (35) frischte auch die Farbe der Gewölbebemalung auf. Sie wurde gereinigt und mit einem Bindemittel versehen. Im August kehren dann auch die mittelalterlichen Bleiglasfenster wieder in die Kirche zurück. Sie werden derzeit im 800 Kilometer entfernte Städtchen Taunusstein restauriert. Mit den filigranen Fenstern leistete sich die Wallfahrtskirche puren Luxus und macht deutlich, dass Kenz einer der bedeutensten Pilgerorte Vorpommerns war.

Carolin Riemer

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