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Ribnitz-Damgarten Schock für Eltern: Kita schließt von heute auf morgen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Schock für Eltern: Kita schließt von heute auf morgen
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15:18 01.03.2019
Für die Eltern kam die Schlißeung der Kita „Zwergenbahnhof“ in Saal vollkommen überraschend: Madlen Bartsch (v.l.), Marlen Kiehnbaum, Nicole Johannsen mit Lilly Marlen und Mathilda Rose und Nicole Graphentin Quelle: Anika Wenning
Saal

Schock für die Eltern und Kinder der Kindertagesstätte „Zwergenbahnhof“ des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Saal: Am Mittwochabend gegen halb acht erhielten die Eltern den Anruf, dass die Kita mit sofortiger Wirkung geschlossen werde. Grund seien bauliche und technische Mängel. „Das war ein Schlag ins Gesicht. Total unwirklich. Ich kann es noch immer nicht wirklich glauben“, sagt Nicole Grapenthin. „Mir wurde gesagt, dass die Kinder am nächsten Morgen nicht gebracht werden dürfen.“ Ihr erster klarer Gedanke galt den Kindern. „Sie lieben die Kita und ihre Erzieher“, sagt die zweifache Mutter, die alleinerziehend und berufstätig ist. Sowohl ihre dreijährige Tochter als auch ihr fünfjähriger Sohn würden die Einrichtung seitdem sie eineinhalb Jahre alt sind besuchen. Und obwohl die Familie vor fast vier Jahren von Saal nach Lüdershagen zog, sei ein Kita-Wechsel undenkbar gewesen. „Ich habe den Weg in Kauf genommen, weil sich die Kinder hier wohlfühlen. Für die Erzieher ist es nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung.“

Mängel schon lange bekannt

Dass die Sicherheit der Kinder und der Mitarbeiter vorgehe, sei überhaupt keine Frage. Aber es gehe um die Art und Weise. Denn die Mängel seien schon lange bekannt gewesen. „Seit über zwei Jahren wurden die Mängel angesprochen, aber es wurde nichts unternommen. Man hat es nicht ernst genommen“, sagt Nicole Johannsen, deren Zwillinge Lilly Marlen und Mathilda Rose (6) die Kita besuchen. Dass die Eltern so kurzfristig informiert worden seien, sei nicht nachvollziehbar und eine Zumutung. Und auch Elternratssprecher Torsten Simon hat kein Verständnis für dieses Vorgehen: „Es kann doch nicht sein, dass so ein großer Träger keinen Notfallplan parat hat.“

Dieser sei erst am Donnerstagabend gemeinsam mit dem Bürgermeister der Gemeinde Saal, Wolfgang Pierson, Vertretern des Amtes Barth und des ASB sowie Eltern aufgestellt worden. So sollen die Kinder ab Montag, 4. März, in der unteren Etage der Kita betreut werden, denn von den baulichen Mängeln sei nur die obere Etage betroffen. Damit für die insgesamt 44 Kinder genügend Räume zur Verfügung stehen, mussten die Mitarbeiter am Freitag im Erdgeschoss Platz schaffen. Donnerstag und Freitag gab es eine Notbetreuung im Hort. Für die Beseitigung der Mängel gebe es laut Gutachten eine Frist bis zum 7. März. „Aber was passiert, wenn die Mängel bis dahin nicht behoben werden können? Warum sollte jetzt auf einmal das Geld da sein, wenn es vorher nicht möglich war?“, fragen sich Madlen Bartsch und die übrigen Eltern. Die Ungewissheit, wie es weitergehe, sei am schlimmsten. Zumal die Kindertagesstätten in der Umgebung auch keine Plätze frei hätten.

Der ASB Regionalverband Warnow Trebeltal äußerte sich auf OZ-Nachfrage mit einer schriftlichen Stellungnahme zu den Vorfällen. Seit dem 27. Februar liege dem ASB ein Gutachten vor, das sofortige Maßnahmen zur Beseitigung baulicher und technischer Mängel in der Kita „ZwergenbahnhofSaal erforderten. „Aus diesem Grund wurde der Betrieb im Gebäude der Krippe und des Kindergartens ausgesetzt, bis Maßnahmen zur Abstellung wesentlicher Mängel umgesetzt werden. Eltern, Bürgermeister und Ämter wurden informiert. Die baulichen Defizite wurden bereits in der Vergangenheit gegenüber der Gemeinde kommuniziert, da diese Eigentümer des Gebäudes ist“, heißt es in dem Schreiben der Geschäftsführerin, Barbara Schäfer.

Bürgermeister sieht ASB in der Pflicht

„Der ASB ist laut Mietvertrag für die Beseitigung der Mängel zuständig“, erklärt Wolfgang Pierson, Bürgermeister der Gemeinde Saal. Quelle: Anika Wenning

Bürgermeister Wolfgang Pierson, der ebenfalls erst am Mittwochabend über die Schließung informiert worden sei, sieht ganz klar den Träger in der Pflicht. Im Mietvertrag, der im August 2007 geschlossen wurde, sei eindeutig geregelt, dass der ASB für die Beseitigung von Mängeln zuständig sei. Im Gegenzug sei die Gemeinde dem ASB mit dem Mietpreis entgegengekommen. „Sie zahlen gerade einmal 150 Euro. Dann sind 1,50 pro Quadratmeter“, sagt Wolfgang Pierson. Bereits bei einem ersten Gutachten im Juli vergangenen Jahres seien die Mängel festgestellt worden. „Die Kita hätte also eigentlich schon vor sieben Monaten dichtgemacht werden müssen“, sagt Jörg Perlich, Vorsitzender des Bauausschusses der Gemeinde. „Wenn der Träger vor der Schließung mit der Gemeinde geredet hätte, hätte es sicherlich eine Lösung gegeben.“

Anika Wenning

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